Reserven nur für fünf Tage

US-Firmen gehen bald die Chips aus

7. Februar 2022, 15:48 Uhr | Ralf Higgelke
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Für fünf Tage nur noch reichen laut US-Handelsministerium die Halbleiterbestände von US-Unternehmen, um die eigene Produktion aufrechtzuerhalten. Doch der US-Kongress hat die Förderungen noch nicht abgesegnet und die Zeit läuft davon.

»Die Versorgungskette im Bereich der Halbleiterindustrie bleibt weiterhin sehr instabil«, sagt US-Handelsministerin Gina Raimondo. »Daher ist es jetzt ungemein wichtig, dass der Kongress so schnell wie möglich Förderungen zur Chip-Herstellung absegnet.« Da die Nachfrage in diesem Sektor in letzter Zeit rasant angestiegen sei und die bestehenden Kapazitäten der Hersteller bereits voll ausgeschöpft würden, sieht die Politikerin nur eine mögliche Lösung des Problems: »Diese Krise können wir längerfristig nur überstehen, wenn es uns gelingt, die inländische Fabrikinfrastruktur auszuweiten.«

In diesem Sinne begrüßt Raimondo die Ankündigung von US-Präsident Joe Biden, im Rahmen des Chips Act 52 Mrd. US-Dollar an Fördergeldern zur Revitalisierung der US-Halbleiterbranche auszuschütten. Die Halbleiterfertigung ist in den USA von 37 Prozent im Jahr 1990 auf heute nur noch 12 Prozent geschrumpft. Entscheidend sei aber nicht nur, dass dies passiere, sondern auch wann dies umgesetzt wird. »Jeden Tag, an dem wir auf diese Förderung warten müssen, fallen wir weiter zurück«, so Raimondo. »Wenn wir dieses Problem aber schnell angehen, können wir gute Jobs schaffen, die US-Herstellerindustrie wieder aufbauen und die Versorgungsketten direkt vor unserer Haustür auf Jahre hinaus stärken.«

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Semiconductor Industry Association, SIA
Bild 1: Die Auslastung der Halbleiterproduktion liegt seit Beginn der Halbleiterknappheit weit über dem üblichen Niveau.
© Semiconductor Industry Association

Seit Beginn der Chipkrise im Jahr 2020 haben die Halbleiterfirmen ihre bestehenden Kapazitäten deutlich stärker ausgelastet. Insbesondere vom zweiten Quartal 2020 bis zum Jahr 2021 lagen die Werte bei über 90 Prozent Auslastung, was für einen Produktionsprozess, der regelmäßige Wartung erfordert und sehr energieaufwendig ist, unglaublich hoch ist (Bild 1).

Engpässe noch mindestens sechs Monate

Für seinen aktuellen Bericht hat das US-Handelsministerium im September 2021 mehr als 150 Unternehmen im Land, die in irgendeiner Form Halbleiter in ihren Produkten nutzen, zu ihrer jeweiligen Situation befragt. Die Daten, die von den Betrieben an die Behörde zurückgemeldet wurden, zeigen das ganze Ausmaß des Dramas in Bezug auf den zunehmenden globalen Chipmangel.

U.S. Department of Commerce
Bild 2: Nach einer Untersuchung des US-Handelsministerium sind heute nur noch für fünf Tage Halbleiter auf Lager bei den US-Firmen. Im Jahr 2019 waren es noch 40 Tage.
© U.S. Department of Commerce

Während US-Firmen im Jahr 2019 noch Halbleiter für 40 Tage auf Lager hatten, lag dieser Wert im Jahr 2021 bei nur noch fünf Tagen (Bild 2). Gleichzeitig sei die Nachfrage nach Chips seit 2019 um 17 Prozent gestiegen. Die extreme Schieflage in Bezug auf Angebot und Nachfrage soll im Halbleitersegment auch noch mindestens sechs Monate so bleiben. Als Branchen, die am stärksten unter dieser Schieflage leiden, werden der Automobilsektor und die Hersteller von medizinischen Geräten genannt.

Als größten Engpass nannten die Befragten den Bedarf an zusätzlichen Fertigungskapazitäten. Darüber hinaus nannten die Unternehmen fehlende Kapazitäten in den Bereichen Rohmaterialien, Montage, Prüfung und Packaging als weitere wichtige Engpässe.


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