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Miniaturisierung: passive Bauelemente

Automotive und Industrieelektronik unter Druck

28. September 2020, 09:24 Uhr   |  Engelbert Hopf

Automotive und Industrieelektronik unter Druck
© Murata

MLCCs der Baugröße 01005 wie diese 1-µF-Bausteine werden im Jahr 2028 etwa 20 Prozent aller dann weltweit verkauften MLCCs ausmachen.

Während in Europa die Hersteller passiver Bauelemente in den ersten Monaten der Corona-Pandemie unter den Lockdowns der Automobilindustrie litten, boomen in Asien seit Monaten Applikationen im Bereich 5G, Notebooks, Tablets und E-Mobility. Ungebremst ist der Miniaturisierungstrend in der Branche.

In Europa, und speziell in Deutschland, konzentriert sich der Einsatz passiver Bauelemente vor allem auf zwei Applikationsbereiche: Automotive und Industrie-Elektronik. Vor diesem Hintergrund ist klar, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der zu ihrer Eingrenzung eingeleiteten Maßnahmen die Hersteller und Anbieter passiver Bauelemente in Deutschland und Europa besonders hart getroffen haben.

Einer der wenigen Lichtblicke war seit Jahresbeginn der Bereich Medizintechnik. Aber auch dort verliefen je nach Anwendungsbereich, wie Olaf Lüthje, Senior Vice President Bussines Marketing Passives bei Vishay, erläutert, die letzten Monate sehr unterschiedlich: »Während Applikationen im Bereich Beatmungssysteme und Intensivbetten stark gewachsen sind, wurden Investitionen in andere medizinische Anwendungsbereiche stark zurückgefahren.«

Am stärksten, darin sind sich alle Branchenvertreter einig, hat der Automotive-Bereich unter den Rahmenbedingungen der letzten sechs Monate gelitten. Wobei hier neben den Auswirkungen der Lockdowns vor allem strukturelle Probleme zutage treten: Die deutsche und europäische Automobilbranche hat zu lange auf den Verbrennungsmotor gesetzt und wird nun vom Bedarfsanstieg bei Hybrid- und Elektrofahrzeugen überrollt. Wobei die Hersteller passiver Bauelemente diesem Übergang durchaus positiv gegenüberstehen, sieht es doch so aus, als würde der Bedarf an passiven Bauelementen dadurch noch einmal ansteigen.

Yamada_Yoshihiro
© WEKA FACHMEDIEN

Yoshihiro Yamada, Murata: »Im Jahr 2028 werden aller Voraussicht nach bereits 50 Prozent aller verkauften MLCCs die Baugröße 0201 aufweisen, und MLCCs der Baugröße 008004 werden bereits einen zweistelligen Prozentanteil erreicht haben.«

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© WEKA FACHMEDIEN

Jean Quecke, Future Electronics: »In einer Business-Limousine mit Verbrennungsmotor kommen heute etwa 3500 MLCCs zum Einsatz. In einem Hybrid-Fahrzeug können es bereits bis zu 8000 MLCCs sein.«

Am deutlichsten lässt sich das beim Thema MLCCs ablesen. Inzwischen liegt dort die Zahl der verbauten MLCCs nach Angaben von Jean Quecke, Sales Director (IPE) Central Europe bei Future Electronics, »bei einer Business-Limousine mit Verbrenner bei rund 3500 MLCCs«. In Hybrid-Fahrzeugen kommen nach seinen Worten bis zu 8000 MLCCs zum Einsatz. Und sollte das Beispiels von Teslas Elektro-SUV Schule machen, kommen noch ganz andere Bedarfe auf die Hersteller von MLCCs zu: In dem voraussichtlich ab 2020/21 produzierten Fahrzeug sollen bis zu 45.000 MLCCs zum Einsatz kommen.

Kein Wunder also, dass die Hersteller passiver Bauelemente große Erwartungen an die zukünftige Entwicklung der Automobil- und Automotive-Branche haben. Josef Vissing, Deputy Head of Sales bei TDK Europe, geht darum auch von einer weiteren schrittweisen Entspannung der angespannten Lage im Automotive-Bereich im Laufe des zweiten Halbjahres 2020 und des Jahres 2021 aus. Im Vergleich zum Auto hat sich die Nachfrage im Industrieelektronikbereich nach seiner Beobachtung verhältnismäßig stabil entwickelt. Aber auch er rechnet mit reduzierten Investitionen in die Automatisierung, speziell auch im Automobil-Bereich. Darüber hinaus fehlen nach seiner Einschätzung bislang Impulse rund um die regenerativen Energien wie Windkraft und Photovoltaik.

Wie unterschiedlich dazu die Entwicklung in den Corona-Monaten die Hersteller passiver Bauelemente in Asien getroffen hat, zeigt die Schilderung von Michael Turbanisch, Head of Distribution Sales bei Yageo Europe: »Betrachtet man den Bereich der Weißen und Braunen Ware, den Bereich Messgeräte oder auch Medizin, dann können wir da kaum Einbußen feststellen; stattdessen wachsen wir in einigen dieser Bereiche sogar weiter.« Ein Wachstum, das jedoch die Einbußen, vor allem bei den Stückzahlen, die durch die Schwäche des Automotive-Geschäfts verursacht wurden, vor allem in Hinblick auf die Stückzahlen nicht komplett ausgleichen kann.

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