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ReRAMs: Aufwind von allen Seiten

2. März 2026, 14:30 Uhr | Heinz Arnold
Coby Hanoch, CEO von Weebit: »Weebit ist derzeit der einzige unabhängige Anbieter von ReRAMs auf der Welt und hat gezeigt, dass die Technik funktioniert. Außerdem arbeitet bei uns ein großes Team an erfahrenen Experten aus unterschiedlichen Disziplinen, die den Kunden zu funktionierenden Produkten verhelfen können.«
© Weebit

Coby Hanoch, CEO von ReRAM-Spezialist Weebit, war zur richtigen Zeit am richtigen Ort: Auf der CES traf er Unternehmen aus verschiedenen Branchen, die eines dringend brauchen: die ReRAMs von Weebit. »Jetzt kommen wir der Massenproduktion schnell näher«, sagte Hanoch im Interview mit Markt&Technik.

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Markt&Technik: Herr Hanoch, warum ist die CES in Las Vegas in diesem Jahr für Weebit Nano als Hersteller von nichtflüchtigen Speichern auf Basis der ReRAM-Technologie so interessant?

Coby Hanoch: ReRAMs sind nichtflüchtige Speicher, die sich – anders als Flash-Speicher – sehr gut in analoge Bauelemente, MCUs und SoCs integrieren lassen. Deshalb gibt es sehr viele Unternehmen aus sehr unterschiedlichen Branchen – von Automotive über die Industrie bis zu vielen Consumer-Sparten –, die jetzt sehr interessiert an dieser Technologie sind. Denn sie hilft ihnen, die Leistungsfähigkeit ihrer ICs zu steigern und gleichzeitig Geld zu sparen. Eines der ganz großen Themen auf der CES ist KI, insbesondere Edge-KI. Auch dafür können wir sehr gute Lösungen anbieten. Auf der CES sind wir jedenfalls sehr beschäftigt, ein Meeting jagt das nächste, das Interesse an unseren ReRAMs ist von allen Seiten sehr groß.

Erst kürzlich hat TI die ReRAMs von Weebit Nano lizenziert. Hilft das, andere Hersteller von ICs zu überzeugen, ebenfalls auf die ReRAMs von Weebit zu setzen?

Wenn ein IDM und Broadliner wie TI unsere Technologie lizenziert, sagt das schon einiges aus. Denn für einen IDM ist es keine leichte Entscheidung, auf die recht neue ReRAM-Technologie zu setzen, die von einer relativ kleinen Start-up-Firma angeboten wird. Denn das bedeutet zunächst einmal sehr hohe Kosten. Da spreche ich gar nicht in erster Linie von den Lizenzgebühren. Es geht um viel mehr: Der IDM muss ein Team zusammenstellen, das über lange Zeit daran arbeitet, unseren IP in ihre Prozesse zu integrieren und Produkte zu designen. Dass unsere ReRAMs erst in den Backend-Prozess aufgebaut werden, also auf der Ebene der Metallisierung, hilft dabei. Denn wir benötigen keine exotischen Materialien, keine speziellen Maschinen und lediglich zwei zusätzliche Masken sowie wenige zusätzliche Prozessschritte. An den grundlegenden Prozessabläufen muss also nichts geändert werden, was die Integration unserer Technik günstig macht. Dennoch ist der Aufwand, um die Prozesse in die Fabs der IDMs zu bringen, sehr hoch. Entsprechend schätzt ein IDM das Risko ein, und deshalb hat TI uns auf Herz und Nieren geprüft, bevor die Entscheidung fiel.

Neben diesen Kosten und den Lizenzgebühren schlagen ja auch die Royalties zu Buche, die ab Produktionsstart zu bezahlen sind, was ein IDM sicherlich nicht gerade gern tut. Vor Micron hatte sich mit OnSemi schon ein IC-Hersteller sich zu diesem Schritt entschlossen. Was hat diese Firmen überzeugt?

Zunächst einmal sind die Royalties für uns die wichtigste Einnahmequelle, davon lebt unser Geschäftsmodell, erst darüber können wir Margen generieren. Dafür lösen wir aber die Probleme, die den Unternehmen auf den Nägeln brennen. Und deshalb lohnt es sich für sie, die Royalties zu bezahlen. Denn embedded Flash kommt meist von vornherein nicht in Frage, und sämtliche Alternativen zu embedded Flash – von MRAMs über FeRAMS bis PCM – weisen ihre jeweiligen Schwächen auf und eignen sich kaum für den Einsatz außerhalb bestimmter Nischen

Welche konkreten Probleme brennen Ihnen auf den Nägeln?

