Passive Bauelemente

Expertenrunde erwartet starke Preiserhöhungen

8. März 2022, 10:00 Uhr | Engelbert Hopf
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Nach vergleichsweise geringen Preissteigerungen 2021 erwarten Experten aus dem Bereich passiver Bauelemente für 2022 deutlich höhere Preissteigerungen.
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Auf dem traditionellen Round-Table über Entwicklungen und Trends im Bereich passiver Bauelemente diskutierten führende Vertreter der Branche die Aussichten für das Jahr 2022.

Container-Frachtraten aus Asien nach Nordeuropa, die sich vom Oktober 2020 bis Ende Februar dieses Jahres von rund 2100 US-Dollar auf knapp 15.000 US-Dollar erhöht haben, Rohmaterialpreissteigerungen von historischem Ausmaß – im Rahmen der traditionellen Expertenrunde der Markt&Technik zu aktuellen Entwicklungen im Bereich passiver Bauelemente waren sich die Teilnehmer schnell einig, dass sich diese Entwicklungen 2022 in Preiserhöhungen niederschlagen werden.

»Wir sind sicher noch nicht in dem Modus, dass wir mit quartalsweisen Preiserhöhungen zu rechnen haben«, so Uwe Reinecke, Regional Vice President Sales Central & East Europe bei TTI. »Die Preiserhöhungen sind im letzten Jahr aber noch vergleichsweise niedrig ausgefallen, das dürfte sich in diesem Jahr ändern.« Warum sich das vor allem auch auf bestimmte Produktgruppen zutreffen dürfte, machte Peter Kokot, Technical Director CE bei Avnet Abacus, am Beispiel der Aluminium-Elektrolyt-Kondensatoren klar: »Innerhalb von sechs Monaten hat sich der Preis für Aluminium um über 45 Prozent erhöht. Das ist natürlich auch den gestiegenen Energiepreisen geschuldet, die bei der Aluminium-Verarbeitung anfallen.«

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Uwe Reinecke, TTI: »Im letzten Jahr sind die Preiserhöhungen im Bereich passiver Bauelemente noch vergleichsweise niedrig ausgefallen; das dürfte sich in diesem Jahr ändern.«
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»Wir können die gestiegenen Rohstoff- und Transportkosten einfach nicht wegdiskutieren«, so Denis Bittigkoffer, Senior Manager Product Marketing Capacitor bei Rutronik; »alle Hersteller in der Branche haben heute deutlich andere Kostenstrukturen, als das vor zwei Jahren der Fall war«. »Da die schlimmsten Preissteigerungen erst im 3. Quartal 2021 sichtbar geworden sind«, so Ferdinand Leicher, Vice President Sales EMEA bei Bourns, »vor diesem Hintergrund werden die Preissteigerungen 2022 deutlicher ausfallen als im letzten Jahr«.

Auf konkrete Zahlen wollte sich naturgemäß niemand festlegen; nur in der Tatsache, dass es zu deutlichen Preiserhöhungen kommen wird, waren sich alle Teilnehmer vor den beschriebenen Hintergründen einig. Aus logistischen Gründen waren sich die anwesenden Distributions-Vertreter einig, dass ihnen einmalige kräftige Preiserhöhungen lieber wären als etwa drei niedrige Preiserhöhungen, die dann im Abstand von einigen Monaten aufeinander folgen. »Wir müssen Preiserhöhungen unserer Lieferanten heute innerhalb von 24 Stunden durch das komplette Produktprogramm scharf stellen«, so Reinecke, »da haben wir heute anders als in der Vergangenheit keinen Spielraum mehr«.

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Peter Kokot, Avnet Abacus: »Innerhalb von sechs Monaten hat sich allein der Preis für Aluminium um über 45 Prozent erhöht. Für die Hersteller von Aluminium-Elektrolyt-Kondensatoren hat das natürlich massive Auswirkungen.«
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Überraschend bei der Diskussion war dann aber doch der Einwurf von Jean Quecke, Sales Director EMEA Passive Components bei Future Electronics, der deutlich machte, dass es offenbar durchaus Produktsegmente gibt, für die im günstigsten Fall in den nächsten Monaten sogar mit sinkenden Preisen zu rechnen ist. »Wir beobachten seit zwei, drei Wochen einen steigenden Druck der Einkäufer im Bereich Standard-MLCCs der Baugröße 0603 und einer Kapazität von 100 nF. Offenbar gibt es für diese Produkte in Asien inzwischen wieder freie, nicht ausgelastete Fertigungskapazitäten, und das drückt auf den Preis.« Quecke machte aber auch deutlich, dass sich diese jüngste Entwicklung ausschließlich auf Standardbauteile beschränkt.

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Ferdinand Leicher, Bourns: »Da die schlimmsten Preissteigerungen in puncto Logistik und Rohmaterialien erst im 3. Quartal 2021 sichtbar geworden sind, werden die Preissteigerungen 2022 wohl deutlicher ausfallen als 2021.«
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Auch wenn die Unsicherheiten in der Branche, etwa angesichts der Null-Covid-Strategie in China, nach wie vor groß sind, da jeder lokale Ausbruch nachhaltige Auswirkungen auf die Lieferkette haben kann, vermitteln die Diskussionsteilnehmer in einem Punkt geschlossen Zuversicht: den Ausbau der Fertigungskapazitäten. Dass anders als im Halbleiterbereich dabei nicht Summen im zweistelligen Milliarden-Dollar-Bereich durch den Raum schwirren, hat für Rüdiger Scheel, Branch Manager Vice President Automotive bei Murata Europe, neben den technischen Aspekten der Herstellung passiver Bauelemente vor allem auch mit der starken Fragmentierung dieses Marktes und der großen Anzahl der Hersteller zu tun: »Die großen, börsennotierten Global Player veröffentlichen natürlich ihre Investitionen in diesem Punkt«, so Scheel, »aber es gibt eben auch eine große Zahl kleiner und mittlerer Hersteller, die das nicht unbedingt tun müssen«.

Eine Einschätzung, die Thomas Heel, Director Head of Sales Central Europe bei der Yageo Group, bestätigt: »Bei Yageo verfolgen wir seit 2018/19 klare Pläne zum Ausbau der Produktionskapazitäten für unsere Schlüsselprodukte. Das haben wir so auch klar kommuniziert und errichten derzeit beispielsweise eines der größten Werke der Yageo-Gruppe in Taiwan.«

In Summe versichern die anwesenden Hersteller, dass sie seit mindestens zwei Jahren intensiv in den Ausbau der Fertigungen investieren. Vonseiten der Distributoren wird bestätigt, dass die erhöhten Investitionsbemühungen wirklich durch die ganze Branche gehen. Dass sie das nicht früher getan haben, hat nach Darstellung von Reinecke vor allem damit zu tun, »dass die Preise für passive Bauelemente etwa 2017 auf einem so niedrigen Niveau waren, dass Investitionen in einen Fertigungsausbau einfach keinen Sinn gemacht hätten«.

Und es gibt noch eine positive Nachricht beim Thema Fertigungsausbau für die Kunden: »Im Best Case dauert es ein Jahr, bis neu geschaffene Fertigungskapazitäten in die Produktion gehen«, so Scheel; »nach zwei Jahren läuft es dann erfahrungsgemäß richtig gut«.

Mehr interessante Artikel, auch zum Thema Passive Bauelemente, können Sie in unserem aktuellen E-Paper der Ausgabe 9-2022 lesen.


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