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Passive Bauelemente: Sogwirkung durch 5G

Zwischen perfektem Sturm und Nullsummenspiel


Fortsetzung des Artikels von Teil 4

Ultrakondensator – Renaissance eines Hoffnungsträgers?

Etwa zur Zeit des Dotcom Hypes wurde das Thema Doppelschicht- oder Ultrakondensator schon einmal als zukünftiger Wachstumsmarkt gepriesen. Applikationen im Auto, damals als Start-Stopp-Applikation, sollten entscheidend zum Markterfolg beitragen. Es kam anders. In den letzten Jahren nun haben vor allem Startups wie Skeleton Technologies dafür gesorgt, dass das Thema Doppelschicht-Kondensator wieder aktuell ist.

»Diese Produkte sind heute bereits im Markt etabliert, man findet sie an vielen Stellen«, versichert Dr. Albertsen. »Nach unserer Überzeugung haben diese Kondensatoren eine große Zukunft vor sich.« Entsprechend investiert Jianghai in das Thema „Energy Capacitors“. Bereits ein Jahr nach dem Start der Vermarktung der Produkte in Europa hat Jianghai im letzten Jahr in China ein neues, hochmodernes Werk eröffnet, das mit dem fünffachen Produktionsvolumen der vorhandenen Fertigung aufwartet.

Man habe zwar immer einen Kompromiss zwischen Leistungs- und Energiedichte zu schließen, so Dr. Albertsen, »aber die Bauteile bestechen durch schnelle Abgabe und Speicherung von Energie und lange Nutzungsdauer«. Aktuell kämen die Kondensatoren vor allem im stationären Bereich zum Einsatz. »Die Elektromobilität ist da noch Zukunftsmusik«, meint der Jianghai-Manager, »dann geht der Trend aber in Richtung Brennstoffzelle in Kombination mit einem solchen Kondensator«.

Nach Einschätzung von Jianghai hat der Markt für Ultra- und Doppelschichtkondensatoren inzwischen in Europa bereits ein Volumen im unteren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich erreicht. »Es gibt bislang aber nur wenige Player, die sich da tummeln«, so Dr. Albertsen, »gerade wenn es um höhere Leistungen geht«. Zudem sprengten die Applikationen häufig den Rahmen der Geschäfte eines Komponentenherstellers, »da muss man dann in den Projekten eng mit Anlagenbauern zusammenarbeiten«.

Pfülb glaubt, dass in den Doppelschicht-Kondensatoren wesentlich mehr steckt, als der Markt bislang nutzt. »Ich könnte eine Elektro­zahnbürste ohne Zweifel mit Doppelschichtkondensatoren betreiben, das wäre sogar deutlich umweltfreundlicher«, erläutert er, »aber das wird nicht ausgeschöpft, weil die Batterie billiger ist«. Etwas skeptisch zeigt sich Pfülb auch beim Thema Automotive-Einsatz: »Doppelschicht-Kondensatoren bewegen sich, was ihre Arbeitstemperaturbereiche angeht, bislang eher am unteren Ende dessen, was heute im Automotive-Bereich verlangt wird.«

Lüthje pflichtet ihm bei: »Die Batterie ist günstig und etabliert, Doppelschichtkondensatoren dagegen muss man erklären, die muss der Kunde richtig eindesignen – bei Batterien dagegen können die Anwender Copy-and-Paste machen oder sich eine Application Note ansehen, und das reicht dann.« Zudem käme der Supercap nicht gut weg, wenn man nur auf die Bauteilkosten schaue. »Aus unserer Sicht ist das darum ein Produkt, das sicher noch seine Zeit braucht.«

»Der Preis ist das Entscheidende«, stimmt auch Sauer zu. »Die Entwickler sind begeistert, was das Ding alles kann, wenn man es vorstellt, und dann kommt der Einkauf und die Idee ist gestorben.« Quecke macht in dem Zusammenhang darauf aufmerksam, dass Doppelschicht-Kondensatoren in der Vergangenheit ja durchaus auch im Bereich regenerativer Energien eingesetzt worden seien; so hätten etwa SMA oder Enercon diese Produkte eingesetzt. Quecke bezweifelt aber, ob sich Doppelschicht-Kondensatoren weiter in bestimmten Marktbereichen halten können, wenn in ein, zwei Jahren Graphen-Batterien auf den Markt kommen, »die dann auch ultraschnelles Laden mit unendlichen Zyklen anbieten werden«.


  1. Zwischen perfektem Sturm und Nullsummenspiel
  2. Probleme und Ausfälle
  3. Das absolute Chaos
  4. »Globalisierung der Patrioten«
  5. Ultrakondensator – Renaissance eines Hoffnungsträgers?
  6. Downsizing mit Sinn und Verstand
  7. Die Teilnehmer des Forums

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