OnSemi ist beispielsweise im Power-Management sehr stark. Intelligentes Powermanagement benötigt allerdings MCUs, um zum Beispiel den Spannungsverlauf über die Zeit genau steuern zu können. Dazu müssen Parameter in einem nichtflüchtigen Speicher abgelegt werden. Allerdings wäre es sehr schwierig, aufwendig und teuer und oft sogar unmöglich, Flash-Speicher auf einem analogen IC zu integrieren. Denn er muss auf dem Substrat ganz in der Nähe der analogen Schaltungen aufgebaut werden, also während der Front-End-Prozesse. Weil sich beide Technologien nicht gut miteinander vertragen, müssen die Design-Rules im Analogteil geändert werden. Wegen der daraus resultierenden Einschränkungen kann das Analogdesign nicht optimal ausgeführt werden. Deshalb bauen die Hersteller von Power-Management-Systemen sie auf Basis zweier separater Chips auf: einem analogen IC und einer MCU mit eingebettetem Flash-Speicher. Aber zwei ICs einsetzen zu müssen, kommt immer teurer als ein monolithisch aufgebautes IC.

Warum ist ReRAM der Ausweg?

Für ReRAMs ist die monolithische Integration deshalb kein Problem, weil sie erst auf der Verdrahtungsebene formiert werden, weit weg vom Analogteil. Auf diese Weise lassen sich die Probleme mit Flash elegant umgehen, und OnSemi kann smarte Power-Management-ICs mit eingebetteten nichtflüchtigen Speichern fertigen – auf einem einzigen Chip, statt auf bisher zwei. Zudem steigt die Leistungsfähigkeit der monolithischen Chips gegenüber zwei separaten Chips deutlich, denn der Analogteil kann optimal ausgelegt werden, er kommt sich nicht mit dem nichtflüchten Speicher ins Gehege.

Dann wird TI die ReRAMs ebenfalls für ihre analogen ICs nutzen?

Wenn sich ein Broadliner wie TI dafür entscheidet, eine solche Lizenz zu nehmen, dann möchte er sie in vielen verschiedene Produktkategorien und Prozess-Nodes einsetzen. Da trifft es sich gut, dass unsere ReRAM-Technologie sehr flexibel ist. Unsere ReRAMs eignen sich nicht nur für die Integration auf ICs, die mithilfe ausgereifter Prozesse gefertigt werden, sondern auch für die Fertigung von Chips mithilfe der fortschrittlichsten Prozesse mit den kleinsten Strukturen. Zudem sind wir Automotive-qualifiziert (AEC Q100), finden also auch in diesem wichtigen Markt Anwendung und die ICs können in weiteren kritischen Umgebungen mit hohen Anforderungen eingesetzt werden. So haben wir gemeinsam mit der University of Florida und dem CEA-Leti gezeigt, dass unsere ReRAMs sogar intensiver Gammastrahlung standhalten.

In welchen Produkten werden die ReRAMs zuerst Anwendung finden?

Zunächst werden die analogen ICs unsere Umsatztreiber sein, dann kommen die MCUs und schließlich ASICs, SoCs und andere. Was für uns sehr wichtig ist: Nachdem wir Lizenzverträge mit den Foundries DB HiTek und SkyWater sowie mit OnSemi und jetzt mit TI abgeschlossen haben, können wir zeigen, dass unsere Technik funktioniert. Nun wird sie von großen IC-Herstellern bereits als sehr gut bewertet.

Jetzt steht die Tür zur Fertigung in großen Stückzahlen offen?

Ja, nun dürften in schneller Folge weitere Kunden Lizenzverträge abschließen. Die Einführung einer neuen Technik läuft immer nach dem gleichen Schema ab: Zunächst wollen alle potenziellen Kunden abwarten und schauen, wie die neue Technik bei anderen funktioniert. Keiner will das Risiko tragen, der Erste zu sein. Haben sich aber die Ersten dazu durchgerungen, will plötzlich keiner mehr der Letzte sein. Wir sind jedenfalls schon seit zwei Jahren mit vielen IDMs in Gesprächen und wie gesagt, auch hier auf der CES in Las Vegas führen wir gerade sehr viele Gespräche mit potenziellen Kunden, die starkes Interesse zeigen.

Macht sich das bereits am Umsatz bemerkbar?

