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Autos betroffen – aber nicht nur

IC-Knappheit beunruhigt Weltpolitik

25. Januar 2021, 08:31 Uhr   |  Heinz Arnold

IC-Knappheit beunruhigt Weltpolitik
© TSMC

IC-Fertigung in Fab12 von TSMC.

Weltweit versuchen Politiker Druck auf Taiwan auszuüben, um die IC-Knappheit zu lindern und den nationalen Industrien die IC-Versorgung zu sichern.

Jetzt fordert das Wirtschaftsministerium von Taiwan TSMC und andere heimische IC-Hersteller wie UMC auf, mehr Chips für die Automobilindustrie zu liefern. Denn es gibt Anfragen verschiedener Länder weltweit, die die Regierung von Taiwan über diplomatische Kanäle erreicht haben.

Unter anderem hatte Wirtschaftsminister Peter Altmaier sich in einem Brief an seine taiwanische Kollegin Wang Mei-hua gewandt, in dem er auf die Bedeutung von TSMC für die deutschen Automobilindustrie hinwies, die mit TSMC bereits im Gespräch sei. »Ich würde mich freuen, wenn Sie sich dieses Anliegens annehmen und gegenüber TSMC die hohe Bedeutung zusätzlicher Kapazitäten an Halbleitern für die deutsche Automobilindustrie unterstreichen könnten«, schreibt Altmaier.

Automobilhersteller in allen Weltregionen sind von der Knappheit betroffen: Nissan Motor, Honda Motor, Ford Motor, Daimler und Volkswagen sehen sich gezwungen, Produktionslinien teilweise herunter zu fahren. Volkswagen hat die Stückzahlen in Werken in China, Nordamerika und Europa wegen des IC-Mangels reduziert. Ford hat Linie in den USA teilweise stillgelegt.

Folglich gingen bei der Regierung von Taiwan nicht nur dringende Anfragen aus Deutschland, sondern auch aus den USA, Japan und weiteren europäischen Ländern ein. Taiwan erklärte es habe die IC-Hersteller um volle Unterstützung gebeten. Allerdings sei der Brief von Altmaier bisher noch nicht eingegangen, wie das taiwanische Ministry of Econimc Affairs mitteilte, weshalb eine offizielle Stellungnahme dazu nicht möglich sei.

Die Automobilhersteller stehen zumeist nicht in direktem Kontakt zu Foundries. In Europa lassen IC-Hersteller wie NXP, Infineon und STMicroelectronics Chips bei TSMC und anderen Foundries Chips fertigen, die sie dann an die Automotive-Kunden ausliefern. Dasselbe gilt auch für die japanische Renesas, und Firmen wie Nvidia, Broadcom und Qualcomm in den USA.

1,5 Mio. Autos weniger im ersten Halbjahr

Die globale Autoproduktion wird wegen des IC-Mangels voraussichtlich um 1.5 Million Einheiten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sinken, wie Mitsubishi und UFJ Morgan Stanley Securities schätzen.

Betroffen sind vor allem GPUs, Display-Treiber-ICs (DDIs) und Leistungshalbleiter. Im Moment werden Speicher-ICs für Autos offenbar noch in ausreichenden Mengen produziert, aber auch hier zeichnet sich ab, dass der stark steigende Bedarf der Automotive-Kunden die zur Verfügung stehenden Kapazitäten bald übersteigen könnte.

ICs finden mittlerweile fast überall im Auto Anwendung: Sie arbeiten unter anderem in ECUs, Fahrerassistenzsysteme, Lenksystemen, Entertainmentsystemen und Außenspiegeln. Rund 400 ICs dürften heute im Durchschnitt in ein Auto wandern, in der Luxusklasse sind es noch viel mehr. Es ist wegen der Produktionszeiten, die es bedarf, um Chips zu fertigen, abzusehen, dass die Knappheit für die Automobilindustrie für mindestens einige Monate anhalten wird.

Prozessoren für Handys und Server: Es wird auch hier eng

Doch betroffen ist nicht nur die Automobilindustrie. Auch der Bedarf an Notebooks, Smartphones und Servern steigt stark. Es gibt Berichte, nach denen Samsung die im eigenen Haus entwickelten Applikationsprozessoren vom Typ Exynos in den eigenen Fabs nicht in genügender Anzahl fertigen kann.

Samsung hat das Foundry-Geschäft in einer eigenen Geschäftseinheit zusammengefasst, um dort nicht nur für die eigenen Abteilungen wie etwa den Smartphones fertigen zu lassen, sondern auch für Drittfirmen und damit in Konkurrenz zur Foundry TSMC zu treten. Ein Kunde ist beispielsweise Qualcomm.

Intel ist zumindest im Moment gegenüber TSMC und Samsung zurückgefallen ist und muss darüber nachdenken, die eigenen High-End-Prozessoren ebenfalls zumindest teilweise von diesen Foundries fertigen zu lassen. Das hatte den bisherigen CEO Bob Swan den Job gekostet, ihn hatte kürzlich Pat Gelsinger abgelöst. Damit sind TSMC und Samsung die derzeit einzigen Hersteller weltweit, die Chips mit Strukturgrößen von 5 nm und darunter produzieren können. Die neusten Generationen von Prozessoren für den Einsatz in Smartphones und Servern sind auf solche ICs angewiesen. Es wird also auch in diese Sektoren Engpässe geben.

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