2026 könnte Marktaufschwung kommen

Passive Bauelemente: Die Stimmung ist besser geworden

2. Februar 2026, 15:00 Uhr | Engelbert Hopf
Branchenbarometer: Besser, aber noch kein Aufschwung. Sieht man sich die Erwartungshaltung auf dem deutschsprachigen Markt der passiven Bauelemente über das letzte halbe Jahr an, kann man feststellen: Ja, es hat sich etwas aufgehellt, die Stimmung ist besser geworden! Lag der Branchenindex für das 2. Halbjahr 2025 in der Marktbefragung vor gut vier Monaten noch im Negativbereich (-0,22) wurde die Stimmung am Markt nun in Nachhinein höher bewertet: 0,57. Für das erste Halbjahr 2026 verdoppelt sich der Index-Wert gegenüber der letzten Befragung von 0,67 auf einen Wert von 1,18. Überraschenderweise fällt der Anstieg für das zweite Halbjahr gegenüber der letzten Marktbefragung am niedrigsten aus, hier steigt der Index-Wert nur von 1,44 auf 1,71. Ob und wie schnell sich die Branche wieder an die Boom-Werte aus den 2010er-Jahren oder auch Zeit von Anfang 2021 bis zur ersten Jahreshälfte 2022 annähern kann, wird die Zukunft zeigen.
© Componeers GmbH

Externe Einflüsse haben nicht nur im Geschäft mit passiven Bauelementen derart überhandgenommen, dass Prognosen sehr schwierig sind. Fazit: Eigentlich kann es 2026 nur besser werden!

Diesen Artikel anhören

Für gewöhnlich lösen sich ja die zu Jahresbeginn gefassten guten Vorsätze schon nach Kurzem in Wohlgefallen auf. Ähnlich verhielt es sich in den letzten Jahren auch mit den wirtschaftlichen Erwartungen, und das gilt auch für die Branche der passiven Bauelemente. Betrachtet man die Prognosen der bekannten Prognoseinstitute, bewegen sich die Vorhersagen für Deutschland 2026 zwischen 0,8 Prozent (ifo Institut) und 1,5 Prozent (KfW). Gegenüber dem Wirtschaftswachstum von 0,1 Prozent im Vorjahr wäre das ja schon ein »gewaltiger« Sprung. Nun verhält es sich aber so, dass die Elektronikbranche seit jeher ein deutlich höheres Wachstum anstrebt, als das für die Gesamtwirtschaft gilt – also wohl mindestens ein hohes einstelliges Wachstumsziel.

Bevor man sich den Perspektiven des neuen Jahres zuwendet, sollte man vielleicht noch einen Blick auf das abgelaufene Jahr 2025 werfen. In Summe, so das Fazit dieser aktuellen Marktbefragung, lag das Wachstum im Vorjahr im Rahmen des Erwarteten: Es gab Zuwächse, aber von einem Aufschwung, wie er noch in den ersten Monaten des Jahres 2025 etwa für die zweite Jahreshälfte und den Herbst erwartet wurde, konnte nicht die Rede sein. Man könnte also von so etwas wie einer technischen Erholung sprechen. Angesichts abgeschmolzener Lager müssen die Kunden nachbestellen, aber eben nur das, was sie auf Sicht benötigen.

Wie die Befragten auf 2026 blicken, hängt auch stark davon ab, welche Marktsegmente sie vorrangig bedienen. Josef Vissing, President und Head of Sales Europe bei TDK Europe, bewertet die Aussichten für 2026 eher verhalten: »Auch wenn in Europa das Bruttosozialprodukt leicht ansteigen dürfte, bleibt das Automotivegeschäft eher flach. Im Bereich der Industrie, und dazu zählen wir auch KI, rechnen wir damit, dass sich das Geschäft auch weiterhin leicht positiv entwickelt«.

Wie unterschiedlich die Entwicklungen in den einzelnen Weltregionen ablaufen, beschreibt das Statement von Rüdiger Scheel, Vice President Mobility und Branch Manager bei Murata: »Global betrachtet, erwarten wir ein starkes Wachstum für spezielle Komponenten für KI-Server. In den beiden anderen für Murata relevanten Bereichen Mobilfunk und Automotive sehen wir 2026 eher verhalten. Und in Europa erwarten wir keine signifikante Verbesserung im Jahr 2026.« Sein Kollege Harald Sauer, Director bei Taiyo Yuden Europe, beurteilt 2026 aus heutiger Sicht schlicht »als weiter geradeaus laufend«.