Der Markt ist insgesamt noch sehr klein. Aber eine eindeutige Tendenz können wir erkennen: Hatte unser Umsatz im Geschäftsjahr 2024, das am 30. Juni endet, noch bei 1 Mio. Australischer Dollar gelegen, so stieg er 2025 auf 4,4 Mio. Dollar, und wir rechnen mit 10 Mio. Dollar in diesem Jahr. Der Markt für alternative nichtflüchtige Speicher – im wesentlichen MRAMs, PCMs und ReRAMs – wird laut den Analysten der Yole Group bis 2030 geradezu explodieren und mit durchschnittlich 88 Prozent pro Jahr wachsen, allerdings von einem sehr niedrigen Niveau von 142 Mio. Dollar aus. Dabei werden die ReRAMs bis 2030 mit Abstand den größten Teil vom Umsatz auf sich vereinen.

Wie setzt sich der Kundenkreis von Weebit zusammen?

Wir unterscheiden zwischen Manufacturing Companies und Product Companies. Zu den Manufacturing Companies zählen die Foundries und die IDMs. Nachdem sie einen Lizenzvertrag geschlossen haben, unterscheidet sich ihre Vorgehensweise etwas. Foundries warten, bis der Qualifizierungsprozess abgeschlossen ist, erst dann kommen Produkte. Dagegen starten die IDMs die Produktentwicklung viel früher, es dauert also weniger lange, bis wir Royalties bekommen, was uns selbstverständlich freut.

Wie lange wird es denn dauern, bis der Vertrag mit TI erste Royalties abwirft?

Unseren Prozess für die Fabs von TI anzupassen, dauert ungefähr neun bis zwölf Monate. Parallel dazu designen wir einen ersten Prototyp im Umfeld einer ihrer Fabs. Sobald das erste Silizium aus der Fab kommt, wird getestet. Und sobald der Testchip funktioniert, starten wir den Qualifizierungsprozess. Insgesamt dauert das zwei bis zweieinhalb Jahre.

Wie verhält es sich mit den Product Companies?

Sie designen Chips und lassen sie dann in Foundries fertigen. Oft wollen sie ihre Foundries überzeugen, unsere ReRAMs auf ihren Chips zu integrieren. Wie gesagt, scheuen sich einige vor der Entscheidung, weil sie ein hohes Risko sehen. Aber die Kunden üben durchaus Druck aus.

Beobachten sie, dass sich Foundries auf Druck ihrer Kunden in Richtung ReRAMs bewegen?

Ja, da gibt es ein gutes Beispiel: Bis 2024 hat TSMC nur MRAMs als Alternative zu Flash angeboten. Aber ab Mitte 2024 hat TSMC dann den Fokus auf ReRAMs verlagert. Anscheinend sehen viele Kunden aus dem Consumer-Bereich einen großen Nachteil der MRAMs darin, dass äußere Magnetfelder Störungen verursachen können, die nicht hinnehmbar sind.

Allerdings hat TSMC seine eigene ReRAM-Technologie entwickelt?

Das stimmt, TSMC kann den Foundry-Kunden einen eigenen ReRAM-Prozess anbieten. Sie sehen das eher als einen Enabler an. In der Praxis sieht es meist so aus, dass jeder Kunde spezifische Anpassungen benötig. Das ist für TSMC aufwendig und entspricht eigentlich nicht dem Geschäftsmodell. TSMC will Wafer verkaufen und keine ReRAMs. Wenn ein Kunde zu TSMC kommt und gern ReRAMS von Weebit in seine ICs integrieren will, dann ist für TSMC eigentlich nur interessant, wie viele Wafer er pro Jahr abnimmt. Stimmt die Zahl für TSMC, wird die Foundry das machen. Wir betrachten TSMC also nicht als Wettbewerber, sondern eher als potenziellen Kunden.

Es gibt doch noch einige andere Start-up-Firmen, die sich auf die Entwicklung von ReRAMs gestürzt haben?

Es gibt erhebliche Markteintrittsbarrieren. Die Entwicklung einer ReRAM-Technologie, die sowohl technisch als auch kommerziell rentabel ist, erfordert fundiertes Fachwissen und in der Regel ein Jahrzehnt kontinuierlicher multidisziplinärer Entwicklungsarbeit. Die meisten Unternehmen, die versucht haben, ReRAM zu entwickeln, überdenken derzeit ihre Geschäftsmodelle oder wurden übernommen. Weebit ist in diesem Bereich einzigartig.

