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Wegen Covid-19 in Südostasien

Engpässe bei Aluminium-Elektrolytkondensatoren

Die Verknappung der Rohstoffe bringt Lieferengpässe - die in Prinzip jedes Unternehmen betreffen kann
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Wegen der Covid-19-Pandemie in Südostasien mussten die dominierenden Hersteller von Aluminium-Elektrolytkondensatoren viele ihrer Werke dort herunterfahren. Gleichzeitig jedoch steigt der Bedarf an diesen Bauelementen. Davon profitieren Lieferanten aus Taiwan und China, wie die Digitimes berichtet.

Aluminium-Elektrolytkondensatoren werden immer stärker nachgefragt, denn sie kommen in den Bereichen 5G-Basisstationen, Unterhaltungselektronik, Elektromobilität und erneuerbare Energien zum Einsatz. Gleichzeitig haben die führenden Anbieter dieser Produkte in den vergangenen Monaten ihre Werke schließen und ihre Kapazitäten reduzieren müssen, wie die Digitimes berichtet.

Die Hersteller Chemi-Con und Nichicon mussten ihre Werke in Malaysia im Juli und August zusperren. Zusammen mit Rubycon, das über Fertigungsstätten in Indonesien verfügt, haben diese japanischen Unternehmen einen Anteil von über 50 Prozent am Weltmarkt für Aluminium-Elektrolytkondensatoren. Ein weiterer japanischer Hauptlieferant von Feststoffkondensatoren in Malaysia ist Panasonic.

Nach den Lockdowns im Juli und August konnten Chemi-Con und Nichicon nur 60 Prozent ihrer Arbeitskräfte einsetzen, was die Auslastung beschränkte. Sie sind die Hauptlieferanten für Anwendungen in Autos, Spielkonsolen, Servern und Basisstationen. Die geringere Auslastung und die reduzierte Fertigungskapazität brachten jedoch einige erhebliche Herausforderungen mit sich, wodurch sich die Lieferzeiten auf über sechs Monate verlängerten. Die Pandemie in Malaysia könnte nach Angaben aus der Branche dazu führen, dass die Liefermengen um 30 bis 60 Prozent einbrechen. Daher versuchen Abnehmer zunehmend, sich bei anderen Lieferanten einzudecken – vorwiegend aus Taiwan und China.

Verlagerung nach Taiwan und China

Vor der Pandemie hatten Lieferanten aus Taiwan und China meist eine Auftragssichtbarkeit von weniger als zwei Monaten. In der Regel konnten sie innerhalb von vier bis sechs Wochen garantiert liefern, aber derzeit brauchen sie dafür mindestens drei bis sechs Monate. Im ersten Quartal 2021 verschickten sie sogar auf dem Luftweg statt auf dem Seeweg, nur um Zeit zu gewinnen.

Die in Taiwan ansässigen Anbieter Lelon Electronics, Chinsan Electronics, Kamei Electronics und Apaq Technology verzeichneten im ersten Halbjahr 2021 ein Umsatzwachstum von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die chinesischen Anbieter Aihua Group und Nantong Jianghai Capacitor verzeichneten im selben Zeitraum ein starkes Wachstum. Gleichzeitig verfügte China über ein stabiles Produktionsumfeld, in dem die Versorgung mit Aluminiumfolie und Aluminiumgehäusen gewährleistet ist.

Branchenkennern zufolge haben die chinesischen Anbieter nicht nur von der wachsenden Gesamtnachfrage profitiert, sondern auch von der Politik der chinesischen Regierung, lokal und unabhängig von Japan und den USA zu produzieren. Die lokale Lieferkette ist noch stabiler geworden, da die Nachfrage nach passiven Bauteilen immer weiter ansteigt, was die Umsätze der Lieferanten erhöht.

Im ersten Halbjahr 2021 steigerte beispielsweise Jianghai seinen Umsatz um 56,5 Prozent auf 1,67 Mrd. CNY (223,6 Mio. Euro) und den Nettogewinn um 46,5 Prozent auf 204 Mio. CNY (27,3 Mio. Euro). Auf Aluminium-Elektrolytkondensatoren entfallen fast 78 Prozent des Umsatzes, der im Vergleich zum Vorjahr um 61,9 Prozent gestiegen ist. Grund dafür ist die wachsende Nachfrage nach Solarenergie und Ladeinfrastrukturen für Elektroautos.

Aihua stellt Kondensatoren für die Lichttechnik und Schnellladegeräte für Mobiltelefone her und hat sich auf kleine Baugrößen spezialisiert. Für das erste Halbjahr 2021 meldete das Unternehmen einen Umsatz von 1,51 Mrd. CNY (202,1 Mio. Euro), was einem Anstieg von 40,5 Prozent entspricht, sowie einen Nettogewinn von 232 Mio. CNY (31,1 Mio. Euro), was einem Anstieg von 31,5 Prozent entspricht.

Was kommt 2022?

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es nicht an Aufträgen und Nachfrage mangelt, sondern an Fertigungskapazitäten. Hochwertige Bauteile werden sofort ausgeliefert, weil es keine Lagerbestände gibt. Ähnlich sieht es bei Komponenten für die Unterhaltungselektronik aus.

Eine mögliche Gefahr stellen die Kohlendioxid-Emissionen und der hohe Energiebedarf bei der Herstellung von Aluminiumfolie dar. Um die Versorgung zu sichern und die Herstellungskosten zu stabilisieren, erwägt beispielsweise das taiwanesische Unternehmen Lelon, die Anlagen des Aluminiumfolien-Herstellers Liton zu kaufen.

Aus Kreisen der taiwanesischen Hersteller wurde darauf hingewiesen, dass die Transparenz der Aufträge zwar bis Ende 2021 gegeben sei, aber 2022 noch ungewiss ist. Grund dafür ist, dass die Nachfrage nach großformatigen Bildschirmen und Notebooks zurückgegangen ist und sich ein Großteil der Aufträge nach China verlagert hat. Wie viel Boden die taiwanesischen Zulieferer im Jahr 2022 gewinnen können, bleibt unklar.

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