Ferdinand Leicher, Vice President Sales EMEA bei Bourns, geht davon aus, »dass wir nach dem leichten Wachstum 2025 auch für 2026 mit einem ähnlich leichten Wachstum rechnen können«. Er weist aber auch darauf hin, dass Bourns, so wie alle anderen Hersteller passiver Bauelemente, seine Produktionskapazitäten nach der Corona-Pandemie deutlich reduziert hat. »Das heißt: Die Lieferzeiten sind volatil, und selbst niedrige kurzfristige Nachfragesteigerungen werden damit sofort zu massiv längeren Lieferzeiten führen.«

Mit moderaten Zuwächsen, auch 2026 angeführt vom Markt für KI-Infrastruktur, rechnet Thomas Heel, Director, Head of Sales Global Distribution bei der Yageo Gruppe. Er weist aber auch darauf hin, »dass die Nachfrage im KI-Bereich im ersten Halbjahr sehr stark ausfallen wird, sich im zweiten Halbjahr aber dann aufgrund von Änderungen in der Systemarchitektur eine Verlangsamung abzeichnen könnte, da sich die Zusammensetzung der eingesetzten passiven Komponenten ändert«.

Olaf Lüthje, Senior Vice President Marketing Operations bei Vishay, erwartet, »für 2026 in Europa ein gesundes Wachstum in den meisten Industriesegmenten«. Maximilian Jakob, Division Director, PIEU, Device Solution Business Division, Device Solution Business Division HQ bei Panasonic geht 2026 stark von einem einstelligen Wachstum gegenüber dem Vorjahr aus: »Hintergrund dafür sind aber nicht steigende Märkte, sondern inzwischen wieder auf normalem Niveau angekommene Lager bei den Kunden, was nun zu erhöhten Bestellungen gegenüber 2025 führt.«

Ein Sonderfall ist sicherlich der chinesische Kondensatorhersteller CCTC, der den europäischen Markt im Wesentlichen erst seit der electronica 2024 als Zielmarkt adressiert. Entsprechend klar klingt deshalb auch die Einschätzung von Andreas Franz, Business Development Manager bei CCTC Europe: »Für uns als Newcomer gibt es nur eine Richtung: Wachstum!«

Ein anderer Sonderfall ist der ebenfalls chinesische Hersteller Jianghai Europe Electronic Components – anders lässt sich ein Wachstum von rund 30 Prozent im Vorjahr wohl nicht beschreiben. »Dieses Wachstum war jedoch weniger in einer positiven Entwicklung der europäischen Industrie begründet«, erläutert Dr. Arne Albertsen, Senior Sales Manager bei Jianghai, »als vielmehr in Verschiebungen von Aufträgen zu unseren Gunsten, weil viele Marktbegleiter ihren Fokus weg von Europa hin auf den asiatischen Markt gerichtet haben«. Angesichts eines seit 14 Monaten durchgehend positiven Trends beim Book-to-Bill-Verhältnis erwartet Dr. Albertsen für 2026 aus den oben genannten Gründen weiterhin ein starkes Wachstum.

Dr. Lutz Baumann, Geschäftsführer der SRT Resistor Technology, erklärt: »Den leichten Aufschwung in der zweiten Jahreshälfte 2025 hatten wir eigentlich deutlich stärker erwartet.« Für 2026 ist seine Einschätzung deshalb eindeutig: »Es kann eigentlich nur aufwärts gehen – eigentlich!« Guido Renner, Director Strategic Business Segment Components & Sensors bei der Isabellenhütte, sagt: «Nach zwei bis drei Jahren mit keinem oder nur sehr moderatem Wachstum erwarten wir 2026 eine leichte Erholung mit einstelligem Wachstum.«

Und wie sieht man die Chancen für 2026 in der Distribution? Annette Landschoof, Product Manager passive elektromechanische Bauteile, Komponenten und Geräte bei Schukat electronic, bewertet den aktuellen Jahresstart positiver als 2025: »Der Markt hat sich scheinbar stabilisiert.« Da die Lager der meisten Kunden nun weitgehend abgebaut seien, käme vermehrt Bedarf rein. »Bislang öffnen uns die Kunden jedoch nur kleinere und kurze Planungshorizonte.« Wie Leicher von Bourns warnt aber auch sie davor, »dass das Hochfahren der Produktion länger dauern dürfte, als von vielen erwartet wird.« Und das dürfte dann wieder zu Lieferschwierigkeiten führen.

