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Kemets Integration in die Yageo-Gruppe

»Aus zwei Teams wird eine Mannschaft«

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Im Interview erläutern Michael Turbanisch, Head of Distribution Development EMEA, und Thomas Heel, Head of Sales Central Europe, dass Homeoffice bei der Integration von Kemet in die Yageo-Group durchaus hilfreich war, und zeigen auf, welche Möglichkeiten sich Yageo, Kemet und Pulse nun bieten.

Markt&Technik: Vor eineinhalb Jahren hat Yageo angekündigt, Kemet zu übernehmen. 2020 liefen die Geschäfte noch parallel, nun ist Kemet integriert. Wie ist der aktuelle Stand der Dinge?

Michael Turbanisch: Um einen sportlichen Vergleich zu wählen – im letzten Jahr waren noch zwei getrennte Teams auf dem Weltmarkt aktiv. Nun gilt: One Face to the Customer – alle Kontakte zu den Kunden sind nun unter einem Management. Damit ist in diesem Jahr aus zwei Teams eine Mannschaft geworden, die rund um den Globus an einem Strang zieht. Dieses Vorhaben wird nun weltweit ausgerollt. Voraussichtlich schon zur Jahresmitte werden wir weltweit mit einer Stimme sprechen. Nehmen Sie uns als Beispiel: Als Head of Distribution Development EMEA kümmere ich mich mit meinem Team um die Distribution Offices sowie die lokalen Distributoren. Aktuell tun wir das für die Brands Yageo und Kemet, in Zukunft könnten weitere folgen.

Thomas Heel: Ich wiederum kümmere mich mit meinem Team als Head of Sales Central Europe um die DACH-Region und Osteuropa. Wir betreuen dabei eine definierte Fokuskunden. Dabei kann es sich sowohl um Direkt- als auch Distributionskunden handeln. Diese Neuausrichtung der Vertriebsstrukturen sowie die Verschmelzung zwischen ehemaligem Yageo- und Kemet-Management wurden europa- sowie weltweit durchgeführt. Auf dieser Basis sind praktisch alle neuen Teams aus den ehemals getrennt vorhandenen Mannschaften entstanden.

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Michael Turbanisch (rechts) und Thomas Heel, Yageo Group: »Da es kaum Produktüberlappungen zwischen Yageo, Kemet und Pulse gibt, können wir unser Gesamt-Package in der neuen Aufstellung mit „One Face to the Customer“ über unsere globalen Strukturen in optimaler Form an den Markt bringen.«
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Yageo vollzieht diese Integration unter den Bedingungen der weltweiten Corona-Pandemie. Erschwert das diesen Prozess nicht zusätzlich?

Turbanisch: Überraschenderweise ganz und gar nicht! Man könnte sogar sagen, die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen helfen uns sogar etwas bei diesem Vorhaben. Ich persönlich habe vor einem guten Jahr meine letzte reale Dienstreise unternommen. Die Tatsache, dass unsere weltweite Reisetätigkeit fast komplett zum Erliegen gekommen ist, führt dazu, dass wir zu bestimmten Zeiten rund um den Globus alle in unserem Homeoffice erreichbar sind. Unter normalen Umständen wäre es wesentlich aufwändiger und schwieriger gewesen, diese Abstimmung zwischen den einzelnen Beteiligten und den Teams sicherzustellen.

Mit einem Gesamtumsatz von 3 Milliarden Dollar ist ein neues Schwergewicht im Bereich passiver Bauelemente entstanden. Wo sehen Sie sich in Marktführerpositionen?

Heel: Betrachtet man das Jahr 2020, gehört Yageo nun mit Sicherheit zur Top 5 der Branche, wenn man sich nur auf passive Bauelemente bezieht. Betrachtet man einzelne Produktbereiche, liegen wir heute bei MLCCs etwa mit einem Marktanteil von 15 Prozent auf Rang 3. Dagegen sind wir bei Chip-Widerständen mit 34 Prozent eindeutig in einer führenden Position, was auf der klassischen Stärke von Yageo in diesem Bereich gründet. Eine ähnlich deutliche Marktführerschaft kann Kemet für sich im Bereich Tantal-Kondensatoren reklamieren, hier beträgt der Marktanteil der Yageo-Gruppe heute 38 Prozent.

Eines der entscheidenden Argumente für die Übernahme von Kemet stellten die geringen Produktüberschneidungen dar. Können Sie das noch mal aufgliedern?

