Schwerpunkte

Halbleitermarkt 2021

Wachstum ist „unvermeidbar“

17. Dezember 2020, 11:55 Uhr   |  Iris Stroh

Stephan zur Verth, Vorsitzender der Fachgruppe Halbleiter-Bauelemente im ZVEI-Fachverband Electronic Components and Systems, prognostiziert, dass der weltweite Halbleitermarkt im nächsten Jahr um 8 bis 10 Prozent wachsen wird.

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Peter Lieberwirth, Toshiba Electronics Europe»Die sich durch 5G ergebende Nachfrage nach Leistungs­transistoren wird insbesondere auch den europäischen Markt beflügeln, da Anbieter wie Ericsson und Nokia auch 2021 von der geschwächten Marktposition Huaweis durch die Maßnahmen der US-Regierung profitieren dürften.«

Auch für Europa erwartet zur Verth ein Plus von 5 bis 9 Prozent. Für Deutschland gibt es keine eigene Prognose, er persönlich ist aber davon überzeugt, dass »wir uns in der Nähe der europäischen Wachstumszahlen bewegen werden«. Fragt man die Halbleiterhersteller nach ihrer Einschätzung für nächstes Jahr, so gehen die meisten davon aus, dass nächstes Jahr ein gutes Jahr für den Halbleitermarkt werden wird; ein Schrumpfen des Marktes erwartet keiner, manche halten nur eine exakte Prognose aus momentaner Sicht für nicht machbar.

Dazu gehört zum Beispiel Uwe Bröckelmann, Senior Director of Technology von Analog Devices. Er macht die Entwicklung des Halbleitermarkts im nächsten Jahr direkt von den Weiterentwicklungen rund um Corona abhängig. Vorausgesetzt, dass 2021 nicht mehr von Corona geprägt sein wird, sprich: ein Impfstoff kommt und der jetzige leichte (am Übergang zum harten) Lockdown keine allzu großen Auswirkungen zur Folge hat, dann »werden die Märkte wahrscheinlich auch wieder anziehen. Dann wird die Kaufzurückhaltung, die wir im privaten Bereich auf alle Fälle haben, wahrscheinlich auch wieder wegfallen und die Nachfrage anziehen«, so die Überzeugung von Bröckelmann. Peter Lieberwirth, Vice President Marketing & Operations von Toshiba Electronics Europe, hält eine exakte Prognose in der derzeitigen Situation ebenfalls für schwierig, denn sie sei einerseits durch die Hoffnung auf eine breite Verfügbarkeit eines wirksamen Impfstoffes geprägt, andererseits herrschten aber auch Unsicherheiten, inwieweit sich die Ausrichtung der amerikanischen Politik nach dem Wechsel der Präsidentschaft ändert oder wie die zukünftigen Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien ausfallen werden. Dennoch sieht Lieberwirth Grund für ein neuerliches Wachstum des Halbleitermarktes. Ein Punkt, der seiner Meinung nach das Wachstum antreiben dürfte, ist der verstärkte Absatz von 5G-Smartphones und der entsprechende Ausbau der 5G-Telekommunikations-Netze.

Darüber hinaus geht er davon aus, dass die Konjunkturpakete der Regierungen auch weiterhin die Nachfrage nach umweltfreundlicheren EV/HEV-Fahrzeugen stimulieren werden. Lieberwirth: »Die britische Regierung wird Käufe von batterieelektrischen Fahrzeugen bis 2023 subventionieren, Frankreich plant dies sogar bis 2030 zu unterstützen. In Deutschland verdoppelt die Regierung die Subventionen für Käufer von BEVs, PHEVs und Brennstoffzellenfahrzeugen (FCVs) bis 2021.« Außerdem weist er darauf hin, dass viele Firmen auch nach der Pandemie verstärkt auf Heimarbeit setzen werden, »was die Nachfrage nach entsprechender Ausrüstung auf einem hohen Niveau halten dürfte«, so Lieberwirth. Stephan Janouch, Director Marketing von Videantis, gehört auch zu der Fraktion, die es derzeit für schwierig hält, Prognosen für 2021 abzugeben. Aber dennoch erwartet auch er Wachstum im nächsten Jahr. Das Unternehmen ist laut seiner Aussage momentan (2020) zu einem Großteil in europäische Automotive-Projekte involviert, und »hier sehen wir trotz der globalen Absatzschwierigkeiten bei Neufahrzeugen viel Aktivität, speziell im Bereich Fahrerassistenzsystem bis hin zum autonomen Fahren L3+. Dementsprechend würde mich eine Zunahme des Halbleitermarktes nicht wirklich überraschen«.

