Schwerpunkte

Rohm Semiconductor plant Investitionen

»Wir legen unseren Fokus auf Analog-Power- und Power-Produkte«

01. Juni 2021, 08:00 Uhr   |  Engelbert Hopf

»Wir legen unseren Fokus auf Analog-Power- und Power-Produkte«
© Rohm Semiconductor

Wolfram Harnack, Rohm Semiconductor Europe: »Wir werden 2025 unsere fünfte Generation SiC-MOSFETs in die Serienfertigung bringen. Sie wird sich gegenüber der Vorgängergeneration durch einen 30 Prozent niedrigeren RDSon auszeichnen.«

Im April hat Wolfram Harnack als President die Verantwortung bei Rohm Semiconductor Europe übernommen. Sein Ziel ist es, die Bereiche Industrie und Automotive weiter auszubauen und dabei auch die Bedeutung der Analog-Power-Produkte stärker zu betonen.

Für die nahe Zukunft kündigt er 750-V-SiC-MOSFETs von Rohm an.

Markt&Technik: Ihre Ernennung wurde mit der Hoffnung verbunden, dass Sie Rohm Semiconductor Europe entscheidend nach vorne bringen können. Blieb Rohms Entwicklung in Europa zuletzt hinter den Erwartungen zurück?

Wolfram Harnack: Ganz im Gegenteil. Als Rohm-Rückkehrer kann ich sowohl aus der externen als auch aus der internen Perspektive deutliche Veränderungen und Fortschritte feststellen. Das Unternehmen ist gewachsen und hat sich organisatorisch neu aufgestellt. So wurden neue Bereiche geschaffen. Dazu gehört etwa das Power Lab in unserer europäischen Zentrale in Willich. Unsere Ingenieure dort sind in der Lage, unsere Kunden bei der Entwicklung ihrer Anwendungen maßgeblich zu unterstützen. So können wir Risiken während der Entwicklung minimieren und Entwicklungsprozesse beschleunigen. Meine Aufgabe ist es nun, die positiven Entwicklungen weiter fortzuführen.

Wollen Sie in den nächsten Jahren andere Schwerpunkte hinsichtlich der Strategie in Europa setzen? Wenn ja, in welcher Form?

Wie bereits angesprochen, geht es für mich eher darum, die eingeschlagene, erfolgreiche Strategie, die sehr solide und langfristig orientiert ist, fortzuführen. Wir möchten auch weiterhin die Kerngeschäftsbereiche Automotive und Industrial ausbauen und den Fokus auf unsere Analog-Power- und Power-Produkte legen. Insbesondere die Analog-Power-Produkte sollen in Zukunft ebenfalls eine größere Rolle spielen. Wir sehen großes Potenzial, vor allem im Automobilbereich, besonders für ADAS-Applikationen.

In den letzten Monaten wurden allgemein Probleme in der Halbleiter-Lieferkette beklagt. Wo liegen aktuell Ihre Lieferzeiten und wo lagen sie vor der Pandemie?

Unsere Produkte aus dem IC- und Power-Bereich werden aufgrund der Produktionssteigerungen bei unseren Kunden wieder sehr stark nachgefragt. Je nach Produkt erhalten wir Aufträge, die unsere Lieferkapazitäten übersteigen. Entsprechend sind auch unsere Lieferzeiten in gewissem Maße betroffen. Dennoch sehen wir uns gut positioniert. Als vertikal integrierter Halbleiterhersteller sind wir weitestgehend unabhängig von Zulieferern und können flexibler auf Marktveränderungen reagieren. Zudem betreiben wir große Bemühungen, um die Lieferketten, einschließlich unseres Produktionssystems, weiter zu optimieren und eine stabile Versorgung unserer Kunden zu erzielen.

Ist geplant, die Produktionskapazitäten im IC-Bereich zu steigern? Wenn ja, wann rechnen Sie damit, dass die Produktionssteigerung Einfluss auf die Lieferzeiten haben wird? Können Sie Investitionssummen nennen?

Von den 70 Milliarden Yen, rund 526 Millionen Euro, an geplanten Investitionen in diesem Geschäftsjahr sind 37,7 Milliarden Yen, etwa 283 Millionen Euro, für die Verbesserung der Produktionskapazitäten in allen Geschäftsbereichen bestimmt. Eine genaue Aufschlüsselung ausschließlich für den IC-Bereich ist leider nicht möglich. Für die Zukunft sehen wir großes Potenzial bei den Automotive-ICs und planen, in diesem Segment expansiv zu investieren – vor allem in isolierte Gate-Treiber, die für unsere SiC-Bauelementen optimiert sind.

Handhaben Sie den Vertrieb von ICs und Power-Produkten in Europa primär direkt oder wickeln Sie das über die Distribution ab? Wollen Sie in den Distributionsanteil in Zukunft erhöhen?

Wir setzen in der Vermarktung unserer Produkte europaweit sowohl auf den Direktvertrieb als auch auf die Distribution. In der Vergangenheit war unser Distributionsanteil eher gering und ist auch heute noch nicht auf dem prozentualen Level, das Sie von unserem Wettbewerb kennen. Aber der Anteil steigt stetig und befindet sich im Ausbau. Wir haben die Weichen auf Wachstum gestellt, uns neu positioniert und versprechen uns dank der Unterstützung unserer europäischen Distributoren eine sehr gute Prognose für die kommenden Jahre.

Zählt man den Power- und den Modul-Bereich zusammen, entspricht der Umsatzanteil in etwa dem des IC-Bereichs. Gehen Sie davon aus, dass dieses Gleichgewicht auch in den nächsten Jahren erhalten bleibt?

Unser Geschäft mit diskreten Halbleiterbauelementen umfasst Transistoren, Dioden, LEDs und Laserdioden. Nicht alle Komponenten sind Leistungshalbleiter, aber man kann sagen, dass etwa die Hälfte der Transistoren und Dioden Leistungsbauelemente sind. Global betrachtet erwarten wir nicht, dass sich das Produktverhältnis wesentlich ändert. Rohm wird sich weiterhin sowohl auf Leistungshalbleiter als auch auf analoge ICs konzentrieren. Aus europäischer Sicht erwarten wir, dass sich das Verhältnis in Zukunft verschieben wird. Sobald SiC den Massenmarkt durchdringt, ist von einem sprunghaften Wachstum des Power-Segments auszugehen.

Wie sehr ergänzen sich Ihre IC-Aktivitäten mit Ihren Power- und Modul-Aktivitäten?

Unser Produktportfolio ist sehr breit gefächert und wir verfolgen schon immer den Ansatz, Potenziale auszuschöpfen, indem wir IC- und Power-Produkte gleichzeitig anbieten. So stellen wir unseren Kunden zum Beispiel neben unseren SiC-Produkten auch immer die passenden Gate-Treiber und weitere Peripherieprodukte für ihre Anwendungen vor.

Rohm ist in der Vergangenheit durchaus als Käufer aktiv geworden, wie im Fall SiCrystal. Sind Akquisitionen weiterhin Bestandteil der Wachstumsstrategie?

Sie werden verstehen, dass ich Ihnen zu dieser Frage keine detaillierte Auskunft geben kann. Grundsätzlich ist die Rohm-Gruppe aber für Fusionen und Akquisitionen offen, um das Portfolio insbesondere in den Fokusbereichen zu erweitern.

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2. SiC-Kapazitäten deutlich steigern

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