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Nachfrage auf Rekordniveau

»Das 1. Quartal 2021 ist bereits durch!«

15. Juli 2021, 14:38 Uhr   |  Engelbert Hopf

»Das 1. Quartal 2021 ist bereits durch!«
© Arthur Behrens

Verena Grewe, Arthur Behrens »Aus fast allen Sparten der Industrieelektronik ist die Nachfrage hoch. Ein plötzlicher Absturz ist daher weniger wahrscheinlich als 2010.«

Eine konstant hohe Nachfrage nach passiven Bauelementen auf dem deutschen Markt macht es schwierig zu unterscheiden, welche Bedarfe real in die Produktion fließen und welche dem Lageraufbau dienen. Mit einer Entspannung rechnet die Branche inzwischen erst tief im Jahr 2022.

Wer die Hoffnung hatte, dass sich die Liefersituation bei passiven Bauelementen in der zweiten Jahreshälfte 2021 entspannen könnte, wird enttäuscht, wie eine aktuelle Umfrage dieser Zeitung bei führenden Anbietern passiver Bauelemente auf dem deutschen Markt zeigt. Vielleicht mag es ja ein kleiner Trost sein, dass sich die Situation im zweiten Halbjahr noch deutlich hätte verschärfen können, wenn es zeitnah zu einer Entspannung bei den Lieferproblemen und Allokationen im Halbleiterbereich gekommen wäre.

Auch ohne Alarmismus und Salesman Talk, an der komplexen Ausnahmesituation des Marktes hat sich in den letzten Wochen und Monaten nur wenig zum Besseren verändert. Komplizierter wurde die Situation zuletzt wieder durch lokale Lockdowns in Indien, Taiwan, Vietnam, Malaysia und Singapur. Dazu kommen Quarantäne-Verordnungen gegen indische Lohnarbeiter in chinesischen Häfen und Produktionsstätten. Die Angst vor der Delta-Variante von Sars-CoV-2 lähmt derzeit speziell in Asien partiell Produktionen und Logistikketten.

Wie sich für die Verantwortlichen in Deutschland aktuell die Situation darstellt, zeigen die nachfolgenden Statements. »Auch wenn wir aktuell nicht von einem weiteren Nachfrageschub in der zweiten Jahreshälfte 2021 ausgehen, sichert sich heute schon ein großer Anteil unserer Kunden im Hinblick auf zukünftige Bedarfe ab«, schildert Josef Vissing, Deputy Head of Sales bei TDK Europe, seine Beobachtungen. »Für uns mindert das allerdings die Transparenz, welche Mengen an Produkten derzeit für die Versorgung des laufenden Fertigungsbetriebs bestellt werden und welcher Anteil zur Absicherung in die Vorratslager der Kunden wandert.«

»Bei uns übersteigt aktuell das Verhältnis der Bestellungen zur Auslieferung in der zweiten Jahreshälfte 2021 das Niveau der Bestellungen zu Auslieferungen aus der ersten Jahreshälfte 2021 in noch nie dagewesener Form«, stellt Dr. Arne Albertsen, Senior Sales Manager Jianghai Europe Electronic Components, fest; »aktuell rechnen wir mit einem weiteren Anstieg der Umsätze und auch der Bedarfe bis weit in das Jahr 2022 hinein«.

»Wir können aktuell einfach nicht abschätzen, wann eine Beruhigung der aktuellen Situation eintreten wird«, gibt Alexander Gerfer, CTO Würth Elektronik eiSos, zu bedenken. »Geprägt wird die aktuelle Situation durch weiter steigende Rohmaterialkosten, begrenzte und somit teure Frachtkapazitäten und nationale Lockdowns.« Vor diesem Hintergrund seien langfristige und verbindliche Bedarfsplanungen ein Muss, »um sowohl auf der Kunden-, aber auch auf der Herstellerseite schon heute eine optimierte Bedarfs-, Beschaffungs- und Fertigungsplanung für 2022 aufstellen zu können«.

Susumu Deutschland
© Susumu Deutschland

Asushi Omoto, Susumu Deutschland »Die Tendenz der steigenden Bedarfe dürfte sich nach unserer Einschätzung bis zum 3. Quartal 2022 fortsetzen.«,

Auch Harald Sauer, Director Taiyo Yuden Europe, betont: »Wir sind bereits mitten in den Verhandlungen für die Kapazitätsreservierungen für 2022!« Nach seinem Eindruck hat der Markt das Ziel, »alle nicht produzierten Mengen aus 2020 und 2021 sobald wie möglich nachzuholen«. Bei Taiyo Yuden, so Sauer, liegen die Bedarfsmeldungen aus dem Markt für 2022 bei 30 Prozent über dem Bedarf für 2021. »Wenn diese Bedarfe realisiert werden können, wird sich 2022 keine Entspannung einstellen.«

Ganz ähnlich sieht das Rüdiger Scheel, Vice President Mobility bei Murata Europe: »Vonseiten der Halbleiter rechnen wir im Automotive-Bereich im 3. Quartal 2021 nicht mit einer Entspannung der Situation, sondern vielmehr mit einer Verschlimmerung.« Bei Murata hat man die Hoffnung, dass der Automotive-Markt im nächsten Jahr die aufgelaufenen Rückstände dieses Jahres aufholen und damit neue Rekordergebnisse erzielen kann. »Wir treffen zur Zeit bereits mit vielen Kunden Mengenvereinbarungen für 2022«, so Scheel; »als Weltmarktführer haben wir hier eine besondere Verantwortung für eine faire Verteilung der 2022 zur Verfügung stehenden Produktionskapazitäten«.

Auch bei Vishay geht man aktuell nicht mehr davon aus, dass es noch in diesem Jahr zu einer relevanten Beruhigung im Halbleitermarkt kommt; vielmehr befürchtet man, dass es bei ausreichender Verfügbarkeit im Halbleiterbereich zu noch höheren Bedarfen bei passiven Bauelementen kommen würde. Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing Passives bei Vishay, setzt für 2022 auf die weltweiten Kapazitätserweiterungen, um den Druck auf die Lieferkette zu limitieren. »Hinzu kommt, dass wir uns in einem zyklischen Industrieumfeld bewegen und es somit auch zu einer Normalisierung des Marktes in den nächsten Quartalen kommen kann, wie wir es ja bereits als Folge vorheriger Aufschwünge kennen.«

Aus Sicht von Anton Roth, Leiter Vertrieb Bauelemente bei der Isabellenhütte Heusler, wird sich die Marktsituation sukzessive ab dem zweiten Halbjahr 2022 entspannen, »wenn die Produktionskapazitäten an die steigende Nachfrage angepasst wurden«. Ungeachtet dessen ist es aus seiner Sicht absolut geboten, bereits heute Bestellungen für das 1. und 2. Quartal 2022 zu tätigen, »um die Vormaterialseite, die ja auch sehr angespannt ist, abdecken zu können«.

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1. »Das 1. Quartal 2021 ist bereits durch!«
2. Normalisierung des Marktes
3. Branchenbarometer

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