Passive Bauelemente

»2022 wird zum Tanz auf dem Vulkan Teil 2«

24. Januar 2022, 14:30 Uhr | Engelbert Hopf
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Omikron erreicht China, Lockdowns in Industriemetropolen, weitere Energieengpässe in China – solche Meldungen werden auch in den nächsten Monaten den Adrenalinspiegel bei den Herstellern, Distributoren und Anwendern passiver Bauelemente hoch halten, wie eine aktuelle Umfrage der Markt&Technik zeigt.

»Jeder weitere Lockdown in den chinesischen Industriemetropolen wird sich früher oder später auf die ohnehin schon angespannte Lieferkettensituation auswirken«, versichert denn auch Alexander Gerfer, CEO und CTO von Würth Elektronik eiSos. »Es kann im Laufe des Jahres eigentlich nur besser werden«, meint Rüdiger Scheel, Vice President Mobility bei Murata Europe, mit Blick auf die kommenden Monate.

Dr. Arne Albertsen, Senior Sales Manager bei Jianghai Europe, geht von einer Fortsetzung des letzten Jahres aus, aber mit einem entscheidenden Unterschied: »Letztes Jahr, das war der Tanz auf dem Vulkan Teil 1 – Teil 2 ist für 2022 in Planung, aber dieses Mal mit echten Eruptionen!«

Wie die aussehen könnten, macht Ferdinand Leicher deutlich, Vice President Sales EMEA bei Bourns: »Die schlimmsten Kostensteigerungen sind erst im 3. Quartal 2021 sichtbar geworden. Die Preissteigerungen 2022 werden deshalb wohl deutlicher ausfallen als 2021.«

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Josef Vissing, TDK Europe: »Unsre Auftragsbücher für 2022 sind schon gut gefüllt, speziell aus dem Bereich Automotive reichen die Auftragsbestände bereits weit in das Kalenderjahr 2023.«  
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»Stand heute sehen wir für das erste Halbjahr 2022 keine großen Veränderungen«, sagt Stefan Sutalo, Director Product Marketing Passive Components bei Rutronik; »unsere Hersteller sehen die Versorgung für die ersten sechs Monate des neuen Jahres weiterhin als kritisch an«. Kein Wunder, dass Sutalo kundenseitig heute Forecasts von über zwölf Monaten sieht. Darüber, wie das Jahr 2022 laufen wird, entscheidet im wesentlich das 1. Quartal 2022.

»Unser aktuelles Backlog für passive Bauelemente reicht deutlich über ein halbes Jahr hinaus«, charakterisiert Olaf Lüthje, Senior Vice President Business Marketing Passives bei Vishay, die Situation. »Es gibt aber nach wie vor auch diverse Produkte, welche längere Lieferzeiten haben.« Bei der erwarteten Entwicklung und trotz massiver Investitionen in Kapazitätserweiterungen, so Lüthje, »könnte das weiterhin eine angespannte Versorgungslage zur Folge haben«.

Auch wenn die Hersteller auf die massiven Bedarfssteigerungen 2021 rechtzeitig reagiert haben, der Bau neuer Fertigungslinien, wenn nicht gar neuer Fabs, unterliegt in Pandemiezeiten sicher noch einer Reihe zusätzlicher Einflussfaktoren. So kündigt etwa Asushi Omoto, Geschäftsführer von Susumu Deutschland, an, »dass nach einer enormen Erhöhung der Produktionskapazitäten wir davon ausgehen, dass sich bei Susumu die Lieferprobleme mit oder ab dem 3. Quartal 2022 verringern werden«.

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Dr. Arne Albertsen, Jianghai Europe: »Letztes Jahr lässt sich als Tanz auf dem Vulkan beschreiben. Aktuell ist Tanz auf dem Vulkan Teil 2 in Planung. Mit einem Unterschied: Dieses Mal gibt es eine echte Eruption!«
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Auch bei Susumu war der Mehrbedarf von einer deutlichen Nachfragesteigerung aus dem Automotive-Bereich befeuert worden. Seit die Automobil- und Automotive-Branche mit Versorgungsengpässen im Halbleiterbereich kämpft, haben sich zwar die Umsätze der Passiven im Automotive-Bereich vielerorts reduziert, wie auch Jean Quecke, Sales Director (IPE) Central Europe bei Future Electronics, bestätigt, »die Aufträge aber wurden bis Mitte 2023 durchdisponiert und sind darum auf einem neuen Höchststand«. Aus seiner Sicht wird es deshalb ab dem 2. Quartal 2022 spannend, »wenn der Automotive-Sektor wieder genügend Halbleiter erhält und die Elektronikbedarfe in diesem Bereich wieder massiv hochgefahren werden«.

Ganz ähnlich fällt die Antwort von Josef Vissing, President von TDK Europe, aus. »Wir mussten zwar unsere Prognosen für die Umsätze im Automotive-Bereich 2021 aufgrund der Lieferengpässe im Halbleiterbereich im niedrigen zweistelligen Prozentbereich nach unten korrigieren«, so der TDK-Manager, »aber unsere Auftragsbücher für 2022 sind schon gut gefüllt, speziell auch aus dem Bereich Automotive. Dort reichen die Auftragsbestände bereits weit in das Kalenderjahr 2023«.

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Ferdinand Leicher, Bourns: »Das größte Problem im Automotive-Bereich ist die anhaltende völlige Unklarheit der OEMs Richtung Tier-Ones über die realistischen Produktionsmengen in Q1 und Q2/2022, das ist ein Roulette-Spiel.«
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Eine Tatsache, zu der auch die Aussage von Scheel passt: »Wir bekommen heute von den meisten Kunden Forecast-Zahlen über 18 Monate!« Sollte sich im Laufe der ersten Jahreshälfte 2022 die Versorgung nicht nur der Automobil- und Automotive-Branche mit Halbleitern spürbar verbessern, dürfte das voraussichtlich neue Lieferprobleme, nicht nur bei passiven Bauelementen, nach sich ziehen, wurde doch auch in anderen Anwenderbranchen das Produktionsvolumen vor dem Hintergrund der stockenden Halbleiterversorgung gedrosselt.

Somit prägt Unsicherheit über den Verlauf des Geschäftsjahrs 2022 die Branche. Sicher ist man sich hingegen in einem anderen Punkt: Die Preissteigerungen des letzten Jahres werden sich auch 2022 fortsetzen. Schon im letzten Jahr hatten sich stark gestiegene Material-, Energie- und Transportkosten auf nahezu alle Produkte im Bereich passiver Bauelemente ausgewirkt. Durch die höchsten Preissteigerungen fielen vor allem Elektrolyt- und Folienkondensatoren sowie Tantals und Ferrite auf.

Mehr über die aktuellen Entwicklungen im Bereich passiver Bauelemente erfahren Sie im Schwerpunkt unseres E-Paper ab Seite 28. 


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