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Innerbetriebliche Impfungen

»Herdenimmunität werden wir im August erreichen«

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Seit Juni hat die Corona-Impfkampagne durch die Einbeziehung der Betriebsärzte einen zusätzlichen Schub erhalten.

Auch die deutsche Elektronikbranche und der Maschinenbau engagieren sich inzwischen intensiv bei innerbetrieblichen Impfkampagnen. Sie sehen sie als entscheidenden Beitrag zu einem Übergang zu einer neuen Art von Normalität.

So lässt sich das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der Markt& Technik zusammenfassen. Unterschiede bei den rund 20 befragten Unternehmen zeigten sich insbesondere beim Starttermin der Betriebsimpfungen, bei der Priorisierung von Mitarbeitern sowie beim Einbezug auch von Angehörigen.

Zu den Ersten, die in der Elektronikbranche Impfungen anboten, dürfte Block Transformatoren-Elektronik in Verden gehören. »Wir hatten unsere erste Impfrunde bereits im Mai«, berichtet Kai Heinemann, Geschäftsleiter Entwicklung und Produktmanagement. »Die Zweitimpfung ist für Anfang August geplant.« Etwa 25 Prozent der Mitarbeiter nahmen das Angebot bei Block an. »Wir sind in einer ländlich geprägten Umgebung beheimatet. Da viele Kollegen beispielsweise bei der Freiwilligen sind, waren viele schon geimpft.«

Bei Harting hat man nach Auskunft von André General, Zentralbereichsleiter HR, am 8. Juni mit den Impfungen begonnen; »aus heutiger Sicht werden alle ihre Zweitimpfung bis Ende Juli erhalten«. Zu Beginn habe man zunächst eine Priorisierung vorgenommen; »da wir aber zum Auftakt der Impfaktion genügend Impfstoff für alle Mitarbeitenden erhielten, war diese Priorisierung dann hinfällig«. General geht davon aus, »dass bis Ende Juli mehr als 30 Prozent unserer Mitarbeitenden durch uns geimpft sein werden«.

Bei der ebm-papst-Gruppe starten die Zweitimpfungen am 16. Juli. »Wir hatten uns als Impfpilotunternehmen in Baden-Württemberg sowie Bayern beworben«, so Pressesprecher Hauke Hannig, hatten »damit aber leider keinen Erfolg«. So begannen die Impfungen in Mulfingen am 10. Juni, gefolgt von den Standorten St. Georgen und Landshut. Bei ebm-papst gab es eine Priorisierung hinsichtlich Alter, möglicher Vorerkrankungen und der Art des Arbeitsplatzes; »unsere Produktionsmit- arbeitenden hatten Vorrang«. Bisher wurden an den deutschen Standorten der ebm-papst-Gruppe 1213 Mitarbeitende geimpft.

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André General, Harting: »Aus heutiger Sicht werden alle ihre Zweitimpfung Ende Juli erhalten haben. «
© Harting

Beteiligen sich Global Player wie Bosch, steigert sich die Dynamik der Impfkampagne erheblich. Seit dem 8. Juni hat Bosch über 25.000 Mitarbeitern in Deutschland eine Erstimpfung ermöglicht. Seit Anfang Juli können an einigen Standorten auch Angehörige von Mitarbeitern sowie Beschäftigte von kleineren Partner- und Zulieferbetrieben das Impfangebot nutzen.

Auch bei Vishay wurden bislang bereits in drei der fünf deutschen Standorte Impftermine angeboten, wie Martina Winterwerber, Vice President HR Europe bei Vishay Electronic, berichtet. An den restlichen zwei Standorten sind bis Mitte Juli auch bereits Impftermine geplant. Je nach Standort lag das Impfinteresse zwischen 10 und 40 Prozent. »Entscheidend war dabei die Situation in den jeweiligen Landkreisen«, erläutert Winterwerber. »Großes Interesse fanden wir dort vor, wo es noch wenige Impfangebote im jeweiligen Landkreis gab.«

Bei Phoenix Contact wurde mit der Impfung der Mitarbeiter Anfang Juni begonnen. »Im ersten Schritt haben wir Mitarbeitende geimpft, die jeden Tag vor Ort präsent sein müssen«, so Unternehmenssprecherin Eva von der Weppen, »beispielsweise in der Logistik und Kunststoff-Fertigung sowie Mitarbeitende mit Vorerkrankungen«. Inzwischen wurde diese Priorisierung bei Phoenix Contact aufgehoben.

»Bei uns werden alle geimpft, die es wollen, inklusive ihrer Partner«, berichtet Helge Puhlmann, European President bei Yamaichi Electronics in Frankfurt an der Oder. So erhielten Ende Juni die Mitarbeiter in der Fertigung ihre Impfung, Anfang Juli folgt dann die Verwaltung. Bei Yamaichi wurde das Impfangebot von etwa 30 Prozent der Mitarbeiter angenommen, »viele hatten sich zuvor bereits selbst um eine Impfung gekümmert«.

