Für 570 Mio. Euro

Infineon kauft Sensor-Teil von ams OSRAM

4. Februar 2026, 6:09 Uhr | Heinz Arnold
Aldo Kamper, CEO von ams OSRAM: »Mit dem Verkauf an Infineon reduzieren wir unsere Verschuldung deutlich schneller als geplant und formen den führenden Anbieter in Digital Photonics. Wir sind das Photonics Powerhouse mit dem breitesten Portfolio moderner Halbleiter-Technologie-Plattformen für Lichtemission und Sensorik und entwickeln uns zu einem hochspezialisierten Photonics‑Halbleiterunternehmen weiter.«
© ams OSRAM

Infineon kauft das nicht-optische Analog-/Mixed-Signal-Sensorgeschäft für Automotive, Industrie und Medizin der schuldengeplagten ams OSRAM für 570 Mio. Euro in bar.

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Damit sinkt der Pro-forma-Verschuldungsgrad von ams OSRAM auf 2,5 (Verhältnis Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA). Gleichzeitig will ams OSRAM jetzt zum führenden Anbieter im Sektor Digital Photonics aufsteigen.

Mit dem an Infineon verkauften Geschäft erzielte ams OSRAM 2025 einen Umsatz von 220 Mio. Euro und 60 Mio. Euro bereinigtes EBITDA. Die Transaktion umfasst sämtliche Geschäftsaktivitäten und relevante Patente. Rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wechseln – überwiegend an vier Standorten – zum Käufer. Produktionsstätten sind nicht Teil der Transaktion.

»Mit dem gezielten Verkauf unseres nichtoptischen Automotive-, Industrie- und Medizinsensorgeschäfts an Infineon schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir reduzieren unsere Verschuldung deutlich schneller als geplant und formen den führenden Anbieter in Digital Photonics. Wir sind das Photonics Powerhouse mit dem breitesten Portfolio modernster Halbleiter-Technologie-Plattformen für Lichtemission und Sensorik. Damit sind wir optimal positioniert, um von entscheidenden Marktdurchbrüchen in Digital Photonics zu profitieren – in der Automobilindustrie, bei Augmented-Reality Brillen, in der Biosensorik, in der Robotik, bei optischen Datenverbindungen für KI[1]Rechenzentren und vielleicht sogar in visionären Anwendungen wie der lasergestützten Kernfusion«, sagt Aldo Kamper, CEO von ams OSRAM.

ams OSRAM wird Infineon über mehrere Jahre hinweg Fertigungsdienstleistungen bereitstellen. Vorbehaltlich der üblichen regulatorischen Genehmigungen wird der Abschluss der Transaktion für das zweite Kalenderquartal 2026 erwartet.

Vom Megatrend Digital Photonics profitieren

Nach eigenen Angaben vereint ams OSRAM das breiteste Portfolio an modernen, differenzierten Emitter- und Sensortechnologien in der Branche, ergänzt durch Kompetenzen für leistungsstarke Treiber‑ und Power‑Management‑ICs. Zudem bietet ams OSRAM seinen Kunden geopolitisch robuste, vertikal integrierte Lieferketten in vielen Segmenten.

Nach einer Übergangsphase, in der Organisation, Infrastruktur und Kostenbasis an den neuen Fokus angepasst werden, erwartet das Unternehmen starke mittel- und langfristige Wachstumsmöglichkeiten, getragen durch den globalen Megatrend Digital Photonics.

Um diese Entwicklung weiter voranzutreiben, wird ams OSRAM seine Investitionen in wichtige Wachstumsbereiche verstärken: Dazu gehören hochauflösende Frontlichtsysteme für den Bereich Automotive aus der »EVIYOS«-Familie, Projektions-Mikro-Emitter‑Arrays für AR‑Brillen und optische Datenverbindungen für KI‑Rechenzentren. Im Bereich Sensorik stehen Spektralsensorik, Biosensorik und Multi‑Zone Time-of-Flight Entfernungsmessung – insbesondere für Robotik-Anwendungen – im Fokus.