Immerhin gibt es aber auch große IDMs, die ihre eigenen ReRAMs entwickeln …

… entwickeln wollten, müsste man besser sagen. Denn beispielsweise Samsung, Intel und Micron haben die Entwicklung beziehungsweise Fertigung aufgegeben. Ihnen mangelt es an sich bestimmt nicht an Ressourcen. Es kommt aber darauf an, ein großes Team von Experten aus ganz unterschiedlichen Disziplinen über lange Zeit zusammenzuhalten, denn die Entwicklung ist hochkomplex, ich weiß, wovon ich spreche! Bei großen IDMs scheint das schwierig zu sein, weil sie sich mit vielen Themen herumschlagen müssen und die ReRAM-Entwicklung gemessen an der Gesamtgröße des Unternehmens nur klein ist. Weebit beschäftigt dagegen viele erfahrene Wissenschaftler und Ingenieure. 18 PhDs in Physik und Chemie arbeiten bei Weebit, das entspricht einem Drittel des R&D-Teams. Das funktioniert auch deshalb gut, weil sich viele schon lange kennen. Dazu kommen die Ingenieure mit tiefen Kenntnissen auf dem Gebieten der digitalen Interfaces und des Tests. Vor allem aber: Weebit hat ein fokussiertes Management, das sich mit nichts anderem beschäftigt, als all diese Aktivitäten zu orchestrieren. Was ebenfalls sehr wichtig ist: Weebit beschäftigt Mitarbeiter, die zuvor lange bei IDMs und bei Foundries gearbeitet haben. Sie kennen die Probleme und Wünsche unserer Kunden genau, weil es früher ihre eigenen waren. Deshalb können sie sich sehr gut in die Lage unserer Kunden versetzen und ihre Perspektive einnehmen – viele Kunden sind beeindruckt, wie gut Weebit ihre Probleme versteht.

Weebit ist also allein auf weiter Flur?

Ja, wir sind derzeit die einzigen unabhängige Anbieter von ReRAMs auf der Welt und haben gezeigt, dass die Technik funktioniert. Und bei uns arbeiten die erfahrenen Experten, die den Kunden zu funktionierenden Produkten verhelfen können.

Sie hatten eingangs gesagt, dass sich ReRAMs auch sehr gut für den Einsatz im KI-Umfeld eignen würden. Wo genau können sie dort zum Einsatz kommen?

Wir sind bereits in großen KI-Rechenzentren vertreten, und zwar über die Power-Management-ICs mit embedded ReRAM. Die Betreiber benötigen sie, um ihr größtes Problem anzugehen: die Reduzierung des hohen Energieverbrauchs. Doch mit unseren ReRAMs wollen wir in den Kern der KI vordringen. Um Inferenz an der Edge durchzuführen, sind ICs erforderlich die auf Prozess-Knoten von 2 nm und darunter gefertigt werden. Da kann kein embedded Flash-Speicher integriert werden. Deshalb sind zwei Chips erforderlich: Auf dem ersten befindet sich die AI-Engine plus SRAM, der zweite ist der Flash-Speicher, auf dem die Koeffizienten dauerhaft abgelegt werden. Also müssen beim Start des Systems die Koeffizienten in den SRAM geschaufelt werden, was lange dauert und auch nicht sicher ist: Unbefugte könnten diese Kommunikation nutzen, um Informationen abzugreifen. Wir können mit unserem nichtflüchtigen ReRAM den SRAM ersetzen, der externe Flash fällt damit weg.

Jetzt ist nur noch ein einziger Chip erforderlich, was an sich schon kostengünstiger ist. Zugleich werden lange Boot-Zeiten vermieden, und das System ist abhörsicher. Und es gibt noch einen weiteren Vorteil: Weil die ReRAM-Zellen viermal kleiner sind als SRAM-Zellen, erhöht sich die Speicherdichte, sodass sich die Genauigkeit der Inferenz steigern lässt. Alle diese Vorteile erkennen die potenziellen Kunden jetzt, und deshalb sind wir auch in diesem Bereich in intensiven Gesprächen.

Derzeit wird zudem sehr viel über In-Memory-Compute gesprochen. Beschäftigt sich Weebit auch damit schon?

Das ist der nächste Schritt. Fest steht bereits, dass sich ReRAMs sehr gut dafür eignen. Dazu arbeiten wir mit Forschungsinstituten zusammen und machen auf diesem Gebiet sehr gute Fortschritte.

Der ultimative Schritt wäre, die Vision des neuromorphen Computing zu realisieren. Ist das ebenfalls ein Ziel auf der Roadmap?

Mit ReRAMs lassen sich sehr gut biologische Neuronen simulieren, wie sie im Gehirn zu finden sind. Auch hier arbeiten wir eng mit der Forschung zusammen, beispielsweise mit dem Politecnico di Milano und dem CEA Leti.


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