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Josef Vissing, TDK Europe: »Unser Ziel ist es in Deutschland möglichst alle zu impfen, die das möchten.«
© TDK

Bei TDK haben erste Impfprogramme bereits im Frühjahr in China begonnen, wie Josef Vissing, Deputy Head of Sales bei TDK Europe, berichtet. In Deutschland sei das Ziel, »möglichst alle zu impfen, die das möchten«. Betriebsintern wurde dabei nach Alter priorisiert. Vissing geht davon aus, »dass wir für unsere Standorte in Deutschland bis Anfang August eine Impfquote von 80 Prozent und darüber erreichen können. Hierzulande wäre damit dann in unseren Werken und Büros die Herdenimmunität erreicht«.

Bei Semikron in Nürnberg hatte man das Glück, als Teilnehmer am Modellprojekt der Bayerischen Staatsregierung eine Impfkampagne durchführen zu können. »Alle, die das wollten, konnten wir impfen«, so Werner Dorbath, Head of International Marketing. »Auch Mitarbeiter von Fremdfirmen, die bei Semikron eingesetzt werden, wurden einbezogen.« In Summe haben etwa 35 Prozent der Beschäftigten das Impfangebot angenommen.

Beim Medizintechnik-Unternehmen Corpuls aus Kaufering sind laut CEO Klaus Stemple von knapp 400 Mitarbeitern bereits 78 Prozent geimpft. »Da im ländlichen Raum zahlreiche Mitarbeiter ein Ehrenamt ausüben, war deren Impfpriorität schon vor unserer Aktion hoch.« Bei Corpuls haben bereits 28 Prozent der Mitarbeiter die Zweitimpfung. »Anfang Juli erhalten wir noch einmal 60 Dosen, sodass wir jedem Mitarbeiter, der noch nicht geimpft ist, ein Angebot machen können.« Für vollständig Immunisierte gilt intern bereits eine gelockerte Maskenpflicht. Zeitnah ist zudem eine Infoveranstaltung der Mitarbeitervertretung geplant, »die sich gezielt an bisherige Impfskeptiker in unseren Reihen richtet«.

Ein vergleichsweise geringes Interesse von 10 Prozent an der Impfaktion des Arbeitgebers vermeldet Mathias Kalmbach, Marketingleiter bei Würth Elektronik eiSos. »Das liegt aber daran, dass schon 70 Prozent der Mitarbeitenden über Impfzentren und Hausärzte zuvor geimpft werden konnten. Vor diesem Hintergrund konnten sich dann auch Familienangehörige bei der Impfaktion der Würth KG impfen lassen.«

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Dr. Bianca Mastnak, Recom Power: »Aktuell haben wir im Headquarter im Gmunden, Österreich, eine Durchimpfungsrate von über 75 Prozent.«
© Recom

»Eine Priorisierung war bei uns nicht notwendig, weil wir alle impfen konnten, die das wollten«, schildert Hermann Püthe, geschäftsführender Gesellschafter der inpotron Schaltnetzteile, die Erfahrungen in seinem Unternehmen; »unser Impfangebot wurde umfangreich angenommen«. Insgesamt lag die Zustimmungsquote zum Impfangebot in Hilzingen bei rund 60 Prozent der noch nicht Geimpften.

Etwas anders als in Deutschland ist die Situation in Österreich. »Aktuell haben wir im Headquarter in Gmunden eine Durchimpfungsrate von 70 Prozent«, berichtet Dr. Bianca Mastnak, Head of Global Human Resources bei Recom Power. »Bei uns wurden schon zeitnah Impftermine für alle Bevölkerungsgruppen zur Verfügung gestellt.« Auch sei es in Österreich nur über eine Schlüsselkräftenominierung möglich gewesen, einzelne Fachkräfte für Impftermine vorzuschlagen, »das hat dann aber auch sehr gut funktioniert«.

Bei Infineon Technologies bedauert man, dass in den ersten vier Wochen der unternehmensinternen Impfkampagne die Zahl der zur Verfügung gestellten Impfdosen geringer war als die Nachfrage. Inzwischen war man jedoch in der Lage, in Deutschland knapp ein Viertel der Beschäftigten zu impfen. Infineon weist auf die Unterschiede zu Österreich hin: »Dort konnten wir früher mit den Impfungen beginnen, darum liegt der Anteil dort bei über 40 Prozent«.

Mit knapp 870.000 Beschäftigten zählt die deutsche Elektronikbranche zu den großen Wirtschaftsbereichen in Deutschland. Mit gut einer Million Stammbelegschaft in den Betrieben und insgesamt 1,4 Millionen Erwerbstätigen in der Branche im Inland übertrifft der Maschinenbau das noch leicht. Holger Paul, Pressesprecher des Branchenverbands VDMA, berichtet von einer großen Bereitschaft in den Firmen zur Impfung. »Größere Unternehmen wie Wilo, Trumpf oder ebm-papst waren hier sicher Vorreiter, aber auch die KMUs machen Impfangebote, zumeist über Kooperationen.« Bei den aktuell von Markt&Technik befragten, etwa zwei Dutzend Unternehmen in der DACH-Region, boten zum Zeitpunkt der Befragung nur zwei Unternehmen, aus unterschiedlichen Gründen, noch keine Impfungen für ihre Mitarbeiter an. 


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