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Raphael Hrobarsch, Diodes»Auch wenn der Bedarf wächst, gibt es nicht nur im Bereich der TCXO ein starke Markt­verknappung, sondern auch bei einigen der neuesten Gehäuse-technologien sind Kapazitätsgrenzen erreicht. Zusätzlich sind Covid-19-Vorfälle wie im November am Flughafen Shanghai, als rund 500 Frachtflüge ausfielen und Transportunternehmen in ihrem Handeln stark einschränkt waren, ein Problem für die Lieferkette und somit auch für die Produktion.«

Manche sind noch deutlich zuversichtlich. Raphael Hrobarsch beispielsweise, European Regional & Automotive Sales Manager bei Diodes, erklärt, dass der Halbleitermarkt im nächsten Jahr nicht nur wachsen wird, er erwartet sogar ein Wachstum im zweistelligen Bereich: »Insbesondere im Bereich der Transistoren, getrieben von 5G, IoT und der Automotive-Branche. Der steigende Absatz von batterie- und hybridbetriebenen Fahrzeugen wird entsprechend hohen Bedarf an elektrischen Antriebskomponenten mit sich bringen.« Wobei Hrobarsch hinzufügt, dass elektrische Antriebskomponenten nicht nur für die Automobilindustrie wichtig sind, sondern »auch in der modernen Automatisierungstechnik und im gesamten industriellen Anlagenbau, wo wir ebenfalls hohe Bedarfe erwarten«. Von zweistelligen Wachstumsraten spricht auch Carsten Jauch, Vice President Sales Automotive Europe & General Manager Renesas Electronics EMEA: »Wir gehen davon aus, dass sich der Automotive-Markt erholen wird und die in diesem Jahr geschrumpfte Fertigung von Neuwagen im nächsten Jahr wieder um 10 Prozent wachsen wird.« Dazu komme noch, dass die Bereiche EV, IVI und ADAS ebenfalls weiterwachsen werden, sodass sich in der Summe ein »Wachstum von ca. 10 bis 15 Prozent« in diesem Bereich ergibt. Jauch weiter: »Darüber hinaus erwarten wir eine erhöhte Nachfrage nach analogen Produkten wie Speicherschnittstellen für Rechenzentren und Timer-ICs.« Und Rayk Blechschmidt, Europe Segment Manager Automotive bei Microchip Technology, wiederum erklärt, dass Microchip in allen Bereichen – Industrie, Automotive, Data Center, Kommunikation – ein starkes Wachstum erwartet.

Claudio Valesani, Group Vice President und Head der EMEA Central Europa Sales Unit von STMicroelectronics, abschließend: »Die Marktsituation hat sich seit dem Sommer stetig verbessert, mit einer sehr starken Erholung der Automobilbranche in allen Regionen, einem soliden Industriemarkt und einem großen Verbrauchermarkt, also Haushaltsgeräte und sämtliches Zubehör für @home mit den Bereichen Arbeiten, Lernen und Spielen, auch diese Segmente zeigen eine sehr gesunde Nachfrage. Der Auftragsbestand entwickelt sich gut, und trotz der mit Unsicherheiten verbundenen Covid-19-Entwicklung zeigen die Kunden einen erneuten Optimismus für 2021.«

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Toshiba Electronics Europe GmbH, Diodes Zetex GmbH