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Bandstillstände bei Automobilbauern

Hintergründe der Halbleiter-Lieferengpässe im Automobilbereich

27. Januar 2021, 11:51 Uhr   |  Engelbert Hopf

Hintergründe der Halbleiter-Lieferengpässe im Automobilbereich
© iStock

Als gleich mehrere Automobilhersteller öffentlich machten, dass die Produktion an einzelnen Standorten gedrosselt oder sogar ausgesetzt werden musste, wurde deutlich, wie prekär sich in den letzten Wochen die Liefersituation speziell bei Halbleitern entwickelt hat. Das sind die Hintergründe.

Laut Angaben aus der Halbleiterbranche hätten manche Kunden einfach zu spät bestellt. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass es von der Produktion komplexer Chips bis zur Lieferung drei Monate und mehr dauern kann, plötzliche Bedarfsschwankungen also kaum kurzfristig aufzufangen seien. Von den Lieferproblemen im Halbleiterbereich ist jedoch nicht nur die Automobilbranche betroffen. So konnte beispielsweise Sony die Markteinführung seiner neuen Playstation 5 im Weihnachtsgeschäft nicht wie geplant umsetzen, weil es Probleme bei der Halbleiterversorgung gab.

Beleuchtet man die Hintergründe der jetzigen Situation, wird schnell klar, dass die Verantwortlichen bei den großen Automobilkonzernen offenbar die Auswirkungen eines Technologie-Banns der Trump-Administration im Herbst letzten Jahres in den Dimensionen seiner Auswirkung massiv unterschätzt haben. Zwar fertigen die führenden Hersteller von Automotive-Chips ihre Produkte zumeist in eigenen Werken, sie nutzen aber auch zusätzliche Kapazitäten entsprechend qualifizierter Foundries. Völlig auf Foundries angewiesen sind zudem Fabless-Firmen, die Spezialitäten für den Automotive-Bereich entwickeln.

Aufgrund des Technologie-Banns der Trump-Administration durften internationale Halbleiterhersteller seit dem Herbst letzten Jahres unter anderem chinesische Foundries wie SMIC nicht mehr nutzen.

 

Das führte zu Verlagerungen auf Foundries außerhalb Chinas. Seitdem sind viele Foundries in Asien allokiert. Wie andere Foundries auch, war die weltgrößte, TSMC, bis ins 3. Quartal 2020 hinein überwiegend mit nicht Automotive-Produkten gut ausgelastet. C.C. Wei, CEO von TSMC, hat erst vor kurzem in einem Earning Call festgestellt, dass die Automotive-Kunden bei TSMC bis ins 3. Quartal 2020 hinein ihre Bedarfe reduziert hätten.

Vor dem Hintergrund der raschen wirtschaftlichen Erholung Asiens vom Corona-Schock und den Konsequenzen der erzwungenen Produktionsverlagerungen in außerchinesische Foundries verschärften sich die Probleme der weltweiten Lieferkette nicht nur im Automotive-Bereich. Die Tatsache, dass auch in Europa vor dem Hintergrund wieder steigender Automobilproduktionszahlen die Elektronikbedarfe anzogen, trug zur weiteren Verschärfung der Situation bei. Dazu, wie sich die aktuelle Situation im Automotive-Bereich vor allem in Deutschland und Europa darstellt, hat die Markt&Technik insgesamt 16 führende Hersteller von Halbleitern, Passiven Bauelementen und gedruckter Elektronik für den Automotive-Bereich befragt. Die einzelnen Stellungnahmen finden Sie in der Bildergalerie.

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