Elektroniknet Logo

Trotz der Allokation

Es gibt auch Lichtblicke

MEMS-Oszillator-Familie für Kfz
© IQD

Wie sich die gegenwärtige Lage auf einen der größten Hersteller von Quarzen und Oszillatoren auswirkt, erklärt Stefan Hartmann von Epson Europe Electronics.

Die gute Nachricht für die Anwender von frequenzgebenden Produkten: Es gibt hie und da Alternativen und Ausweichmöglichkeiten – vor allen für die, die geneigt sind, Kompromisse einzugehen. Und wegen der hohen Nachfrage wird Epson die Fertigungskapazitäten für bestimmte Produkte ausbauen, doch dazu später.

»Doch insgesamt ist die Lage auf dem Markt für Quarze und Oszillatoren äußerst angespannt. Besonders schwarz sieht es auf dem Markt für kHz-Quarze aus«, sagt Stefan Hartmann, Department Manager von Epson Europe Electronics. Das liegt sicherlich daran, dass in der Vergangenheit der Preisdruck gerade auf diese Produkte sehr stark war, weshalb sich einige Hersteller von diesem Markt zurückgezogen haben. Die Situation sei auch vor Corona schon nicht einfach gewesen, erinnert sich Hartmann. Doch jetzt herrsche Verzweiflung; wie sehr, das zeige schon, dass nun vermehrt Fälschungen auftauchen. »Schon das Marking von Quarzen ist gefälscht, das hat gerade Hochsaison«, so Hartmann. Also handele es sich um manipulierte Komponenten, die nicht alle Spezifikationen einhalten. Der Oszillator funktioniere dann eben nicht. Zudem würden mehr und mehr teilweise dubiose Quellen aus dem grauen Markt genutzt, um an Produkte heranzukommen. Ein Quarz mit seinen wenigen Anschlüssen lasse sich schnell einmal auslöten und als unbenutztes Produkt anbieten. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er nicht mehr voll funktionsfähig ist, denn schon beim Auslöten können sehr leicht Beschädigungen auftreten.

Und wie lang sind die Lieferzeiten inzwischen? »Es herrscht Allokation, da gibt es keine Lieferzeiten, die kHz-Quarze werden zugeteilt, keiner bekommt ausreichende Mengen«, antwortet Hartmann. Es kämen eben gleich drei ungünstige Faktoren zusammen, die zu der jetzigen Verknappung geführt hätten: Als erstes die selbst auf abgeschriebenen Maschinen nicht mehr rentable Fertigung, weshalb einige Hersteller die Produktion der kHz-Quarze aufgegeben hatten. Zweitens die durch Corona bedingten Schließungen und Drosselungen der Werke in Asien sowie die Logistikprobleme und drittens der stark steigende Bedarf der Kunden. Und als sei das alles nicht genug, kamen auch noch Brände in verschiedenen IC-Fabs und bei Herstellern von Leiterplattensubstraten hinzu.

Deshalb hätten die Anwender laut Hartmann inzwischen völlig umgedacht, sie gehen zu sehr langfristigen Bestellungen über und akzeptierten auch höhere Preise: »Das könnte die ungesunde Preisstruktur bereinigen.«

Relevante Anbieter

Epson, Hartmann.jpg
Stefan Hartmann, Department Manager von Epson Europe Electronics: »Wer die Produktion aufgrund zu kleiner Mengen nicht in den Griff bekommt, der steht vor Problemen.«
© Epson

Bereinigen wird sich aber zunächst wohl das Angebotsspektrum. Denn Hersteller von Quarzen und Oszillatoren, aber auch die Hersteller von Gehäusen für diese Produkte, die jetzt in den Ausbau ihrer Kapazitäten investieren, werden sich genau überlegen, in welchen Sektoren sie das tun. Höherer Nachfrage erfreuen sich insbesondere die kleinen Bauformen, die in Consumer-Produkten Einsatz finden, weniger die „alten“, größeren Bauformen, die hierzulande gerne Unternehmen aus dem industriellen Umfeld verwenden. Die Gehäusehersteller werden also die größeren alten Typen zugunsten der neueren, kleinen in vielen Fällen nicht mehr fertigen. »Diese Hersteller sind ja mehr oder weniger gezwungen, ihre Ressourcen zu fokussieren, was zu entsprechenden Abkündigungen führt«, so Hartmann. »Die Rohstoffpreise steigen, die Produktionskosten auch – dann können die Anwender nicht kontinuierlich fallende Preise erwarten. Speziell bei älteren Produktserien steigen die Kosten für Zulieferteile und Produktion exorbitant!«

Doch die Abhängigkeit von den Gehäuseherstellern macht den Herstellern frequenzgebender Produkte zu schaffen; es gibt eben nur zwei bis drei Unternehmen, die den Weltmarkt dominieren. Gibt es zu ihnen keine ernsthaften Alternativen? Theoretisch schon, meint Hartmann. Auf den ersten Blick sieht es nicht gerade kompliziert aus, Gehäuse für Quarze und Oszillatoren herzustellen. Doch die Stabilität in der Fertigungsqualität zu erreichen, die die Quarz- und Oszillatoren-Hersteller benötigen, sei nicht einfach. Ein Hersteller, der riesige Mengen fertigt, dem gelingt dies besser als einer Firma, die nur relativ kleine Stückzahlen produziert. »Wer die Produktion aufgrund zu kleiner Mengen nicht in den Griff bekommt, der steht vor Problemen.« Klar sei, dass derzeit die Schwelle für Neueinsteiger sinke, aber jeder müsse eben für sich genau analysieren, ob das für ihn ein gangbarer Weg ist – obwohl er mit Sympathie sieht, dass es vielleicht doch künftige eine steigende Zahl von Bezugsquellen geben wird. In vielen Bereichen gebe es auf breiter Front allerdings wenig Alternativen.


  1. Es gibt auch Lichtblicke
  2. Was sind die Alternativen?

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

EPSON Europe Electronics GmbH