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Lieferzeiten und Preise bei MOSFETs

Heute schon den Bedarf für Q1/2022 bestellen

05. März 2021, 09:30 Uhr   |  Engelbert Hopf

Heute schon den Bedarf für Q1/2022 bestellen
© Infineon | Shutterstock

Aus der sich seit Monaten abzeichnenden allgemeinen Bauteilverknappung sticht für die Leistungselektronikbranche besonders ein Bauteil hervor: Der MOSFET.

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© Infineon Technologies

Dr. Helmut Gassel, Infineon Technologies: »Wir werden unser Investitionsvolumen 2021 auf 1,6 Milliarden Euro erhöhen und damit unter anderem den Produktionsstart unserer neuen 300-mm-Fertigung in Villach auf das 3. Quartal 2021 vorziehen.«

Wie dynamisch sich hier Nachfrage, Lieferzeiten und Preise entwickeln, lässt sich unter anderem auf der Commercial-News-Seite von EBV Elektronik ablesen. Stand Februar hatten sich dort die Lieferzeiten für alle Power-MOSFETs verdoppelt. So sprangen die Lieferzeiten von Herstellern wie Infineon Technologies, Nexperia, On Semiconductor und STMicroelectronics von durchschnittlich 16 auf etwa 50 Wochen. Bei Vishay fiel die Steigerung mit 12 auf 40 Wochen etwas geringer aus, und bei Toshiba verdoppelte sich die Lieferzeit von 14 auf 28 Wochen.

Entsprechend ziehen die Preise an. So verschickte etwa STMicroelectronics bereits im Januar ein Schreiben an seine Kunden, dass als vorübergehende Maßnahme die Preise für alle Produkte im Jahr 2021 um 5 Prozent angehoben werden.

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Sandra Maile, Fortec Elektronik: »Über alle Hersteller hinweg steigen die Lieferzeiten momentan auf bis zu 50 Wochen. Die Preise steigen ebenfalls deutlich, das ist aber nicht nur bei MOSFETs zu beobachten.«

Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen bereits abgeschlossenen Vereinbarungen und neuen Aufträgen, wie Michael Anfang, Executive Vice President EMEA Sales & Marketing, und Frank Wolinski, Vice President EMEA Sales Unit Channel, in ihrem Schreiben an die Kunden ausführen. Unabhängig vom MOSFET-Hersteller bedeutet das für Kunden in den Leistungselektronik einen Preisanstieg von 15 bis 20 Prozent, wie etwa Gerhard Reifner, Head of Corporate Supply Chain Management & IMS bei Recom Power, berichtet: »Das zieht sich durch alle Spannungsklassen und betrifft nach unserer Erfahrung alle MOSFET-Hersteller.«

Ganz ähnlich die Einschätzung von Hermann Püthe, geschäftsführender Gesellschafter der inpotron Schaltnetzteile: »Für uns liegen die Lieferzeiten von Infineon derzeit bei 30 Wochen und mehr, On Semi hat aktuell bei anderen Halbleitern ebenfalls ähnlich lange Lieferzeiten.« Diese Aussage gilt für alle Spannungsklassen; »der einzig sinnvolle Weg scheint mir der Aufbau eines eignen Lagers zu sein«. Einen Unterschied zwischen den verschiedenen Spannungsklassen kann auch Bernhard Erdl, CEO und President von Puls, nicht erkennen: »Für uns liegen die Lieferzeiten inzwischen bei 40 Wochen, und die Preise steigen.« Durch besonders hohe Preissteigerungen zeichnen sich in seinen Augen STMicroelectronics und On Semicondutor aus.

»Wir verwenden hauptsächlich MOSFETs im Bereich bis 250 V«, berichtet Sandra Maile, Vorstandsvorsitzende und CEO bei der Fortec Elektronik »Die Lieferzeiten steigen momentan auf bis zu 50 Wochen und die Preise steigen ebenfalls deutlich.« Aus ihrer Sicht ist frühestens Ende des Jahres mit einer Entspannung der Situation zu rechnen. Nach den Eindrücken von Kai Heinemann, Geschäftsleiter Entwicklung bei der Block Transformatoren-Elektronik, fordern die MOSFET-Hersteller pauschal Preisanpassungen, »sonst erhalten wir die freundliche Möglichkeit eingeräumt, zu stornieren«.

