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Mit Samsung und TSMC?

EU erwägt Bau einer modernen Fab

16. Februar 2021, 08:45 Uhr   |  Heinz Arnold

EU erwägt Bau einer modernen Fab
© Europäische Union

Die EU erwägt ein eigenes modernes IC-Werk zu bauen. Dies könnte auch in Kooperation mit Samsung und TSMC geschehen. Derweil schimpft VW auf Elektroniklieferanten.

In dieser Fab sollen ICs auf Basis der 10-nm-Prozesstechnik bis hinunter zu 2 nm gefertigt werden können, um von Asien und den USA etwas unabhängiger zu werden. Ob Samsung und TSMC in das Vorhaben involviert sein könnten, darüber wird gerade spekuliert.

Ein Mitarbeiter des französischen Finanzministeriums erklärte auf einen entsprechenden Bericht von Bloomberg, dass noch nichts Konkretes entschieden sei.

Gegenüber der Taipei Times sagte Nina Kao, Sprecherin von TSMC, dass viele Faktoren für die Auswahl eines Standorts für eine Fab von TSMC betrachtet werden müssten. Sie wolle nichts ausschließen, aber einen Plan für eine Kooperation mit der EU existiere noch nicht.

Die EU hatte das Ziel ausgegeben, mindestes ein 20 Prozent der weltweit produzierten Chips innerhalb der Grenzen Europas zu fertigen. Derzeit sind es weniger als 10 Prozent. Um das Ziel zu erreichen, hatte die EU-Kommission angekündigt, eine europäische Mikroelektronik-Allianz ins Leben zu rufen, die europäische Chiphersteller genauso wie Automobil- und Telekom-Firmen umfassen soll. Ende dieses Quartals soll sie bereits vorgestellt werden.

Kommt die Aufholjagd zu spät?

Ob der plötzliche Wille zur Aufholjagd zu spät kommt? Der deutsche Finanzminister Peter Altmaier erklärte kürzlich, er rechne damit, dass die europäische Initiative einen Betrag von bis zu 50 Mrd. Euro aufbringen könnte. Das ist viel Geld.

Doch Samsung und TSMC geben zweistellige Milliarden-Beträge pro Jahr für Kapazitätserweiterungen aus. TSMC hatte erst kürzlich seine Investitionen kräftig angehoben: Statt 17 Mrd. Dollar wie im vergangenen Jahr, sollen 2021 nicht weniger als 28 Mrd. Dollar für den Bau neuer Produktionslinien aufgewendet werden. Derzeit fertigt TSMC die modernsten Chips mit Hilfe von 5-nm-Prozessen und plant auf 3-nm-Prozesse überzugehen.  

Außerdem ist es nicht mit dem Bau einer neuen großen Fab getan, die auf Stand der neusten Technik arbeitet und die mit den Fabs in den USA und Asien mithalten kann. Eine solche Fab benötigt auch ein passendes Umfeld aus einem Netz von vielen verschiedenen Zulieferern, ein Ecosystem. Das aufzubauen, kommt ebenfalls teuer.

VW leidet und will klagen

VW schimpft inzwischen offen auf seine Lieferanten, weil sie nicht rechtzeitig bei „ihren“ Halbleiterherstellern Chips in genügender Anzahl bestellt hätten. Selber hätte VW dort rechtzeitig die Aufträge platziert, Zulieferer wie Continental und Bosch hätten dem aber keinen Glauben geschenkt, so zitiert die FAZ einen Einkaufsmanager von VW. Deshalb prüfe VW Schadenersatzansprüche gegen Bosch und Continental. Interessant ist, dass BMW in Deutschland kaum betroffen ist.

Politik und Öffentlichkeit sind beunruhigt

Die schwierige Lage Automobilindustrie hat die Öffentlichkeit in Deutschland und Europa auf das Problem der Abhängigkeit aufmerksam gemacht. Denn solche ICs sind nicht nur in Autos, sondern in vielen weiteren Produkten unverzichtbar. Dazu gehören 5G-Ausrüstungen, Rechenzentren, High Performance Computing, die Medizintechnik, die Industrie und die Vernetzung insgesamt.

In der Vergangenheit haben europäische Hersteller wie Infineon, NXP und STMicroelectronics einen Teil ihrer Fertigung an Foundries ausgelagert. Nachdem die Automobilhersteller ihre Aufträge reduziert hatten, nutzten die Foundries die freigewordene Kapazität, um Chips für Smartphones und weitere IT-Sektoren zu produzieren. Als das Geschäft für die Automobilhersteller plötzlich besser lief als gedacht, bestellten sie mehr Subsysteme bei ihren Zulieferern wie Bosch und Continental – VW habe das nach eigenen Angaben bereits im April 2020 getan –, die IC-Hersteller bekamen aber nicht mehr genügend Kapazitäten bei den Foundries. Die Folge ist die Knappheit. Weltweit sind davon die meisten Automobilhersteller betroffen, Toyota und BMW scheinen nach Presseberichten aber praktisch keine Schwierigkeiten zu haben.

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