Wer jahrelang nicht investiert, kommt irgendwann an den Punkt, an dem sich notwendige Investitionen nicht mehr umgehen lassen, lautet das Fazit der Diskussionsteilnehmer auf dem diesjährigen Forum „Passive Bauelemente“ der Markt&Technik.
»Wir sehen seit Oktober letzten Jahres eine sehr positive Book-to-Bill-Entwicklung«, berichtet Marc-Gregor Reiterer, Regional Vice President Central Europe bei TTI. »Auch das Book to Plan ist wieder deutlich positiv. Ich bin sehr optimistisch, dass wir 2026 ein gutes zweistelliges Wachstum erreichen werden.«
Zur Erklärung für diesen Umschwung betonen die Diskussionsteilnehmer, »dass sich in der ganzen Investitionsgüterbranche in den letzten zwei Jahren nichts getan hat. Das läuft jetzt wieder an, weil die Firmen sich einfach genötigt sehen, wieder zu reinvestieren«. In Europa erholt sich dabei offenbar vor allem das Industriegeschäft, wie Josef Vissing, President und Head of Sales Europe bei TDK Europe, bestätigt: »Das Industriegeschäft erholt sich spürbar in der Breite.« TDK profitiert auch vom AI-Boom, das aber vor allem in Asien.
Welche Konsequenzen das hat, macht unter anderem Dr. Arne Albertsen, Senior Sales Manager bei Jianghai Europe Electronic Components, deutlich: »Bei Speicherkondensatoren für AI Datacenter könnte man schon fast wieder vom bösen A-Wort sprechen. Wenn es da einen Großauftrag gibt und wir auch solche Bauelemente für Kunden in Europa benötigen, heißt es: Nicht drängeln, wenn ihr zufällig genau dasselbe Produkt wollt, könnt ihr ein paar haben.« Die Auslastung sei in diesem Bereich hoch, »und damit sind auch die Lieferzeiten wieder gestiegen«.
Auf dieses Problem macht auch Joachim Pfülb, Vice President Sales Components bei Beck Bauelemente, aufmerksam. »Wer jetzt feststellt, dass er eigentlich mal wieder bestellen müsste, und dabei noch mit den Lieferzeiten des letzten Jahres rechnet, könnte davon überrascht werden, dass die Lieferzeiten in Asien inzwischen schon wieder bei 18 oder 30 Wochen liegen.« Wenn es dann trotzdem schnell gehen müsse, »sind wir jetzt wieder in der Situation, dass wir an Luftfracht nicht mehr vorbeikommen«.
Unabhängig davon bestätigen alle Diskussionsteilnehmer, dass sich am Markt spürbar etwas verändert. Von einem Umschwung will man nicht reden, eher von einer notwendigen technischen Reaktion des Marktes, aber nach den bleiernen Zeiten der letzten zwei Jahre, vor allem im Industrieelektronikbereich, freuen sich alle über die Wende. »Wenn man aus dem Jahr 2025 kommt, kann es eigentlich nur besser werden«, meint Stefan Sutalo, Vice President Product Marketing Passive Components bei Rutronik lachend. »Wir hatten in der Distribution einen superstarken Januar, und das hat sich im Februar fortgesetzt. Wenn das noch zwei weitere Monate anhält, wird 2026 ein deutlich erfreulicheres Jahr als 2025«!
Dass es trotz steigender Bedarfe noch nicht wieder zur Allokation kommt, hat für Guido Renner, Director Strategic Business Segment Components & Sensors bei der Isabellenhütte Heusler, vor allem damit zu tun, »dass die Kunden heute bei den Produktgruppen, die früher häufiger in Allokation waren, inzwischen zwei, drei Lieferanten freigegeben haben. So kann man diese Probleme eben vermeiden«. Renner geht auch auf den Preisdruck aus China ein, der aus seiner Sicht selbst für chinesische Verhältnisse ruinös ist. »Wenn der Markt gesättigt ist, kann man eben auch mit der fünften Preisreduzierung seinen Marktanteil nicht mehr weiter ausbauen«.
Und wie sieht es eigentlich mit der Wirkung der Milliarden aus dem Sondervermögen aus? Spüren die Spezialisten für passive Bauelemente da bereits Auswirkungen auf ihren Umsatz? Aus Sicht von Reiterer sind diese möglichen Subventionen sogar eher hinderlich als hilfreich: »Ich halte es für absolut kontraproduktiv, wenn alle darauf warten, dass sich das Subventions-Füllhorn öffnet. Viele sind jetzt einfach an dem Punkt, dass sie etwas tun müssen, sonst hat das Folgen für ihre Wettbewerbsfähigkeit.«
Aus Sicht von Alexander Gerfer, CTO von Würth Elektronik eiSos, gibt es genügend Dinge, »die einfach nur mal umgesetzt gehörten. Das reicht von intelligenten Stromzählern für Privatkunden bis zu den Investitionsentscheidungen zum Beispiel im Bereich der Bahntechnik«. Vissing sieht die optimistischere Stimmung, die sich durch die zur Verfügung stehenden Investitions-Milliarden am Markt verfestigt. »Es macht dann eben auch wieder mehr Spaß, aus diesem Deutschlandtief herauszukommen.« Allerdings ist das Sondervermögen für sich genommen für ihn diffus: »Ich sehe einfach noch nicht, wo da für uns wirklich konkret Aufträge aus diesem Sondervermögen ergeben.« Vielleicht wird sich das im weiteren Verlauf des Jahres 2026 ja noch aufklären.