EU wird aktiv

50 Mrd. Euro für Chips aus Europa

3. Februar 2021, 19:34 Uhr | Heinz Arnold
TSMC
© TSMC

Dass die Automobilhersteller leiden, rüttelt die EU-Politiker auf. Kann es sein, dass die ICs wirklich wichtig sind?

Bis zu 50 Mrd. Euro sollen in die europäische und deutsche Chipfertigung fließen. Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier rechnet damit, dass über die Länder, die sich am Important Project of Common European Interest (IPCEI) beteiligen, ein zweistelliger Milliarden-Betrag zusammen kommt, und zwar nicht im unteren sondern eher im mittleren Bereich: Es könnten 20 oder sogar 50 Mrd. Euro werden. Die Unternehmen würden zwischen 60 und 80 Prozent der Gesamtinvestitionen beisteuern, den Rest liefere die EU im Rahmen des IPCEI. Unternehmen können sich bis zum 1. März um den Erhalt von Subventionen bewerben. Die Europäische Kommission sieht sich die Projekte an, und fällt die Entscheidung, ob sie bewilligt werden.

Derzeit werden in Europa 10 Prozent der weltweit hergestellten Halbleiter produziert. Weltweit haben die Chiphersteller im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 440 Mrd. Dollar erzielt. 90 Prozent der Chips produzieren nichteuropäische Unternehmen, vor allem amerikanische und asiatische. Über die Investitionen der Unternehmen und die Subventionen durch das IPCEI soll sich das künftig ändern.

Die Diskussion wird angeheizt durch die derzeit weltweite Knappheit an Chips, die auch europäische und deutsche Autobauer trifft. IHS Markit geht davon aus, dass im ersten Quartal 2021 weltweit 672.000 Autos weniger hergestellt werden, weil die ICs fehlen. Die Knappheit könne sich bis ins dritte Quartal hinziehen. China sei mit 250.000 Autos am meisten betroffen. Insgesamt aber könnten weltweit über das Jahr 2021 wegen des Chipmangels rund 964,000 Autos weniger produziert werden.

Das hat Politiker aus allen Ländern weltweit – sei es aus Europa, aus den USA oder Japan –  auf den Plan gerufen. Wie Reuters berichtet, drängen 15 US-Senatoren das Weiße Haus, mit dem Kongress zusammen nach Lösungen zu finden, wie die globale Chipknappheit zu beheben sei.

Die Automobilindustrie ist eher en kleiner IC-Abnehmer

Auch Peter Altmaier hatte einen Brief an die Regierung in Taiwan geschrieben. Er bat darum, den Foundries, allen voran TSMC, klar zu machen, wie erst die Situation für die deutschen Automobilhersteller sein und darauf hin zu wirken, dass sie mehr Kapazitäten für Automotive-Chips zur Verfügung zu stellen.

Doch ist es nicht so, dass die Automobilindustrie zu den größten Abnehmern von Chips zählt. Laut IHS Markit belief sich der Umsatz mit Automotive-Chips 2020 auf 38 Mrd. Dollar, was gemessen an dem Gesamtumsatz von 440 Mrd. Dollar nicht allzu viel ist. Bis 2026 werde der Umsatz auf 69 Mrd. Dollar wachsen. TSMC, die größte Foundry der Welt, dürfte rund 5 Prozent seiner Kapazitäten den Automotive-Chips widmen.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

TSMC Europe B.V.