Schwerpunkte

Automotive-Trends

Wie E-Mobilität die Branche verändert

04. Dezember 2020, 10:32 Uhr   |  Iris Stroh

Wie E-Mobilität die Branche verändert
© WEKA Fachmedien

Panel-Diskussion auf der eAC 2020 Teilnehmer der eAC-Podiumsdiskussion Gregg Lowe, President und CEO von Cree Peter Schiefer, Präsident der Division Automotive der Infineon Technologies Dr. Joachim Fetzer, CEO Electric Powertrain bei Marelli Thomas Grasshoff, Head of Strategic Marketing bei Semikron Peter Gresch, CEO von OptE GP (Moderator)

Ob die Zukunft der Plug-in-Hybride, Entwicklungen in der SiC-Supply-Chain oder die Konkurrenzfähigkeit der europäischen Automobilindustrie – auf der Podiumsdiskussion der electronica Automotive Conference (eAC) diskutierten Experten über aktuelle Branchentrends.

Ende September 2020 veröffentlichte das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) Ergebnisse einer Studie über 100.000 Plug-in-Hybride. Die Studie hatte ergeben, dass die von den OEMs angegebenen Verbrauchs- und CO2-Zahlen nur sehr wenig mit den realen Werten zu tun haben. Dr. Patrick Plötz, Leiter des Geschäftsfeld Energiewirtschaft am Fraunhofer ISI und Hauptautor der Studie: »Im Mittel fallen die realen Kraftstoffverbräuche und CO2-Emissionen von Plug-in-Hybridfahrzeugen bei privaten Haltern in Deutschland mehr als doppelt so hoch aus wie im offiziellem Testzyklus, während die Werte bei Dienstwagen sogar viermal so hoch sind.«

Dass die offiziellen Verbrauchswerte so stark von den realen Werten abweichen, liegt daran, dass die Fahrzeuge viel zu selten nachgeladen werden, dadurch der elektrische Fahranteil sinkt und der Kraftstoffverbrauch steigt. Würden die Fahrer also anders agieren, wären die Verbrauchwerte deutlich niedriger.

Die Teilnehmer der eAC-Podiumsdiskussion sind sich sicher: Plug-in-Hybride sind eine Brückentechnologie – die allerdings ihre Berechtigung hat. Peter Schiefer, Präsident der Division Automotive der Infineon Technologies, beispielsweise weist darauf hin, dass diese Technik besonders für Hersteller von Premiumfahrzeugen interessant ist. Denn die Plug-in-Hybridtechnik bietet zumindest eine theoretische Möglichkeit, diese Fahrzeuge umweltverträglicher zu machen. Das ändert aber auch für ihn nichts daran, dass diese Technik ein Effizienzproblem hat. Genau diesen Punkt bemängelt auch Dr. Joachim Fetzer, CEO Electric Powertrain bei Marelli, weshalb er beispielsweise überzeugt ist, dass diese Technik zum Ende dieser Dekade zum Auslaufmodell geworden sein wird. Gregg Lowe, President und CEO von Cree, sieht noch einen weiteren Punkt, der gegen diese Technik spricht. Aus eigener Erfahrung weiß er, dass in deutschen Städten es häufig schon nicht einfach, überhaupt einen Parkplatz zu finden, geschweige denn einen Parkplatz, an dem das Fahrzeug auch noch geladen werden kann.

Im Gegenzug dazu bringt die Plug-in-Technik auch nicht sonderlich viel an Reichweite, warum also der Zusatzaufwand?
Ein reines E-Fahrzeug mit hoher Reichweite hat diese Probleme nicht. Lowe: »Wenn das Unternehmen, in dem ich arbeite, mir die Möglichkeit bietet, das Fahrzeug zu laden, könnte ich in die Firma fahren, dort 600 km Reichweite tanken und dann wäre es vollkommen egal, ob ich zuhause einen Parkplatz mit Lademöglichkeit finde. Reichweite ist also nicht nur eine Frage, wie weit ich mit meinem Fahrzeug komme, sondern eine große Reichweite ermöglicht es mir auch, dass ich weniger laden muss«, betont Lowe. Folglich: »Plug-in-Hybride sind eine Brückentechnologie – und die Brücke ist deutlich kürzer als viele erwartet haben«, so die Überzeugung von Lowe.

SiC – wie sieht es mit der Lieferfähigkeit aus?

Cree ist der weltweit größte Substratlieferant (reine SiC-Wafer und Epitaxie-Wafer) im SiC-Bereich, das Unternehmen hat Lieferverträge mit Firmen wie Infineon oder STMicroelectronics. Und nachdem immer wieder darüber diskutiert wird, ob überhaupt genügend SiC-Halbleiter geliefert werden können, investiert Cree kräftig in den Kapazitätsausbau, nicht nur was die Substratfertigung, sondern auch die eigene IC-Fertigung anbelangt. Das Unternehmen hatte bereits im Frühjahr 2019 angekündigt, die Produktionskapazität für SiC-Wafer in fünf Jahren um das 30-Fache zu erhöhen. Dann erfolgte im Herbst desselben Jahres eine zweite Ankündigung, mit der die bereits geplante Kapazitätserweiterung noch einmal um 25 Prozent aufgestockt wurde. Lowe: »Es wird davon ausgegangen, dass 25 Prozent der Batteriefahrzeuge 2025 auf SiC setzen.« Ein enormes Wachstum, das bedient werden will.

Auch in Hinblick auf die Kosten ist sich Lowe sicher, dass SiC auf dem richtigen Weg ist. Derzeit durchlaufen diese Halbleiter einen steilen Preisverfall, ganz im Gegenteil zu den konkurrierenden Si-IGBTs, denn hier flacht der Preisverfall seit langem ab. Lowe vergleicht die Situation zwischen SiC und Silizium heute mit der, als im Digitalbereich von Bipolartransistoren auf CMOS-Transistoren umgestellt wurde. Damals hätten auch viele gedacht, dass CMOS zu teuer ist und sich nur in einem kleinen Segment durchsetzen wird. Heute ist klar, dass diese Annahme falsch war, denn je mehr CMOS zum Einsatz kam, desto mehr verringerten sich die Kosten. Eine ähnliche Entwicklung erwartet er auch im SiC-Bereich. »Wir stehen hier erst ganz am Anfang der Entwicklung«, so Lowe weiter.

Das heißt zwar nicht, dass Lowe erwartet, dass die SiC-Substrate irgendwann mal von den Kosten her mit den Si-Wafern gleichziehen werden, aber das Delta dazwischen wird immer kleiner und »damit können die signifikanten Vorteile, die SiC bietet, in mehr Anwendungen zum Tragen kommen, was das Volumen erhöht und die Kosten senkt«, so Lowe weiter. Und dass die SiC-Substrate so billig werden müssen wie Si-Wafer ist auch gar nicht unbedingt nötig, zumindest nicht im Automotive-Markt. Denn laut Thomas Grasshoff, Head of Strategic Marketing bei Semikron, hat SiC im Fahrzeug gegenüber Si bereits jetzt ein konkurrenzfähiges Kostenniveau erreicht.

Seite 1 von 2

1. Wie E-Mobilität die Branche verändert
2. Wie sieht die Supply-Chain in Zukunft aus?

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Cree Europe GmbH, INFINEON Technologies AG Neubiberg, Magnetti Marelli Deutschland GmbH, SEMIKRON International GmbH, Fraunhofer ISI (Institut für System- und Innovationsforschung), STMicroelectronics GmbH, Tesla Motors Limited