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Viele Werkschließungen in Südostasien

Weiteres Risiko für Elektronikfertigung?

Ridvan / peterschreiber.media.
© Ridvan / peterschreiber.media.

Niedrige Impfquoten und offenbar mangelnde Corona-Hygienestandards haben zuletzt in zahlreichen Produktionsstätten in den „kleinen Tigerstaaten“ zu Werksschließungen geführt.

»Betroffen ist momentan insbesondere Malaysia«, so der ZVEI, »es kommt dort immer wieder zu Ausfällen bis hin zu Teil- und Komplettschließungen von Werken«. Da die Entscheidung über notwendige Schließungen in erster Linie die lokalen Regierungen treffen, so Ingrid Pilgram, Pressereferentin beim ZVEI, »lassen sich derzeit keine verlässlichen Aussagen machen, ob es zu lokalen Schließungen kommt, wie lange diese andauern und welche Auswirkungen sie haben werden«.

»Malaysia hat sich zuletzt zu einem Hotspot entwickelt, durch die von der Regierung vorgegeben Schließungen«, berichtet Uwe Reinecke, Regional Vice President Sales bei TTI Europe. »Das hat eine Menge an Lieferanten getroffen, aber auch im passiven Bereich einige Hersteller mehrerer Elektrolyt-Kondensatoren-Brands.« Reinecke weist darauf hin, dass im Gefolge dieser Werksschließungen viele Firmen aktiv Werksimpfungen durchführen lassen, um die Produktion nicht vollständig herunterfahren zu müssen. Sein Fazit: »Es ist auch in Zukunft mit kurzfristigen, nicht vorhersehbaren Unterbrechungen zu rechnen!«

Dr. Dirk Wittorf, Strategic Marketing Manager bei Nexperia, wird konkret: »Malaysia hatte am 7. Juli angekündigt, dass mehrere Distrikte in Negeri Sembilan unter Enhanced Movement Control Order, kurz EMCO, fallen. Darunter auch der Bezirk Seremban. Als Konsequenz wurde ein Lockdown vom 9. bis 22. Juli verordnet. Dies hat auch die Nexperia-Assembly&Text-Fabrik in Seremban betroffen. Am 13. Juli konnte für Firmen des Elektronik- und Elektrik-Sektors eine Ausnahmeregelung erreicht werden, sodass die Fabriken schnell wieder hochgefahren werden konnten.« Aktuell versucht man in Malaysia, durch erhöhte Corona-Hygienemaßnahmen und eine steigende Impfrate weiteren potenziellen Corona-Ausbrüchen entgegenzuwirken.

»Nach unseren Erfahrungen sind mittlerweile alle südostasiatischen Länder von den Auswirkungen durch Corona betroffen«, bestätigt auch Gerhard Reifner, Head of Corporate Supply Chain Management & IMS bei Recom; »aktuell sind wir in unserer Versorgung von keinen Werksschließungen betroffen«. »Gegenwärtig ist keiner unserer Produktionsstandorte in Asien Conrona-bedingt von Schließungen betroffen«, hebt auch Fabian Schiffer, Pressesprecher bei Infineon Technologies, hervor. »Wir sehen allerdings, dass die Entwicklung dynamisch ist.« Auch bei TDK scheint es derzeit keine Probleme zu geben. »Das ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass TDK dank hauseigener Impfangebote inzwischen zumindest eine hohe Quote an Erstgeimpften unter der Belegschaft erreicht hat«, erläutert Josef Vissing, Deputy Head of Sales bei TDK Europe; »das gilt im Übrigen auch für Hot Spots wie Indonesien«.

In der forcierten Impfung der eigenen Mitarbeiter sehen auch andere Firmen das beste Mittel, sich vor unkalkulierbaren Corona-Ausbrüchen und damit verbundenen Werksschließungen zu schützen. »Wir haben vor drei Wochen in unserer thailändischen Produktion mit dem Impfen begonnen«, berichtet beispielsweise Jens-Niels Haake, Technischer Vertriebsleiter des dänischen Induktivitäten-und Trafo-Spezialisten Kohsel. Dass Thailand aufgrund seiner niedrigen Impfquote zu den besonders gefährdeten Produktionsstandorten in Südostasien gehört, darauf macht auch Joachim Pfülb, Vertriebsleiter bei Beck Elektronik Bauelemente, aufmerksam: »Thailand läuft zwar derzeit, aber die Gefahren sind nicht weniger groß als in Malaysia.«

