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Transatlantische Handelsbeziehungen

Rückkehr zur Sachlichkeit

05. Februar 2021, 10:05 Uhr   |  Engelbert Hopf

Rückkehr zur Sachlichkeit
© Infineon

Dr. Reinard Ploss, Infineon Technologies: »Die neue US-Regierung mit Präsident Biden eröffnet neue Chancen für eine Verbesserung der transatlantischen Kooperation; dazu ist es allerdings notwendig, dass Europa mit einer starken europäischen Stimme in Washington spricht.«

Rückbesinnung auf gemeinsame Ziele und die Suche nach Verhandlungslösungen, die für alle Beteiligten Vorteile in Form einer prosperierenden wirtschaftlichen Entwicklung mit sich bringen...

Das sind im Wesentlichen die Hoffnungen und Erwartungen, die Verantwortliche in der deutschen Elektronikbranche nach einer aktuellen Umfrage der Markt&Technik an den neuen US-Präsidenten Joe Biden und seine Administration richten.

Rückbesinnung auf gemeinsame Ziele und die Suche nach Verhandlungslösungen, die für alle Beteiligten Vorteile in Form einer prosperierenden wirtschaftlichen Entwicklung mit sich bringen: Das sind im Wesentlichen die Hoffnungen und Erwartungen, die Verantwortliche in der deutschen Elektronikbranche nach einer aktuellen Umfrage der Markt&Technik an den neuen US-Präsidenten Joe Biden und seine Administration richten.

»Die neue US-Regierung mit Präsident Biden eröffnet neue Chancen für eine Verbesserung der transatlantischen Kooperation», findet Dr. Reinhard Ploss, CEO Infineon Technologies. »Dazu ist es allerdings notwendig, dass Europa mit einer starken europäischen Stimme in Washington spricht.« Gemeinsames Ziel muss für ihn ein fairer, internationaler Wettbewerb auf Augenhöhe sein. In diesem Zusammenhang geht Dr. Ploss nicht davon aus, »dass sich die Handels- und Sicherheitspolitik der USA gegenüber China mit der neuen Präsidentschaft grundlegend ändert«.

Aus Sicht von Dr. Gunther Kegel, ZVEI-Präsident, »bestehen gute Chancen, mit den USA nach schwierigen Jahren erneut in einen partnerschaftlichen Dialog einzutreten; der Wiedereintritt zum Pariser Klimaschutzabkommen ist ermutigend und zeigt, dass sich die USA weltpolitisch wieder stärker einbringen wollen«. Dr. Kegel geht davon aus, »dass die USA unter Präsident Biden und seinem Außenminister Antony Blinken vermutlich die transatlantischen Beziehungen stärken und sich zumindest etwas auch dem multilateralen Weltwirtschaftssystem zuwenden wollen«.

»Der multilaterale Ansatz in der Handelspolitik könnte reüssieren«, vermutet auch Karl Haeusgen, VDMA-Präsident. Er warnt aber auch vor purer Euphorie und sprichwörtlicher Blauäugigkeit mit Blick auf Präsident Joe Biden: »Der neue US-Präsident hat eine Verschärfung der Buy-America-Gesetze in die Diskussion gebracht, und die Bedeutung des Binnenmarktes ist für die US-Politik eher gestiegen denn geringer geworden. Der VDMA lehnt verschärfte Buy-America-Gesetze ab; vielmehr sollten die USA für transparente, offene und vorhersehbare öffentliche Vergabeverfahren sorgen.«

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© ZVEI

Dr. Gunther Kegel, ZVEI: »Es bestehen gute Chancen, mit den USA nach schwierigen Jahren erneut in einen partnerschaftlichen Dialog einzutreten; die Gefahr, dass eine globale Welt in mehrere Teile zerfällt, bleibt jedoch real.«

Auch Professor Dr. Galina Kolev, Senior Economist des Instituts der deutschen Wirtschaft, ist sich sicher, »dass die neue US-Administration zwar den Ton der US-Handelspolitik ändern wird, nicht jedoch deren Ausrichtung«. Der Kurs dürfte nach ihrer Einschätzung weiterhin protektionistisch bleiben, die Buy-American-Regeln dürften sogar noch verschärft werden. Im Mittelpunkt aller handelspolitischen Entscheidungen, so ihre Prognose, »dürfte der geregelte Umgang mit China stehen. Der neue US-Präsident beabsichtigt dabei jedoch keinen Alleingang, sondern will stattdessen die Verbündeten miteinbeziehen und gemeinsam mit ihnen Lösungen für die bestehenden Probleme suchen«.

