Interview mit Armin Derpmanns, Toshiba

»Wir fokussieren uns jetzt voll auf Power«

7. März 2022, 11:30 Uhr | Ralf Higgelke
Markt&Technik
Armin Derpmanns,Toshiba Electronics Europe: »Heute genügt es nicht mehr, dem Entwickler das Datenblatt zu schicken oder ihm einen MOSFET auf den Tisch zu legen. Wir müssen sein Problem verstehen.«
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Gerade im Jahr 2021 ist bei Toshiba viel passiert. Markt&Technik nahm die Eröffnung des High-Voltage-Labors in Deutschland zum Anlass, um von Armin Derpmanns, General Manager Semiconductor Marketing bei Toshiba Electronics Europe, mehr über diese Veränderungen zu erfahren.

Markt&Technik: Ende Dezember 2021 hat Toshiba Electronics Europe ein High-Voltage-Labor eröffnet. In der Pressemeldung hieß es, diese Investition spiegele die Verlagerung des Unternehmensschwerpunkts auf Leistungselektronik wider. Können Sie uns mehr zu dieser Verlagerung erzählen?

Armin Derpmanns: Gerne. Unsere Halbleitersparte hatte ein doch recht breites Betätigungsfeld. Nachdem wir im Jahr 2019 den Speicherbereich als Kioxia ausgegliedert hatten, blieben zwei große Bereich mit einer langen Historie übrig: digitale System-on-Chips sowie Leistungselektronik. Um in diesen beiden Geschäftsfeldern dann wieder kräftig wachsen zu können, war es nötig zu investieren – und zwar in beiden Feldern getrennt, weil es da wenig Synergien gibt.

Daher hat sich Toshiba im Rahmen einer größeren Restrukturierung im Herbst 2020 dafür entschieden, sich im Halbleiterbereich auf Power zu konzentrieren, wobei das Thema Motorsteuerung als digitaler Teil der Leistungselektronik bleibt. Dadurch können wir unseren Kunden ein Gesamtpaket aus Leistungshalbleitern und der notwendigen, analog/digital gemischten Regelung und Ansteuerung bieten. Natürlich umfasst das auch zum Beispiel die Mikrocontroller, Motor-Control-ASSPs, die Optokoppler sowie digitale Isolationstechniken und Gate-Treiber.

Wie wirkt sich diese Verlagerung aus?

Wenn ein Unternehmen breiter investieren muss, dann muss es entweder in jedem Bereich mehr investieren oder es fokussiert sich. Durch unsere strategische Entscheidung können wir nun gezielter investieren.

Können Sie das etwas konkretisieren?

Gleich nachdem die Entscheidung über die Fokussierung auf Power gefallen war, wurde im März 2021 auch entschieden, in der Präfektur Ishikawa eine neue 300-mm-Fab für Leistungshalbleiter zu errichten. Diese soll in der ersten Hälfte des Geschäftsjahrs 2023 in Betrieb gehen. Damit haben wir klargestellt, dass wir für alle Fokustechnologien zukünftig auch ausreichende Fertigungskapazitäten zur Verfügung haben. Und Ende September 2021 haben wir zum Beispiel mit Showa Denko einen langfristigen Liefervertrag geschlossen, um die Versorgung mit Siliziumkarbid-Wafern sicherzustellen. Dies ist ein wichtiger Wachstumsmarkt für Toshiba.

Und mit dieser Fokussierung und diesen Investitionen im Blick rücken ganz klar die Anwendungsbereiche Industrie und Automobil in den Blickpunkt, und dadurch wurden Europa und ganz besonders Deutschland extrem wichtige Zielmärkte für Toshiba. Und damit ist es auch nötig, lokal in Support zu investieren.

Beispielsweise in dieses neue High-Voltage-Labor.

Ganz richtig. Zwar hatten wir auch schon in der Vergangenheit immer wieder lokale Entwicklung und Application Engineering. Aber mit dem neuen Fokus war es nötig, dies zu intensivieren und lokal Entwicklungsunterstützung zu bieten.
Im Bereich Power Semiconductors war es uns beispielsweise nicht möglich, Messungen durchzuführen, Referenzschaltungen aufzubauen oder in Betrieb zu nehmen. Denn es genügt heute nicht mehr, dem Entwickler das Datenblatt zu schicken oder ihm einen MOSFET auf den Tisch zu legen. Wir müssen sein Problem verstehen. Mit unserem neuen High-Voltage-Labor können wir nun Teile der Kundensysteme nachbilden.

Aber es geht nicht nur um Hardware, sondern auch um Simulation. Auch dafür haben wir nun die nötigen Tools vor Ort. Durch solche Simulationen können wir unseren Kunden dabei helfen, sein System nicht nur zum Laufen zu bringen, sondern auch zu optimieren. Im Grunde machen wir Consulting und können unseren Kunden nur dann kompetent beraten, wenn wir seine Applikation verstehen und wissen, aus welchen Blöcken diese besteht.

Können Sie mir dafür ein Beispiel nennen?
Nehmen wir einmal einen größeren Umrichter. Dieser ließe sich in einer Zwei-Level-Topologie mit Siliziumkarbid-Transistoren realisieren oder in einer Multilevel-Topologie mit Niederspannungs-MOSFETs aus Silizium. Nur wenn man das Gesamtsystem beim Kunden kennt, kann man ihn auch gut beraten. Und dadurch, dass wir auch alle anderen aktiven Komponenten eines solches Systems – also beispielsweise Optokoppler, Mikrocontroller, Motor Control ASSPs und Gate-Treiber – anbieten, sind wir in der einzigartigen Lage, ihn umfassend beraten zu können und ihm zu zeigen, welche Optionen ihm bei seinem System offen stehen.

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