Dass nicht nur Schwellenländer von unvorhersehbaren Corona-Ausbrüchen betroffen sein können, hat vor Kurzem eine MLCC-Fertigung von Murata in Fukui (Japan) gezeigt. Dort hatte am 25. August die Werksleitung nach der Infektion von 98 Mitarbeitern eine Werkschließung für eine Woche bekannt gegeben. Fukui steht für etwa 25 Prozent der gesamten MLCC-Produktion von Murata. Neben dem MLCC-Werk in Japan sind nach den Worten von Rüdiger Scheel, Vice President Mobility bei Murata Europe, auch Fertigungsstätten für Induktivitäten in Vietnam und Malaysia betroffen. »Es handelt sich dabei um temporäre Schließungen.« Intern rechnet man bei Murata mit Produktionsverschiebungen von zwei Wochen. »Die Kunden werden das aber nicht zu spüren bekommen, weil wir mit Pufferbeständen arbeiten.«

Relevante Anbieter

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Stefan Sutalo, Rutronik: »Die Hauptproblematik lag und liegt darin, dass nicht überschaubar ist, ob die angeordneten Werksschließungen ins Südostasien eine, zwei oder mehrere Wochen andauern werden.«
© Rutronik
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Uwe Reinecke, TTI: »In Malaysia haben viele Firmen nun aktiv Werksimpfungen durchführen lassen, um bei zukünftigen Corona-Ausbrüchen die Produktion nicht vollständig runterfahren müssen.«
© TTI

Nach Auskunft von Jean Quecke, Sales Director (IPE) Central Europe bei Future Electronics, war von den Werksschließungen in Malaysia auch Nippon Chemi-Con, einer der führenden Hersteller von Aluminium-Elektrolyt-Kondensatoren, betroffen. Dort war eine Werksschließung vom 23. bis zum 31. August angekündigt, die sich aber auch noch in den September hineinziehen kann. Da auch der Wettbewerber Nichicon seine Fertigung in Malaysia nur zu 60 Prozent auslasten konnte, wirkt sich das auf die aktuelle Versorgungslage auf dem Markt für Aluminium-Elektrolyt-Kondensatoren aus.

Das bestätigt auch Bernhard Erdl, CEO und President des Stromversorgungsherstellers Puls: »Uns macht aktuell die Schließung des Werks für Snap-in-Elkos von Nippon Chemicon in Malaysia große Probleme, aber auch die von Corona-Einschränkungen betroffenen Fertigungsstätten für Magnetics auf den Philippinen.« Verschärft sich die Infektionslage auf den Philippinen noch weiter, könnte es wohl auch dazu kommen, dass die dort angesiedelte MLCC-Produktion von Samsung in Mitleidenschaft gezogen wird. Aktuell kommen etwa 40 Prozent der Samsung-MLCCs aus dem Werk auf den Philippinen. Eine Gefahr, die aktuell auch die Analysten des Marktforschungsinstituts TrendForce sehen: »Verschlechtert sich die Situation auf den Philippinen weiter, könnte das die Produktion der großen MLCC-Lieferanten Murata und Samsung beeinflussen.«

Das große Problem all dieser verschiedenen lokalen Vorkommnisse, so Stefan Sutalo, Director Produkt Marketing Passive Components bei Rutronik, »besteht darin, dass nicht überschaubar ist, ob die angeordneten Werksschließungen eine, zwei oder mehrere Wochen dauern werden«. Auch er sieht aktuell vor allem die Länder Malaysia, Vietnam und die Philippinen betroffen. Eine Einschätzung, die auch Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing Passives bei Vishay, teilt: »Einzige Ausnahme ist aus unserer Sicht bislang Singapur.« Auch wenn der Hotspot der Delta-Varianten-Infektionen aktuell in Südostasien liegen mag, so macht doch Annette Landschoof, Product Manager bei Schukat electronic, darauf aufmerksam, »dass wir aktuell zum wiederholten Male über betroffene Werke und Produktionsstätten in Indien und Tunesien informiert wurden«. Sie merkt auch an, »dass wir als Distributoren zwar immer über Werkschließungen der Hersteller informiert werden, aber die voraussichtliche Dauer ist immer sehr vage gehalten«. 
 


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