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Passive Bauelemente: Sogwirkung durch 5G

Zwischen perfektem Sturm und Nullsummenspiel


Fortsetzung des Artikels von Teil 3

»Globalisierung der Patrioten«

Nachdem es im Handelsstreit zwischen den USA und China zu so etwas wie einem Verharren im Status quo gekommen ist, deuten die Tweets von US-Präsident Trump an, dass Europa in Zukunft in den Fokus seiner Schutzzoll-Überlegungen rücken könnte. Auf dem World Economic Forum in Davon Anfang des Jahres wurde Trump deutlich: »Die Europäische Union ist für Amerika schlimmer als China in Bezug auf Handel.« – »Europa hat sehr lange auf unsere Kosten gelebt.« Er habe sich nur deshalb um China gekümmert, so Trump in Davos, »weil das leichter ist, als mit der EU ein Abkommen zu erarbeiten«.

Strafzölle für Produkte aus Europa? Für wie gefährlich halten die Diskussionsteilnehmer diese Planspiele in ihren möglichen Auswirkungen auf die europäische Elektronikbranche? »BMW fertigt beispielsweise den X1, X2, X3 oder den X5 in den USA und Mexiko, das sind Key-Produkte«, erläutert Quecke. »Ähnlich verhält es sich bei Daimler und VW.« Schutzzölle auf Autos aus Europa würden darum nach seiner Einschätzung »zumindest die deutschen Automobilhersteller relativ wenig treffen«. Bei anderen europäischen Automobilherstellern mag das anders aussehen.

Lüthje erklärt: »Zu glauben, dass die Schutzzölle, von denen wir alle betroffen sind, wenn wir aus China in die USA exportieren, wirklich Einfluss auf die Unternehmen gehabt haben, fällt mir schwer.« Nach seiner Einschätzung ist das Kaufverhalten der Amerikaner einfach schwer einzuschätzen. »Wenn es wirklich zu Schutzzöllen gegen Produkte, die mit Elektronik ausgestattet sind, kommt, dann, glaube ich, werden sich die Auswirkungen dieser Maßnahme wohl im einstelligen Prozentbereich bewegen.« Lüthje gibt aber auch zu, dass mögliche Folgen derzeit schwer einzuschätzen sind. »In fünf Jahren werden wir wissen, ob es Folgen hatte und, wenn ja, welche.«

Vissing weist darauf hin, dass der deutsche Maschinenbau auf jeden Fall unter der Krise leidet, die durch die amerikanischen Schutzzölle gegen Produkte aus China verursacht wurden. »Es werden weniger Maschinen nach China verkauft, die dann dort für den Bedarf des US-Marktes produziert hätten.« Wüstner glaubt speziell im Automotive-Bereich nicht an Auswirkungen von möglichen Schutzzöllen: »Den Käufern deutscher Autos geht es ums Image; wenn sich diese Produkte um 10, 20 Prozent verteuern, ist das für diese Käufer ohne Belang, es verstärkt eher noch den Imagefaktor.«

Nach Einschätzung von Hammer ist der Trump-Effekt bei Weitem nicht so groß, wie häufig gemeint wird. »China war schon vor den Schutzzöllen nicht mehr das günstigste Produktionsland. Unter dem Eindruck der Schutzzölle hat sich der Trend, mit sensiblen Produkten etwa nach Vietnam oder anderen Ländern zu gehen, nur verstärkt. Die Schutzzölle haben diese Entwicklung nur beschleunigt.« Auch Hutter hält die direkten Auswirkungen der Schutzzölle für gering: »Ein Momentum haben sie in China vor allem durch die Unsicherheit der Leute erhalten, wie es jetzt weitergeht. Diese Unsicherheit hat sich negativ auf den chinesischen Heimatmarkt ausgewirkt.«

Daran, dass sich die Veränderungen der letzten Jahre im globalen Handel noch einmal zurückdrehen lassen, glauben die Diskussionsteilnehmer nicht. »Globalisierung 2.0 oder Globalisierung der Patrioten wird dieses Phänomen genannt«, berichtet Vissing, »und wenn man in Deutschland ehrlich ist, muss man auch zugeben, dass speziell Deutschland in den letzten 10, 15, 20 Jahren sehr an einem offenen WTO-Handel partizipiert hat«. Heute möchte zwar auch noch jeder weltweit Handel treiben, »aber eben nur noch unter den Bedingungen und Spielregeln, die für sein Land gut sind«. Vor diesem Hintergrund, so Vissing, wird sich Europa letztlich entscheiden müssen, »ob es weiter auseinanderdriftet und nicht im Verbund auf die USA, China und Russland zugeht, oder ob es hoffentlich wieder enger zusammensteht und damit eine große Wirtschaftsmacht sein wird – sonst wird es sehr schwierig.«

»Egal was man von Trump hält, unter ihm wurde Amerika wieder reindustrialisiert«, hält Quecke fest. So fertige Apple inzwischen wieder über EMS in den USA. Dasselbe gelte beispielsweise auch für Motorola. Auch die notwendigen Zulieferstrukturen wurden wieder aufgebaut. »Durch die 25 Prozent Tax-Aufschlag hat es sich wieder gelohnt, das zurückzuholen«, so Quecke. »Es sind EMS in den USA aktiv geworden, die zuvor nur in China tätig waren.« – »Trump hat es geschafft, einen Umdenkprozess zu starten«, pflichtet Pfülb bei, »dass unter die Jahrzehnte andauernden Outsourcing-Bemühungen ein Schlussstrich gezogen werden muss. – America First klingt sicherlich arrogant und übertrieben, aber er setzt eben die Belange seines Landes mit erster Priorität um.« Pfülb ist sich sicher, »dass wir letztlich auch in Europa in einigen Branchen irgendwann vor der Frage stehen werden, Local Content einzufordern, weil wir sonst devisentechnisch ausbluten«.

»Fakt ist, der amerikanische Markt ist wesentlich größer als der europäische, und im Gegensatz zum europäischen Markt hat der Anteil am Weltmarkt der Elektronik in Amerika in den letzten Jahren wieder leicht zugenommen«, stellt Hutter fest. Positiv sieht er, »dass wir mit der Elektronik in einem Markt tätig sind, in dem es immer mehr Content gibt, und wir dadurch Wachstumsraten sehen«.

Unter dem Eindruck der Politik des US-Präsidenten hat Hutter in den letzten Jahren aber auch in Europa eine interessante Veränderung registriert: »Es gibt namhafte Unternehmen in Europa, die sagen, sie wollen in China keine zusätzlichen Marktanteile mehr durch günstige Preise erzielen; stattdessen wollen sie ihre Produkte entsprechend dem Wert der IP, der in ihnen steckt, verkaufen.« Auf diese Weise könnte letztlich auch ein Kreislauf durchbrochen werden, der bisher so aussah, dass europäische Produkte preiswert nach China verkauft wurden, dort nachgebildet wurden und zu günstigeren Preisen und unterstützt durch staatliche Subventionen wieder auf den europäischen Markt zurückverkauft wurden. »Wenn sich dieses Denken durchsetzt«, so Hutter, »könnte das den Standort Europa durchaus wieder stärken«.

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