»Handelshemmnisse und protektionistische Maßnahmen auf beiden Seiten des Atlantiks müssen zügig abgebaut werden«, fordert in diesem Zusammenhang Jörg Mayer, Geschäftsführer des deutschen Industrieverbands für Optik, Photonik, Analysen- und Medizintechnik, Spectaris. »Zudem ist der unternehmensinterne Aufwand, um den rechtlichen Anforderungen der beiden wichtigen Märkte USA und China gerecht zu werden, seit 2018 enorm gestiegen und beeinträchtigt auch den Warenverkehr europäischer Unternehmen.« Der fragwürdige Trend zu technologischer Abschottung, so Mayer, habe gerade im Konflikt zwischen den USA und China zu immer mehr exportkontrollrechtlichen Beschränkungen geführt.

Joachim Zichlarz, Vorstandsvorsitzender der TDK Electronics, erwartet, »dass die USA und die EU ihre in den letzten Jahren entstandenen Handelsstreitigkeiten und Missstimmungen zügig beilegen und zu verlässlichen wirtschaftspolitischen Beziehungen zurückkehren«. Mehr Verbindlichkeit und Berechenbarkeit untereinander und eine deutlich engere Partnerschaft zwischen den USA und der EU wären in seinen Augen »ein geeignetes Umfeld, um letztlich das multilaterale Handelssystem zu stärken«. »Die Herausforderungen in der Welt sind groß, und es herrscht viel Verunsicherung«, so Alexander Gerfer, CEO Würth Elektronik eiSos. »Ein Teil der Lösung liegt wohl in der Besonnenheit und dem friedlichen Dialog. Wir hoffen, dass die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA wieder aufblühen, geprägt von Vertrauen, Berechenbarkeit und Freundschaft beider Nationen.«

»Wir erwarten von der neuen US-amerikanischen Administration sicher deutlich mehr Berechenbarkeit, Verlässlichkeit und Rückkehr zu konstruktiven Verhandlungen«, versichert Gustav Erl, General Manager TDK-Lambda Germany. »Wir sollten allerdings davon ausgehen, dass die USA ihre Interessen sehr stark vertreten werden, das jedoch wieder in einem gewohnt diplomatischen Ton.« Erls Hoffnung, dass Verhandlungen in Zukunft wieder mehr faktenbasiert sind, dürften alle in der deutschen Wirtschaft Verantwortlichen teilen. Auf eine Wiederaufnahme der konstruktiven Zusammenarbeit mit der neuen US-Regierung und dem Kongress setzt man auch bei Bosch: »Wir hoffen, gemeinsam mit unseren Gesprächspartnern in den USA der aktuell herausfordernden globalen Wirtschaftssituation begegnen und eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft verfolgen zu können.«

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INFINEON Technologies AG Neubiberg, ZVEI Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V., VDMA Verband Deutscher Maschinen- u. Anlagenbau e.V., Institut der deutschen Wirtschaft Köln, SPECTARIS e.V., TDK Electronics Europe GmbH, Würth Elektronik eiSos GmbH & Co. KG, TDK-LAMBDA Germany GmbH, Robert Bosch, RECOM Power GmbH, BLOCK Transformatoren- Elektronik GmbH, ADKOM Elektronik GmbH, SSV Software Systems GmbH, congatec AG, VARTA Microbattery GmbH, ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KG, Vishay Electronic GmbH, WIBU-SYSTEMS AG