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© Markt&Technik

Kai Heinemann, Block Transformatoren-Elektronik: »Ein MOSFET-Hersteller hat kürzlich ein Programm aufgelegt, bei dem Kunden über feste Bestellungen für 18 Monate die Chancen auf Material erhöhen konnten. Und das ohne Stornierungsmöglichkeit.«

Etwas besser läuft es nach seiner Beobachtung bei Herstellern, die über große eigene Produktionskapazitäten verfügen, doch viele müssten massiv Fertigungskapazitäten zukaufen. Heinemann berichtet davon, dass ein MOSFET-Hersteller kürzlich ein Programm aufgelegt hat, bei dem Kunden die Möglichkeit erhalten, durch feste Bestellungen über die nächsten 18 Monate ihre Chancen, Material zu bekommen, erhöhen können. Bestellstornierungen seien bei diesem Programm nicht möglich; »offenbar versucht man auf diese Weise Mehrfachbestellungen zu vermeiden«.
„Take it or leave it“, so stellt sich die Marktsituation im Halbleiterbereich auch für emb-papst dar. Die steigenden Kosten würden konsequent entlang der Lieferkette weitergegeben, und die angespannte Marktsituation durch Verknappung ließe keine Spielräume. Vor diesem Hintergrund fährt man bei ebm-papst weiterhin auf Sicht und bewertet die Lage kontinuierlich neu. Mit einer Entspannung des Marktes rechnet man frühestens in sechs Monaten.

Das preissteigernde Argument der zugekauften Fertigungskapazitäten hebt auch Richard Eden, Senior Principal Analyst Power Semiconductor beim Marktforschungsinstitut Omdia, hervor. »Die Lieferzeiten für 8-Zoll-Wafer haben sich weltweit verdoppelt auf aktuell drei bis vier Monate; dazu kommen Preiserhöhungen von 20 Prozent und mehr.« Nach seiner Einschätzung wird sich das Problem wohl noch mindestens bis ins 3. Quartal 2021 fortsetzen.

Mit welchen Mitteln die Halbleiterhersteller auf die aktuelle Situation reagieren, zeigt ein Schreiben von Infineon Technologies an seine Kunden Mitte Februar dieses Jahres. Darin erläutert Dr. Helmut Gassel, Chief Marketing Officer des Unternehmens, dass Infineon seine Investitionen in diesem Jahr auf 1,6 Milliarden Euro erhöhen will. »Das wird es uns ermöglichen, den Produktionsstart unserer neuen 300-mm-Fertigung in Villach/Österreich auf das 3. Quartal 2021 vorzuziehen.« Darüber hinaus will Infineon in die Front-End Fabs in Dresden und Kulim/Malaysia investieren und in die Assembly- und Test-Standorte in Melaka/Malaysia und Cégled/Ungarn. Für die Anwender dürfte das bedeuten, dass sich die aktuellen Steigerungen bei Lieferzeiten und Preisen wohl mindestens bis ins 3. Quartal 2021 fortsetzen dürften.

Auszug aus Schreiben an die Kunden, Infineon vom 12.2.21:

»We therefore plan to increase investments to around 1.6 billion euros in this fiscal year. This will enable us to bring forward the starting date of our new 300-millimeter facility in Villach/Austria to the third quarter of calendar year 2021.«

Auszug aus Schreiben an die Kunden, STM vom 16.12.20:

»Our decision is to add a temporary (surplus adder) charge of 5% across all products on prices agreed for 2021, that will be applied to all deliveries & consumptions being made in 2021 (whether existing or new orders).«

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BLOCK Transformatoren- Elektronik GmbH, FORTEC ELEKTRONIK AG, INFINEON Technologies AG Neubiberg, EBV Elektronik GmbH & Co. KG, Nexperia, ON Semiconductor Germany GmbH, STMicroelectronics GmbH, Toshiba Europe GmbH, Vishay Electronic GmbH, RECOM Power GmbH, inpotron Schaltnetzteile GmbH, PULS GmbH, ebm-papst Mulfingen GmbH & Co. KG