Krieg in der Ukraine

Lieferzeiten und Preise für passive Bauelemente steigen weiter

29. April 2022, 10:30 Uhr | Dennis M. Zogbi, Paumanok Publications
Ukraine, Russia
© Tak – stock.adobe.com

Nicht nur die Inflation treibt die Preise für passive Bauelemente, sondern auch der Ukraine-Krieg und die Sanktionen gegen Russland. Daher erwarten die Analysten von Paumanok bis zum Ende des dritten Quartals 2022 bei den passiven Bauelemente zwei weitere Preisrunden sowie steigende Lieferzeiten.

  • Rohstoffindex erreicht nicht gekanntes Niveau

  • Weitere Störungen in der Lieferkette

  • Preissprung bei Aluminium

  • Steigender Ölpreis belastet Folienkondensatoren

  • Krieg in der Ukraine betrifft induktive Bauelemente

  • Weitere Preisrunden bis September

Am 24. Februar 2022 marschierte die russische Armee in der Ukraine ein. Der Krieg an sich sowie die daraufhin verhängten Sanktionen gegen Russland wirken sich nachhaltig auf die Versorgung mit und den Preis von fast sämtlichen Metallen aus, die zur Fertigung von passiven Bauelementen benötigt werden.

So sind die Preise für Nickel und Palladium, Hauptbestandteile für die Elektroden von Keramikkondensatoren (MLCCs), drastisch gestiegen. Die Versorgung damit wird vom russischen Bergbauunternehmen Kornickel beherrscht, wobei 25 Prozent der weltweiten Nickelversorgung und 50 Prozent der weltweiten Palladiumversorgung unter dessen unmittelbarer Kontrolle stehen. Die MLCC-Lieferkette ist also in Alarmbereitschaft.

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Rohstoffindex erreicht nicht gekanntes Niveau

Paumanok
Bild 1: Rohstoffindex für passive Bauelemente April 2012 bis März 2022 (Quelle: Paumanok Publishing, »Passive Electronic Components: World Market Outlook, 2022-2027«)
© Paumanok Publications

Aufgrund eines dreistelligen Preisanstiegs innerhalb eines Handelstages nahm die Londoner Metallbörse (LME) Nickel aus dem Handel, woraufhin der Paumanok-Rohstoffindex für passive Bauteile ein bisher nicht gekanntes Niveau erreichte (Bild 1). Auch der Preis für Palladium stieg im Laufe des Monats März sprunghaft, da sich die Akteure an den wichtigsten Schnittstellen in der Lieferkette für Hightech-Produkte Sorgen über steigende Rohstoffkosten machten, die zur derzeit hohen Inflation noch hinzukommen. Gleichzeitig befürchten die Akteure, dass die Versorgung mit dem wichtigen Metall nicht gewährleistet werden könnte.

In der Vergangenheit lösten solche materialbezogenen Ereignisse Panikkäufe von elektronischen Bauteilen aus, wie sie in Mobiltelefonen, Computern, Spielkonsolen und Automobilen verbaut werden.

Weitere Störungen in der Lieferkette

Die Analysten von Paumanok befürchten, dass es bis Dezember 2022 zu Störungen in der Lieferkette von MLCCs, allen Arten von Widerständen, Aluminium-Elektrolytkondensatoren und sämtlichen Ferritprodukten kommen könnte. Solche Störungen können in Form volatiler Preise für Nickel, Palladium, Kupfer, Titan, Aluminium und Eisenerz auftreten und zu Materialknappheit bei Elektroden, Dielektrika und Bauteilanschlüssen führen. Das bedeutet auch, dass sich für recycelte Metalle neue Möglichkeiten eröffnen könnten.

Auch die Nachfrage nach Elektrolyt- und Folienkondensatoren ist im März 2022 gestiegen und das Angebot hat sich verknappt. Gleichzeitig sind bei MLCCs und Tantalkondensatoren Schwächen zu beobachten, die auf überschüssige Lagerbestände in den Lieferketten von Mobiltelefonen und Automobilen zurückzuführen sind. Bei Dünnschichtwiderständen auf Nickelbasis gab es eine Verknappung, denn deren Lieferkette war vom Erdbeben in der Region Fukushima am 16. März 2022 betroffen, ebenso wie das Angebot an Anodenfolien für Kondensatoren.