Turbanisch: Einer der wenigen Produktbereiche, in denen beide Unternehmen tätig waren, sind die MLCCs. Yageo war dagegen nie im Bereich Tantal-Kondensatoren aktiv, das Gleiche gilt für Film-Kondensatoren und E-Caps. Auch magnetische Sensor-Aktoren zählten vor der Übernahme nicht zu unserem Produktportfolio. Kemet wiederum hatte keine Karten im Chip-Widerstands-Bereich, oder Komponenten zum Schutz von Schaltungen, sowie Induktivitäten. Und die Überscheidungen des Kemet-Produktportfolios zu dem von Pulse fielen auch äußerst gering aus, wenn es sie denn überhaupt gegeben hat. Ein weiterer entscheidender Vorteil der Zusammenführung von drei Marken in einer Hand ist, dass wir in Zukunft in der Lage sind, technische Komplettlösungen aus einer Hand anzubieten.

Ein weiteres Argument für die Übernahme von Kemet war 2019 die Tatsache, dass sich Ihre Absatzregionen weltweit kaum überschnitten haben.

Turbanisch: Das ist richtig. Wenn man ehrlich ist, waren wir vor allem in Taiwan, Japan und dem asiatischen Raum stark; in Europa und den USA hatten wir noch viel Luft nach oben. Kemet seinerseits hat 60 Prozent seines Umsatzes auf den amerikanischen und europäischen Märkten erzielt. Auch unter diesem Gesichtspunkt war die Akquisition ein Perfect Match!

So perfekt die beiden Unternehmensaktivitäten zusammenpassen – gerade im Distributionsbereich dürfte nun der eine oder andere Partner zu viel an Bord sein. Werden Sie die Distributorenliste ausdünnen?

Turbanisch: Wir werden uns da die jeweiligen lokalen Distributionsnetzwerke von Yageo und Kemet genau ansehen. Im Fall Rutronik ist ja bereits eine Kemet-Franchise hinzugekommen. Generell wird jedoch in diesem Jahr zum Thema Veränderungen bei den Distributionspartnern noch nichts passieren.

Durch die Übernahme entstand nicht nur ein sehr breites Produktportfolio, sondern auch ein Powerhouse in Sachen Produktion und R&D. Können Sie das für uns noch einmal aufschlüsseln?

Heel: Wir beschäftigen heute im Rahmen der Yageo-Gruppe weltweit rund 30.000 Mitarbeiter. Wir produzieren weltweit verteilt in 40 Werken und unterhalten rund um den Globus 20 R&D Center. Um diese Power auf die Straße zu bringen, sind wir in insgesamt 25 Ländern selbst auch mit 47 Vertriebsniederlassungen aktiv.

Wenden wir uns den Anwendermärkten zu. Yageo ist traditionell stark im Konsum-Bereich, Kemet ist ein Schwergewicht im Automotive-Segment. Ein entscheidender Faktor für Ihre Wachstumsstrategie, nicht nur in Europa?

Heel: Wir bringen dabei speziell in Europa sicherlich ein gewisses Gewicht als Design-in- und Entwicklungsansprechpartner ein, das vom OEM-Level über Tier One bis zu Startup-Unternehmen. Wir haben hier den Zugang in eine europäische Schlüsselbranche. Davon wird in Zukunft sicher auch das klassische Yageo-Produktprogramm noch stärker profitieren können. Ganz ähnlich sehe ich die Chancen im High-Industrial-Umfeld.

Turbanisch: Yageo wiederum als Lieferant für innovationsgetriebene Massenmärkte wie etwa die Consumer-Elektronik, Telekommunikation oder den IT-Bereich hat immer frühzeitig auf neue Trends im Bereich passiver Bauelemente reagiert. Eines der jüngsten Beispiele dafür ist sicherlich der Downsizing-Trend.

Nach der erfolgreichen Integration von Kemet sei die Frage erlaubt, ob in Zukunft auch eine Ausweitung der Yageo-Aktivitäten, etwa in den Halbleiterbereich, denkbar wäre.

Turbanisch: Grundsätzlich verfolgen wir kein Business-Konzept, das darauf fußt, durch ständige Zukäufe zu wachsen. Unser Ziel ist in erster Linie erst einmal organisches Wachstum, und dafür sehen wir in unserer jetzigen Aufstellung eine hervorragende Ausgangsposition! Natürlich werden wir parallel dazu den Markt weiterhin nach ergänzenden Produkten und Technologien zu unserem Portfolio scannen. Es gibt ja durchaus noch eine Reihe von Wettbewerbern, die Marktsegmente bedienen, die wir bislang nicht abdecken. Für die Zukunft wollen wir da sicher nichts ausschließen. Ein zukünftiges Engagement im klassischen Halbleiterbereich ist nicht vorgesehen; wenn, dann maximal im Bereich diskreter Halbleiter, etwa in Form von Sensoren oder TVS-Dioden.


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