Schwerpunkte

Arbeitgeberattraktivität in der Pandemie

Wer seine Angestellten fragt, muss ihre Antworten auch umsetzen

12. Mai 2021, 13:29 Uhr   |  Von Prof. Dr. Gunther Olesch, ehemaliger Geschäftsführer und CHRO von Phoenix Contact und heute Geschäftsführer der Gunther Olesch Performance UG.

Wer seine Angestellten fragt, muss ihre Antworten auch umsetzen
© Prof. Dr. Gunther Olesch

Prof. Dr. Gunther Olesch,ehemaliger Geschäftsführer und CHRO von Phoenix Contact und heute Geschäftsführer der Gunther Olesch Performance UG

Prof. Gunther Olesch hat als langjähriger oberster Personaler von Phoenix Contact aus dem Hidden Champion aus der Provinz einen deutschlandweit beachteten Arbeitgeber gemacht. Hier erklärt er sein Rezept, das er inzwischen auch als selbstständiger Unternehmensberater vermittelt.

Die Corona-Pandemie hat 2020 den Bedarf an neuem Personal stark eingeschränkt. Man wollte die Pandemie abwarten und vor allem den Cashflow sichern, um durch die Krise zu kommen. Ende 2020 und zu Beginn 2021 hat trotz Corona sich die Nachfrage nach Industrieprodukten aus Deutschland deutlich erhöht. China und die USA sind dabei besonders starke Treiber. Dadurch steigt auch wieder der Personalbedarf.

Jetzt zeigt sich wieder die demografische Entwicklung als eine besondere Herausforderung. Es wird in Zukunft weiter weniger Fachkräfte geben; von 2010 bis 2030 werden es ca. 2,9 Millionen Arbeitnehmende weniger sein (Bild 1). Diese können entscheiden, zu welchem Arbeitgeber sie gehen wollen. Ihre Entscheidung wird heute u.a. durch Kununu, Great Place to Work oder Top Employer beeinflusst. Wer hier ein attraktives Image als Arbeitgeber hat, wird eher qualifizierte Mitarbeitende gewinnen und auch halten.

Bilder: Prof. Dr. Gunther Olesch
© Bilder: Prof. Dr. Gunther Olesch

Bild 1: Der demografische Wandel führt zu einer Abnahme von Fachkräften.

Daher ist es besonders wichtig, ein exzellentes Arbeitgeber-Image gerade jetzt in der Pandemie auszubauen. Wenn man exquisite HR-Arbeit leisten will, ist es wichtig, eine starke HR-Vision zu haben und sie zu leben. Ich nenne sie auch „den Nordstern“, weil der uns Menschen stets Orientierung gibt. Eine starke Vision gibt Kraft, herausfordernde Wege zu beschreiten, Widerstände zu überwinden und Rückschläge hinzunehmen. Folgende Vision hatte ich als Geschäftsführer bei Phoenix Contact einst definiert:

  • Human Relations Vision: Wir sind einer der besten Arbeitgeber.
  • Bei Wettbewerben (z.B. Top Job, Top Employer, Great Place to Work) erreichen wir die ersten drei Plätze.
  • Der Schlüssel des wirtschaftlichen Erfolges sind die Mitarbeitenden und die Unternehmenskultur.
  • Wenn Mitarbeitende sich gut behandelt fühlen, sind sie leistungsbereiter, wodurch das Unternehmen wirtschaftlich erfolgreicher wird.
  • Daher ist das Ermitteln der Zufriedenheit von Mitarbeitenden ein wichtiger Faktor. Denn auf dieser Basis können Verbesserungen angestrebt werden, die schließlich dazu führen, den Unternehmenserfolg zu erhöhen.

Während die klassische Unternehmensbilanz aus vielen Zahlen und KPIs besteht, fällt es vielen HR-Managern jedoch schwer, messbare Größen zu definieren. Anhand von Fluktuation, Krankenstand, Anzahl der Bewerbungen, Besetzungsquote und -dauer der am Arbeitsmarkt offerierten Stellen sowie der Anzahl der Zugriffe auf Beurteilungsplattformen wie Kununu oder glassdoor kann zusammen mit Beurteilungen von Arbeitnehmern eine HR-Bilanz erstellt werden. Dabei gelten in HR häufig qualitative Daten. Die hier beschriebene HR-Bilanz enthält mehr quantitative Fakten, aus denen man Optimierungen ableiten kann. Wir haben 1995 begonnen, diese zunächst durch eigens entwickelte Fragebögen zu ermitteln. Nach sechs Jahren sind wir davon abgegangen, weil es skeptische Stimmen gab, dass das HR-Management durch Gestaltung der Fragen und Auswertung ein gesteuertes Ergebnis erzeuge. Das stimmte zwar nicht, aber allein der Verdacht ließ uns auf neutrale, externe Dienstleister wie Top Job, Great Place to Work und Top Employer zugreifen.

Der Vorteil: Man kann bei diesen Institutionen nicht nur neutrale Befragungen und Auswertungen durchführen lassen, sondern positive Ergebnisse auch für sein Employer Branding nutzen. Weil diese Anbieter Benchmarks realisieren, kann man sich mit anderen Unternehmen vergleichen, um zu erfahren, wie gut man als Arbeitgeber abschneidet. Phoenix Contact wurde auf diese Weise über Jahre hinweg als Produktionsunternehmen mit Dreischichtsystemen zwölf Mal bester Arbeitgeber Deutschlands und wird aktuell bei Kununu mit 4,1 bewertet (Stand: April 2021).

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2. Das HR-Management

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