Preissprung bei Aluminium

Aufgrund der Konzentration der Verhüttungsaktivitäten in Osteuropa durch den russischen Aluminiumkonzern Rusal reagierte die Lieferkette für Aluminium mit einem Preissprung. Die Versorgung mit diesem Metall ist wichtig für Elektrolytkondensatoren als Anoden- und Kathodenfolie, aber auch sehr wichtig für Widerstände, denn Widerstandssubstrate bestehen zu 96 Prozent aus Aluminiumoxid.

Auch anhaltende Stromausfälle störten das Ökosystem der Elektrolytkondensatoren in China, was zu Problemen bei der Produktion von Aluminiumfolien führte. Inzwischen behindern zudem Transportprobleme den Versand fertiger Bauelemente. Mehrere Produktlinien verzeichneten einen erheblichen Nachfrageanstieg inmitten eines knapper werdenden Angebots.

Steigender Ölpreis belastet Folienkondensatoren

Aufgrund pandemiebedingter Lieferengpässen bei Polypropylen-Rohstoffen sind die Lieferzeiten für alle Arten von Folienkondensatoren sprunghaft angestiegen. Außerdem sind diese Komponenten auch von den petrochemischen Rohstoffen und dem Rohölpreis abhängig, der in den kommenden Monaten stark ansteigen dürfte.

Zwar verkürzten sich die Lieferzeiten für Tantalkondensatoren von Dezember 2021 bis März 2022, da die weltweite Nachfrage nach Computern allmählich nachließ. Doch nach wie vor ist die Lieferkette für Tantalkondensatoren eine der problematischsten, wenn es um den Anstieg der Lieferzeiten allgemein geht, auch wenn Tantal von den Auswirkungen des Konflikts in Osteuropa kaum betroffen ist, denn es wird weiterhin hauptsächlich aus dem Kongo, Australien und Brasilien bezogen. Trotzdem rechnen die Analysten von Paumanok im weiteren Verlauf des Jahres mit einer steigenden Nachfrage und einem höheren Preis, da Tantalkondensatoren mit MLCCs in Beziehung stehen.

Krieg in der Ukraine betrifft induktive Bauelemente

Ein Ziel des Krieges in der Ukraine scheinen zunehmend die Eisenerzminen in und um Poltawa zu sein, deren Erz ein Ausgangsmaterial nicht nur für Stahl, sondern auch für Ferrit ist. Am 28. März 2022 meldeten chinesische Fabriken, dass die Versorgung mit Eisenerz für die Stahlproduktion knapp geworden sei und die Preise innerhalb eines Tages um vier Prozent gestiegen seien. Die Analysten von Paumanok warnen davor, dass die gesamte Lieferkette für Ferrite (Ferritperlen, Perlen-Arrays und Ferritkerne) in Mitleidenschaft gezogen werden könnte.

Außerdem berichten Minenbetreiber in China, dass das Wiederauftreten von Covid-19 in China im März die Wiederaufnahme eines stabilen Produktionsflusses bei wichtigen Materialien behindert.

Weitere Preisrunden bis September

Die Modellierung von Paumanok zeigt, dass sich aufgrund höherer Herstellungskosten für die nächsten beiden Quartale bis September 2022 die Preise deutlich nach oben bewegen werden. Eindeutige Engpässe aufgrund des Ukraine-Kriegs treten bei MLCCs (Palladium, Nickel, Titan, Kupfer), Aluminium (Folien für Kondensatoren und Substrate für Widerstände) und Ferriten (Eisenerz) auf. Nur die Lieferkette für Tantal ist nur begrenzt von Osteuropa betroffen.

Die Analysten von Paumanok erwarten zwei Preisrunden in der Lieferkette für passive Komponenten bis zum Ende des dritten Quartals 2022. Für die Manager wird es darauf ankommen, die für die Anleger am besten geeigneten Ertragskanäle zu finden. Allerdings werden Wettbewerb und Panikkäufe die Werte erheblich steigern. Bei einem volatilem 30-Tage-Durchschnitt die variablen Kosten zu steuern, wird zur Herausforderung, da die Vertriebswege auf Veränderungen reagieren werden.

Die Preise für passive Komponenten erreichten im Dezember 2021 ihren Höchststand und gingen dann bis März 2022 zurück, da sich die Lagerbestände in den Schlüsselsektoren aufbauten. Mit dem Konflikt in Europa sind die Preise für die wichtigsten Materialien jedoch plötzlich in die Höhe geschossen. Die Kosten dieses Krieges werden hoch sein, und jeder, der ein Mobiltelefon, einen Computer, ein Fernsehgerät, ein Haushaltsgerät oder ein Auto kauft, wird dafür bezahlen.

Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung eines Blog-Eintrags bei TTI.


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