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Passive Bauelemente: Sogwirkung durch 5G

Zwischen perfektem Sturm und Nullsummenspiel


Fortsetzung des Artikels von Teil 5

Downsizing mit Sinn und Verstand

Es gibt wohl wenige Themen im Bereich passiver Bauelemente, die in den letzten zwei, drei Jahren so intensiv diskutiert wurden wie Downsizing. Getrieben wurde die Diskussion durch das Legacy-Programm, wie Turbanisch betont; »Downsizing ja, dort, wo es Sinn macht, aber es gibt eben auch physikalische Grenzen«. – »Wir schlagen technologisch sinnvolles Downsizing vor, um auf den großen Bauformen genügend Produktionskapazität zu haben, da wo es sinnvoll ist«, betont Sauer, »wir haben dabei keinen unserer Kunden im Regen stehen lassen«. Sauer macht aber auch klar, dass man die Bedarfe des Marktes an kleinen Bauformen nicht bedienen kann, wenn man die großen Bauformen weiter in dem Umfang fertigt wie bisher. »Es hilft dem Anwender ja auch nicht, wenn er bei den großen Bauformen bleiben darf, aber dann letztlich nicht beliefert werden kann, weil es keine Kapazitäten dafür gibt. – Wenn die Applikation einen 1210er erfordert, kann der natürlich bleiben, aber wenn technologisch die Möglichkeit besteht, auf 0805 oder kleiner zu gehen, sollte man das zukünftig tun, um seine Chancen zu wahren, vernünftig beliefert werden zu können.«

Murata habe in den letzten Jahren intensiv das Thema Downsizing kommuniziert, so Lüthje, »und man kann sagen, da hat sich was verändert, die Automobilisten beispielsweise gehen jetzt proaktiv auf uns zu und sprechen das Thema an«. Offenbar sei ihnen von ihrem Management eingeschärft worden, auf den Markt zu hören. »Es hat im Industriemarkt viele Single-Source-Freigaben für Murata gegeben«, so Turbanisch, »und nur wenige Kunden hatten mehrere Freigaben für Hersteller oder nicht die Richtigen, die auch verfügbar waren«. Vor diesem Hintergrund seien viele Anwender auf Yageo zukommen, ob man aushelfen könne. »Kurzfristig konnten wir das in vielen Fällen tun«, so Turbanisch, »aber nicht über einen längeren Zeitraum«. Bis 2021, so seine Aussage, sei eine Unterstützung nicht möglich.

»Ungefähr 50 Prozent aller MLCCs, die weltweit verkauft werden, gehen stückzahlmäßig in Smart­phones«, erläutert Hammer. »Da hat ein Hersteller eine Strategie verfolgt und den Rest der Industrie gezwungen, da mitzugehen, um diesen Bedarf dort decken zu können.« Wie Vishay und Yageo wurde auch Kemet gefragt, ob man aushelfen könne. Bei Kemet hat man in die Fertigungskapazitäten für die Baugröße 0805 investiert; dem Kunden müsse aber auch klar sein, so Hammer, »dass sich für ihn bei diesen Baugrößen keine jährlichen zweistelligen Einsparungspotenziale realisieren lassen«. Dass der Bedarf an größeren Bauformen auch in Zukunft vorhanden sein wird, ist für Hammer sicher, »allein die Elektrifizierung des Autos wird da in den nächsten Jahren noch für ausreichenden Bedarf sorgen«.

»Industriekunden sind nach unseren Erfahrungen sehr konstruktiv mit der Herausforderung des Downsizings umgegangen«, berichtet Blume und lobt die Sourcing Teams aus diesem Bereich. »Mit dazu beigetragen hat vielleicht auch, dass wir unter dem Eindruck der Allokation klar gesagt haben, dass das, was am besten läuft, auch am einfachsten zu bekommen ist.« Diese proaktive Einstellung aufseiten der Industriekunden dürfte nach Einschätzung von Lüthje auch damit zu tun haben, »dass sie das größte finanzielle Risiko haben. Wenn bei einem Industriekunden eine Maschine im Wert von mehreren Millionen Euro nicht ausgeliefert werden kann, weil keine Kondensatoren der Baugröße 0603 verfügbar sind, dann möchte das keiner dem Vorstand erklären müssen!«

Dass das Thema die letzten zwei Jahre solche Wellen geschlagen hat, führt Turbanisch auf den kurzen Zeitraum der angekündigten Umsetzung zurück. »Bei allen Anfragen ging es um den Zeitraum 2018 bis 2021«, so seine Erklärung. »Das hätte bei den Kunden neue Zertifizierungen erfordert, und das wäre extrem teuer und aufwändig gewesen.« Hutter pflichtet ihm bei: »Besonders für die kleinen und mittelständischen Kunden ist es schwierig, zusätzliche Hersteller freizugeben, schließlich herrscht Engineering-Allokation auf dem europäischen Markt.« Hutter weist aber auch darauf hin, dass unter dem Eindruck der am Markt entstandenen Turbulenzen einige Hersteller »eine Rolle rückwärts gemacht haben und Produkte wieder auf dem Markt anbieten, die sie zuvor abkündigen wollten«.

Trotzdem warnen Lüthje und Pfülb davor, wieder zu „Business as usual“ überzugehen. »Solange die Endkunden den Preisdruck hoch halten, hat der Hersteller keine Motivation, die Produktionskapazitäten nach oben zu fahren, weil ihm das nicht bezahlt wird. Ich bekomme nur dort meine Investitionen zurück, wo ich meine Innovationsfortschritte mache.« Pfülb weist darauf hin, »dass sich auf Kundenseite nur wenige vorstellen können, welche Mengen auf Herstellerseite produziert werden müssen, damit es sich lohnt, einen bestimmten Kapazitäts- oder Spannungswert aufzulegen«.

Fazit Sauer: »Das Thema Downsizing wurde von den Bauelementeherstellern über Jahrzehnte kommuniziert, viele Anwender haben das einfach weggedrückt. In den letzten zwei Jahren mussten nun viele lernen, dass sich nach einem Vierteljahrhundert endgültig etwas tut.«


  1. Zwischen perfektem Sturm und Nullsummenspiel
  2. Probleme und Ausfälle
  3. Das absolute Chaos
  4. »Globalisierung der Patrioten«
  5. Ultrakondensator – Renaissance eines Hoffnungsträgers?
  6. Downsizing mit Sinn und Verstand

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