Parallel dazu wird das Unternehmen seine CMOS‑Fähigkeiten entlang zweier strategischer Achsen erweitern: Ausbau des Produktportfolios rund um Emitter‑Treiber und zugehörige Power‑Management‑ICs und Erweiterung der 200‑mm‑Mixed‑Signal‑Foundry‑Kapazitäten in Premstätten, um vom rasch steigenden globalen Bedarf in diesen Technologien zu profitieren.

Finanzziele 2030

Auf vorläufiger Basis strebt das Unternehmen für das Jahr 2030 folgende Ziele über den Halbleiterzyklus hinweg an:

  • Umsatzwachstum mittlere bis hohe einstellige CAGR im Bereich Semiconductors
  • EBITDA Marge (bereinigt) ≥ 25 Prozent im Bereich Semiconductors
  • CAPEX der Gruppe (hier wird das traditionelle Autolampen Geschäft hinzugezählt: rund ~8 Prozent der Erlöse

Free-Cash-Flow in der Gruppe: über 200 Mio. Euro

Verschuldungsgrad der Gruppe:  < 2. Der Verschuldungsgrad bezieht sich auf die Nettoschulden, die sich aus langfristigen Verbindlichkeiten, kurzfristigen Verbindlichkeiten, Sale-and-Lease-Back für Kulim II und + OSRAM Minderheitsanteilen zusammensetzt (abzüglich liquider Barmittel).

Digital Photonics als Wachstumstreiber

Digital Photonics soll das zukünftige Wachstums von ams OSRAM treiben. Darunter versteht das Unternehmen die umfassende Digitalisierung von Lichtemission und optischer Sensorik durch die Kombination moderner Emitter, Sensoren und intelligenter Elektronik. Diese Technologie ermöglicht dynamische Beleuchtung, lichtbasiertes Design, Projektion als Display, lichtbasierte Sensorik, Materialbearbeitung, gerichtete Energieübertragung und Hochgeschwindigkeits-Datenkommunikation. Diese Technologien bilden die Grundlage für wichtige globale Megatrends wie Fahrassistenzsysteme, autonomes Fahren, Virtual und Augmented Reality, Künstliche Intelligenz, Robotik, Wearables und fortschrittliche Medizinanwendungen.

Durchbruch »Digital Light«-Technologie

Die von ams OSRAM entwickelte »Digital Light«-Technologie, die 2024 mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet wurde, markiert nach einem Jahrzehnt Entwicklungsarbeit einen Durchbruch. Die erste kommerzielle Anwendung fand sie in hochauflösenden Frontscheinwerfern unter der Marke »EVIYOS«.

Gesicherte Design-Wins generieren 500 Mio. Euro

Mit bereits gesicherten Design-Wins mit einem Volumen von mehr als 500 Mio. Euro habe diese Technologie laut ams OSRAM eine klare Wachstumsperspektive. Mit der Verkleinerung der Pixel und der Erweiterung des Farbspektrums werde »Digital Light« zu einem überzeugenden Mikro-Projektor für alltagstaugliche AR-Brillen. In Zukunft könnten weiter optimierte Mikro-Emitter diese Technologie zu einem Schlüssel für die Realisierung optischer Datenverbindungen mit hoher Bandbreite, geringem Stromverbrauch und niedrigen Kosten in KI-Rechenzentren machen. »Digital Light« bötet somit ein erhebliches mittel- und langfristiges Wachstumspotenzial.

Auch im Sektor der digitalisierten optischen Sensoren habe sich das Unternehmen eine Führungsposition aufgebaut, so ist ams OSRAM überzeugt. Bereits heute werde ein dreistelliger Millionen-Euro-Umsatz erzielt. Das breite Portfolio, das Umgebungslicht-, Näherungs-, Flicker-, Time-of-Flight-, Bio-, Spektral-, Ultraviolett-, Infrarot-, Temperatur- und Force[1]Touch-Sensoren umfasst, setze Maßstäbe in der Branche in den Bereichen Display-Management, Kameraoptimierung und zahlreichen angrenzenden Anwendungen. Dieser Geschäftsbereich böte substanzielle Wachstumschancen über die kommenden Jahre hinaus.