»Gefühlt ist aus der Sicht der Distribution der Tiefpunkt inzwischen durchschritten«, meint Joachim Pfülb, Vice President Sales Components bei der Beck Elektronik Bauelemente. »Es entstehen wieder mehr Aufträge und Lieferungen, das aber noch auf einem niedrigen Niveau.« Eigentlich sei die Lage derzeit stabil, und man registriere einen leichten Aufschwung, beschreibt Stefan Sutalo, Vice President Product Marketing Passive Components bei Rutronik. »Aber in den letzten Jahren haben die externen Einflüsse so überhandgenommen, dass jede Vorhersage morgen anders lauten könnte.«

Am meisten Sorgen macht Herstellern und Distributoren auf dem deutschen Markt weiterhin die ungewisse weitere Entwicklung im Automobil- und Automotive-Bereich. Dabei sieht man noch gar nicht so sehr negative Effekte durch das erfolgreiche Lobbying der Merz-Regierung für die Aufweichung des Verbrenner-Aus in Brüssel, sondern sorgt sich vielmehr um die allgemein gesunkenen Verkaufszahlen vor allem für Personenkraftwagen. Da hatte die Nexperia-Krise natürlich gerade noch gefehlt. »Die Automobil-OEMs standen deshalb massiv unter Druck«, beschreibt Scheel, Murata. »Bislang ist die Branche noch mit einem blauen Auge davongekommen.«

Eine interessante Theorie stellt in diesem Zusammenhang Sauer, Taiyo Yuden, auf: »In Halbleiterkrisen werden die Passiven zunächst weiter bezogen, um produktionsfähig zu bleiben. Der Abbau von Überbestand erfolgt dann erst nach der Krise, quasi zeitversetzt«. Dieser Theorie folgend, würde sich der Fall Nexperia erst ab dem 2. Quartal 2026 negativ in den Auftragsbüchern der Spezialisten für passive Bauelemente niederschlagen.

»Diese spezielle Situation hat das sowieso eher schwache europäische Automotive-Geschäft bislang nicht zusätzlich negativ beeinflusst«, sagt auch Lüthje, Vishay. Eine Einschätzung, die Heel, Yageo Gruppe, teilt: »Wir sehen bislang keine negativen Auswirkungen auf unser Geschäft und erwarten auch keine signifikanten auf unser Geschäft mit passiven Bauelementen. Kurzfristig geht Renner, Isabellenhütte, davon aus, »dass die Lage angespannt bleibt und Produktionsstopps nicht ausgeschlossen werden können«. Er erwartet erst mittelfristig eine Entspannung, wenn die Kunden belastbare alternative Lieferketten aufgebaut haben.

Bei Panasonic rechnet Jabob » aufgrund der mangelnden Versorgung mit den entsprechenden Chips mit weiteren Forecast- und Umsatzreduzierungen im einstelligen Prozentbereich.« Die Auswirkungen der Nexperia-Krise sind für Vissing, TDK, »offensichtlich und wirken sich negativ auf die Produktion aus. Glücklicherweise scheint sich die Situation nun zu verbessern. Viele unserer Kunden versuchen, die reduzierten Schichten in den kommenden Wochen wieder aufzuholen«.

Der Fall Nexperia hat nach Beobachtung von Pfülb, Beck Elektronik, bei den betroffenen Kunden dazu geführt, »dass Heerscharen von Einkäufern in Taskforces zur Materialbeschaffung eingesetzt wurden«. »Entscheidend bei solch einem Vorfall ist, wie sich die Warenversorgung und beispielsweise die alternativen Freigaben entwickeln«, meint Sutalo, Rutronik. »Aus der MLCC-Verknappung wissen wir, dass in solch einem Fall irgendwann der Punkt kommt, an dem die ganze Lieferkette stockt«.

Ob 2026 besser sein wird als 2025, wird sich unter anderem daran entscheiden, wie viele der noch in den Pipelines befindlichen Projekte in diesem Jahr endlich zur Umsetzung kommen werden. Doch da gibt es zwei Probleme: Zum einen dürften viele geplante Projekte, besonders im Fall von Standardkomponenten, potenziell von vielen Anbietern am Markt bedient werden können. Projekte in der Pipeline könnten damit einen ähnlichen Effekt bewirken wie Doppel- und Dreifach-Buchungen zum Beispiel während einer Allokation.

Doch nicht nur die Anbieter passiver Bauelemente konkurrieren weltweit um ausgelobte Projekte. Heel, Yageo Gruppe, macht deutlich, »dass viele unserer Kunden in dieser Branche untereinander um dieselbe Endanwendung konkurrieren. In neuen Branchen wie KI, Robotik oder Drohnen gibt es oft sehr viele Designaktivitäten. Aber letztlich erhält eben nur einer oder nur wenige unserer Kunden dann den Zuschlag.« Fazit: Selbst volle Projekt-Pipelines garantieren letztlich nicht, dass sich am Ende auch wirklich alles in umsatzsteigernde Aufträge verwandelt, was dazu eingeplant wurde.


Lesen Sie mehr zum Thema


Jetzt kostenfreie Newsletter bestellen!