Keine Spur von Entspannung auf dem Markt

Lieferzeiten und Preise ziehen weiter an

26. April 2022, 10:30 Uhr | Engelbert Hopf

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

"Nachfrage stärker als die Kapazität"

Dr. Wittorf teilt die Einschätzung, dass die langen Lieferzeiten beim Equipment für das Front End, die inzwischen bis zu einem Jahr betragen können, zu den größten aktuellen Herausforderungen zählen, ein anderer wichtiger Aspekt sei jedoch der Mangel an 8-Zoll-Wafern im Foundry-Bereich. Krause weist auf die Engpässe im Rohmaterial für das Packaging der Leistungshalbleiter hin: »Die notwendigen Kapazitäten wären wahrscheinlich vorhanden, können aber aufgrund von fehlendem Vormaterial nicht genutzt werden.« Zudem sei die Nachfrage stärker als die Kapazität, »diese beiden Faktoren verstärken sich also gegenseitig«.

»In den vergangenen Wochen führten lokale Covid-19-Lockdowns im Raum APAC bei den Back-End Fabs punktuell zu zusätzlichen Lieferzeiten«, erläutert Blaga seine Sicht der Dinge. »Hinzu kam im 1. Quartal 2022 eine Reihe von externen Vorfällen, wie etwa Erdbeben oder Brände, die zur Beschädigung von Fertigungs-Equipment oder zur Kontamination von Wafern geführt haben.«

Eine noch im Herbst letzten Jahres am Markt präsente Befürchtung scheint dagegen inzwischen an Bedeutung verloren zu haben: Anlässlich eines Roundtable dieser Zeitung hatten Diskussionsteilnehmer davor gewarnt, dass die jetzt aufgebauten Fertigungskapazitäten 2024/25 zu Überkapazitäten am Markt führen könnten. »Längerfristig betrachtet sind die Aufstockungen der Fertigungskapazitäten meines Erachtens zwingend erforderlich, um die Transformation der Elektrobranche in den kommenden Jahren überhaupt stemmen zu können«, meint etwa Kasteleiner.

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Dr. Dirk Wittorf, Nexperia: »Beim Equipment für das Front End sind Lieferzeiten bis zu einem Jahr inzwischen keine Seltenheit mehr. Ein anderes Problem der weltweiten Fertigung ist der Mangel an 8-Zoll-Wafern im Foundry-Bereich.«
© Markt & Technik
Harald Kasteleiner, Glyn
Harald Kasteleiner, Glyn: »Von der Entspannung der Lieferzeiten sind wir trotz stetiger Produktionserweiterungen unserer Hersteller noch ein gutes Stück entfernt. So liegen die Lieferzeiten zwischen 30 und 56 Wochen.»
© Glyn

»Neben dem Klimawandel wird die geänderte politische Gemengelage mit hoher Wahrscheinlichkeit die Nachfrage nach Leistungshalbleitern noch einmal enorm anheizen«, ist sich Lippert sicher, »weshalb davon auszugehen ist, dass die bisher bekannten gegebenen Kapazitätserweiterungen erst der Anfang für eine Reihe weiterer Investitionsentscheidungen sein dürften«.

»Generell denke ich, dass viele Technologien und Märkte, die Leistungshalbleiter benötigen, heute erst am Start für Serienstückzahlen stehen«, so Krause. »Wenn diese sich entsprechend weiterentwickeln und verstärkt eingeführt werden, denke ich nicht, dass es in absehbarer Zeit wirklich ein Überangebot am Markt geben wird.«
»Aus heutiger Sicht sind die Kapazitäten sinnvoll«, meint auch Grasshoff, »denn der Elektrifizierungsbedarf wird weiter steigen«.

Gerade die beschleunigte Energietransformation trage ihren Teil dazu bei. »Die konjunkturelle Situation in zwei Jahren hängt von politischen Faktoren ab und von Fragen wie etwa: Entwickelt sich die Welt zum Dipol? Was passiert nach dem Ukraine-Krieg mit Russland? Wie verhält sich China in Zukunft und welche langfristigen Auswirkungen werden die vom Westen verhängten Embargos haben?«

Weitgehende Einigkeit unter den Befragten herrscht auch bei der zukünftigen Preisentwicklung im Leistungshalbleiterbereich: »Der Preisanstieg wird sich in den Preisrunden 2022 und 2023 fortsetzen; neben den gestiegenen Rohstoffpreisen werden sich die höheren Energiepreise und Transportkosten auf die Produktkosten auswirken«, ist sich Grasshoff sicher. »Die Inflation ist das eine, aber vor allem die durch den Ukraine-Krieg noch einmal gestiegenen Preise für Metalle, Rohstoffe und nicht zuletzt Energie für Produktion und Transport werden über kurz oder lang weitergereicht werden müssen«, versichert auch Dr. Wittorf.

»Wir erhalten wöchentlich neue Ankündigungen über bevorstehende Preissteigerungen unserer Hersteller«, berichtet Blaga; »die Rolle des Preistreibers dürften in den nächsten Monaten die explodierenden Energiepreise übernehmen«. »Angesichts der geopolitischen Unruhen hat der Inflationsdruck in den letzten Wochen zugenommen«, so Whitehead, »ein weiterer Preisanstieg wird im Jahr 2022 eine notwendige Folge sein«.

Einen interessanten Aspekt für Preissteigerungen nennt Lippert: »Alle Hersteller spüren den Druck explodierender Material- und Logistikkosten, ein Ende ist nicht abzusehen. Hinzu kommt in vielen Unternehmen noch der Druck von der Aktionärsseite, doch angesichts ausgereizter Kapazitäten und somit fehlenden Mengenwachstums zumindest auf der Ergebnisseite von den Engpässen am Markt zu profitieren«.

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Stimmungsindex der Branche
Fantastisch und albtraumhaft zugleich
So hohe Index-Werte hat es in der mehr als zehnjährigen Geschichte des von uns ermittelten Stimmungsbarometers der deutschen Leistungshalbleiterbranche selten gegeben! Auftragslage phantastisch, aber die Aufträge wandeln sich erst nach einem halben Jahr oder noch länger in Umsätze um. Teillieferungen scheinen die neue Normalität zu sein, um zumindest die größten Probleme der Kunden zu beheben. Und eine Entspannung ist nicht in Sicht. Wohl auch vor diesem Hintergrund sinkt der Index-Wert für das erste Halbjahr 2022 auf 3,45. Etwas geringer fällt die Prognose der Branche für die zweite Jahreshälfte 2022 aus: 3,36. 


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