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Exklusiv-Interview mit Harald Sauer

Taiyo Yuden investiert in Fertigungskapazitäten

Taiyo Yuden, Harald Sauer
© WEKA Fachmedien

Als General Manager hat Harald Sauer das Engagement von Taiyo Yuden im europäischen Automotive-Bereich mit großem Erfolg vorangetrieben. 80 Prozent des Europaumsatzes entfallen inzwischen darauf. Für die Zukunft empfiehlt er den Umstieg auf kleinere Bauformen, wo immer das technisch möglich ist.

Markt&Technik: Herr Sauer, die Corona-Pandemie und ihre Folgen waren in den letzten eineinhalb Jahren auch in der Elektronikbranche das beherrschende Thema. Wie nehmen Sie die aktuelle Situation am Markt wahr?

Harald Sauer: Wie alle in der Branche hatten wir 2020 ein sehr schlechtes zweites Quartal. Wir haben uns dann schnell erholt und sind seit dem vierten Quartal 2020 wieder auf dem geplanten Level. Inzwischen bewegen wir uns wieder auf Vor-Corona-Niveau, aber nicht auf Auftragsniveau. Zwischen Aufträgen und Auslieferungen liegt ein Delta von etwa 30 Prozent. Durch die allgemeine Bauelementeverknappung, etwa bei Halbleitern, ist bei vielen unserer Kunden eine 100-prozentige Produktionsplanung nicht mehr möglich. Erhalten sie Ware, produzieren sie, wenn nicht, stockt ihre Produktion. Wir können trotz des einen oder anderen Engpasses ein hohes Maß an Lieferfähigkeit aufrechterhalten. Aber die angesprochenen Unwägbarkeiten auf der Kundenseite mit einer Visibility von vier bis sechs Wochen können wir von den Schwankungen her nicht in unseren Fertigungsstätten abfangen. Fakt ist, müssten wir alle Aufträge zu 100 Prozent erfüllen, hätten auch wir derzeit Schwierigkeiten.

Wie wirkt sich das aufs tägliche Geschäft aus?

Wir operieren fast nur noch im Krisenmodus. Das zehrt letztlich aus. Eigentlich gibt es in der Geschäftsabwicklung inzwischen keine Standardprozesse mehr.

Wie reagiert Taiyo Yuden auf diese angespannte Situation?

Wir investieren kräftig in den Ausbau unserer Produktionskapazitäten. Bis zur Mitte dieses Jahrzehnts werden wir voraussichtlich einen Jahresumsatz in Höhe von rund 2,3 Milliarden Euro in den Ausbau der Produktionskapazität stecken. Da geht es nicht nur um zusätzliche Produktionslinien in bereits existierenden Werken. In China wird ein neues MLCC-Werk errichtet; das gilt auch für Japan und Malaysia. Produktionsbeginn ist voraussichtlich 2023/24. Wie schwierig die Situation derzeit ist, lässt sich daran ablesen, dass wir manchmal schon die benötigten Maschinen für den Produktionsausbau in den Werken haben, aber wegen der Corona-Maßnahmen Servicepersonal nicht reisen darf, um das Equipment zu installieren und in Gang zu setzen.

MLCCs und andere passive Bauelemente sind vergleichsweise klein. Versorgen Sie Ihre Kunden in Europa vor allem über Luftfracht?

Wir haben schon vor der Pandemie fast ausschließlich auf Luftfracht gesetzt. Das liegt daran, dass wir einen sehr eng getakteten logistischen Prozess fahren. Wir rufen bei Bestellungen mit einem Vorlauf von vier bis fünf Wochen Ware aus den Fabriken ab. Nur für den Automotive-Bereich haben wir inzwischen ein Lager geschaffen, das einen Bedarfspuffer von einem Monat abdeckt.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat Europa eigentlich für Taiyo Yuden?

Aktuell entfallen etwa fünf bis sechs Prozent des letzten Jahresumsatzes von rund 2,3 Milliarden Euro auf Europa. In den letzten Jahren sind wir in Europa jährlich um 15 bis 20 Prozent gewachsen. In China liegt das jährliche Wachstum derzeit bei zwölf Prozent. Dort ist vor allem 5G und die damit zusammenhängende Telekom-Infrastruktur ein Treiber für den Bauteilbedarf.

Sie haben das starke Wachstum in China bereits angesprochen. Wie verteilt sich aktuell der globale Umsatz von Taiyo Yuden?

Auf Greater China entfallen bis zu 45 Prozent. Rechnet man Taiwan hinzu, stellt das etwa 60 Prozent des Umsatzes dar. Der Beitrag Europas zu unserem Gesamtumsatz bewegt sich im mittleren einstelligen Bereich. Größter Umsatzträger für Taiyo Yuden sind MLCCs.

Welchen Anteil haben andere Produktgruppen wie etwa Induktivitäten?

MLCCs dominieren ganz klar mit 60 Prozent. Induktivitäten steuern etwa 14 Prozent zum Umsatz bei. Auf Integrierte Module und Bauelemente wie SAW-Filter entfallen etwa 16 Prozent des Umsatzes. In Europa ist Taiyo Yuden vor allem im Automotive-Bereich aktiv.

Welche Bedeutung haben andere Anwendungsbereiche wie die Industrie- oder Medizinelektronik für Sie?

Heute entfallen etwa 80 Prozent unseres Europageschäfts auf Automotive. Das war in der Vergangenheit ganz anders. Vor etwa zehn Jahren lag der Automotive-Umsatz bei Taiyo Yuden bei zwei bis drei Prozent. Man war gut ausgelastet mit der Produktion für den Consumer- und Telekommunikationsmarkt. In Japan hat man trotzdem schon seit Längerem die Idee verfolgt, sich verstärkt dem Automotive-Bereich zuzuwenden. Aktiv war man in diesem Bereich schon länger, aber dann sollte dieser Applikationsbereich zu einem Schwerpunkt ausgebaut werden. In Europa kam uns dabei eine Pilotfunktion zu, und seit 2015/16 haben wir auch wirklich relevantes Geschäft im Automobilbereich. In der Medizintechnik bedienen wir in Europa vor allem Hörgerätehersteller, aber auch Telekom-Infrastrukturhersteller wie Ericsson stehen auf unserer Kundenliste.

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