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Transatlantische Handelsbeziehungen

Rückkehr zur Sachlichkeit


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

"Konzentration auf Zusammenarbeit und Ergebnisse erforderlich"

»Lösungsorientierte Kommunikation und Kooperation anstatt der destruktiven Vorgehensweise Trumps«, fordert Karsten Bier, CEO von Recom. »Eine starke transatlantische Kooperation ist daher zwingend notwendig.« Ein praktisches Beispiel sind für ihn hierfür Normen: »Nur wenn wir uns mit den Amerikanern einig sind, welche Normen für alle gelten, werden sie sich global durchsetzen.« Bernhard Erdl, CEO der Puls, erwartet von Joe Biden einen Schulterschluss mit Europa, »um den totalitären Tendenzen in der Welt und vor allem der aufstrebenden Großmacht China entgegenzutreten«. Handelsbeziehungen sollten aus seiner Sicht »von dem Grundgedanken der Zusammenarbeit, jeder macht das, was er am wirtschaftlichsten kann, getragen sein, und nicht von egoistischen Interessen der USA, die langfristig den USA selbst schaden«.

»Wir erwarten einen hohen Fokus des neuen US-Präsidenten auf die Innenpolitik«, so Wolfgang Reichelt, CEO Block Transformatoren-Elektronik. »Nichtsdestotrotz wird die neue US-Administration auch auf internationaler Ebene andere Töne anschlagen und neue Ziele verfolgen.« Ein simples Zurückdrehen der Uhr auf die Zeit vor der Trump-Administration erwartet er dabei nicht: »Dafür gab es in den letzten Jahren zu starke Veränderungen in allen Regionen der Welt. Dennoch gehen wir durchaus von einer Entspannung auf den wesentlichen weltpolitischen Ebenen aus, ohne dass zeitnah ein Abbau aller Handelsbarrieren oder auch die abschließende Lösung der Spannungen mit China zu erwarten ist.«

Wo Unternehmenslenker der deutschen Elektronikbranche vor allem Handlungsbedarf sehen, machen auch die Statements von Herbert Schein, CEO Varta, und Stefan Brandl, Vorsitzender der Geschäftsführung der ebm-papst-Gruppe, deutlich. »Es ist klar, dass die Ära des knallharten America First der Vergangenheit angehören muss«, so Schein. »Es ist Zeit, dass wir zu guten, vertrauensvollen transatlantischen Beziehungen zurückkehren.« – »Es besteht die Hoffnung auf eine Beendigung des Handelskrieges zwischen China und den USA, was gut für die globale Konjunktur und damit auch für die Exportnation Deutschland wäre«, so Brandl. »Unsere Strategie Local-for-Local, die neben den USA auch für Europa und Asien gilt, werden wir aber unabhängig vom Regierungswechsel weiterführen.«

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Haeusgen, VDMA
Karl Haeusgen, VDMA: »Nur die EU und die USA gemeinsam können Themen wie eine WTO-Reform und ein Level Playing Field mit China gestalten.«
© VDMA/Teichmann

»Faire Zölle und mehr Handelsgleichgewicht sind Themen von nationaler Bedeutung«, so Dr. Gerald Paul, CEO und President von Vishay. »Gegenüber China erwarte ich zwar keine vollständige Änderung der US-Skepsis, wohl aber eine Versachlichung der Diskussion und praktische Kompromisse.« Dr. Paul gibt aber auch offen zu, dass Vishay wie viele andere US-Unternehmen von Trumps Steuerreform profitiert hat. Vor diesem Hintergrund hofft er, »dass die Biden-Administration die Steuerkeule nicht im Übermaß verwenden wird«.

»Ich hoffe, dass der Verhandlungsstil von Präsident Biden sich auf Zusammenarbeit und Ergebnisse konzentriert«, pflichtet Jason Carlson, CEO von congatec bei, »von denen alle Beteiligten profitieren. Infolgedessen würde ich erwarten, dass sich die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland in den kommenden Jahren stärken werden.«

»Bidens Team hat bereits bewiesen, dass es eine neue Welle des Optimismus auf die Märkte bringt«, freut sich Oliver Winzenried, Gründer und Vorstand von Wibu-Systems. »Ein neues Handelsabkommen zwischen den USA und der EU, das die Nachteile des früheren, nie ratifizierten TTIP umgeht und für beide Partner echte Vorteile bringen wird, wäre sehr wünschenswert!« – »Die US-Regierung hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verschiedene Stellschrauben für sehr weitreichende Eingriffe in weltweite Lieferketten und Finanzströme geschaffen«, gibt Klaus-Dieter Walter, Geschäftsführer von SSV Software Systems, zu bedenken. »Meines Erachtens sollte US-Präsdient Joe Biden diese Stellschrauben insgesamt überprüfen, sie passen nicht mehr zu den eigentlich doch freundschaftlichen Beziehungen zwischen der EU und den USA und gefährden den weiteren Ausbau der deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen.«

Jochen Frey, Geschäftsführer der Adkom Elektronik, weist auf das im November 2020 unterzeichnete Freihandelsabkommen RCEP hin, mit dem sich Asien nach seiner Ansicht einen entscheidenden Vorsprung im freien Handel und dem freien Warenverkehr verschafft hat. »An die Stelle der Handelsstreitigkeiten zu Asien sollten daher sorgfältig ausgehandelte Abkommen treten, die einen für alle Beteiligten vorteilhaften Handel in beide Richtungen ermöglichen.« Nur durch geschlossenes Auftreten und ein zielgerichtetes Verfolgen gemeinsamer Interessen, so seine Überzeugung, »können wir ernstzunehmenden negativen Auswirkungen auf die westliche Wirtschaft aus dem Wege gehen». Die ausführlichen Statements der verschiedenen befragten Unternehmen finden Sie auf elektroniknet.com.


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