Kombination aus CMOS TSV und optischer Filtertechnologien

ams OSRAM ist stolz darauf, dass die Expertise des Unternehmens im Bereich der Optischen Sensorik 2025 erneut durch die Förderung von 215 Mio. Euro im Rahmen des European Chips Act durch die österreichische Bundesregierung gewürdigt worden sei – für die Errichtung einer Produktionsstätte, die CMOS, TSV (Through-Silicon-Via) und spezialisierte optische Filtertechnologien erstmals in dieser Form kombiniert.

Automotive-Lampengeschäft als Cash-Cow

Das traditionelle Automotive‑Lampen- und Ersatzteilgeschäft bleibt ein fester Bestandteil des Konzernportfolios. Dieses Segment soll in den kommenden Jahren umsatzstabil gehalten und konsequent auf Profitabilität optimiert werden – typischerweise mit einer bereinigten EBITDA‑Marge von 13 bis 15 Prozent pro Jahr. Mit einem stabilen jährlichen Cashflow von rund 90 Mio. Euro dient es als zuverlässige interne Finanzierungsquelle, die die Transformation und das Wachstum des Halbleitergeschäfts unterstützt und gleichzeitig zum Schuldendienst und zum weiteren Schuldenabbau beiträgt.

Umsetzung des Plans zur Stärkung der Bilanz

Am 30. April 2025 gab das Unternehmen einen beschleunigten, umfassenden Plan zur Entschuldung seiner Bilanz bekannt. Neben operativen Verbesserungen im Rahmen des Programms »Re-establish the Base« (RtB) umfasst der Plan die Bewertung von Veräußerungen von Vermögenswerten im Wert von weit über 500 Mio. Euro.

Seitdem hat das Unternehmen Vereinbarungen zum Verkauf seines Geschäftsbereichs Entertainment & Industrial (Specialty) Lamps an Ushio für einen Nettoerlös von rund 100 Mio. Euro unterzeichnet.

Einschließlich der heute bekannt gegebenen Transaktion werden diese Teilverkäufe eine Barsumme von rund 670 Mio. Euro erlösen, die für die Reduzierung der Verschuldung vorgesehen sind. Das Unternehmen beabsichtigt, rund 130 Mio. Euro an Erlösen, die sich auf Vermögenswerte, welche die Wandelanleihen und Senior Notes der Gruppe besichern, zur Reduzierung dieser finanziellen Verbindlichkeiten zu verwenden – in Übereinstimmung mit und vorbehaltlich der Bedingungen dieser Finanzierungsinstrumente.

Zum 31. Dezember 2025 verfügte das Unternehmen über Barmittel von 1.483 Mio. Euro, was zu einer Nettoverschuldung von 1.518 Mio. Euro ohne die ausstehenden OSRAM‑Put‑Optionen bzw. 2.023 Mio. Euro einschließlich der Put‑Optionen führte. Basierend auf einem veranschlagten bereinigten EBITDA von 600 Mio. Euro für das Geschäftsjahr 2025 (berichtetes Q1 bis Q3 plus Mittelwert der Q4-Prognose) lag das Verhältnis Nettoverschuldung zu bereinigtem EBITDA der letzten zwölf Monate bei 2,5 bzw. 3,3.

Aldo Kamper, CEO von ams OSRAM: »Mit dem Verkauf an Infineon reduzieren wir unsere Verschuldung deutlich schneller als geplant und formen den führenden Anbieter in Digital Photonics. Wir sind das Photonics Powerhouse mit dem breitesten Portfolio moderner Halbleiter-Technologie-Plattformen für Lichtemission und Sensorik und entwickeln uns zu einem hochspezialisierten Photonics‑Halbleiterunternehmen weiter.«


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