Mobilitätstransformation

Wegfallende Arbeitsplätze lassen sich nur teils kompensieren

5. Mai 2021, 11:28 Uhr | Irina Hübner
Die aktuellen Studienergebnisse basieren auf heutigen Szenarien für die Elektrifizierung von Pkw und leichten Nfz bis zum Jahr 2040.
Seit 2018 führt FEV Consulting im Auftrag des VDMA die Studie »Antrieb im Wandel« durch, die fortlaufend Entwicklungen und Potenziale der Automobilindustrie aufzeigt.
© FEV Consulting

Die VDMA-Studie »Antrieb im Wandel« widmet sich der Mobilitätstransformation. Die jüngsten Studienergebnisse berücksichtigen aktuelle Szenarien für die Elektrifizierung von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen bis zum Jahr 2040.

Die Automobilindustrie befindet sich aufgrund von Emissionsgesetzgebungen, geplanten Verbrennungsmotor-verboten in einigen Ländern und der Elektrifizierung in einem tiefgreifenden Transformationsprozess. Die jüngsten Daten der von FEV Consulting durchgeführten Analyse »Antrieb im Wandel« zeigen, dass bis zum Jahr 2040 knapp 45 Prozent der weltweit verkauften Pkw batterieelektrisch und mit Brennstoffzelle betrieben werden. 55 Prozent der verkauften Pkw entfallen bis dahin weltweit auf Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, womit ihr Anteil in diesem Bereich um 16 Prozent sinken wird.

Die Wertschöpfung verschiebt sich

Das hat erhebliche Auswirkungen auf die Wertschöpfung und Investitionen in den automobilen Kernmärkten. »Insbesondere elektrische Systeme und Komponenten wie die Batterie, der Elektromotor und die Leistungselektronik, aber auch Brennstoffzellenkomponenten sind im Zuge der Transformation im Mobilitätsbereich die Wachstumstreiber. Bis 2040 erwarten wir alleine für elektrische Antriebsstrangkomponenten eine Steigerung um rund 75 Prozent auf 403 Milliarden Euro.

Zugleich verschiebt sich die Wertschöpfung deutlich von fertigungsintensiven Aktivitäten hin zu einer höheren Materialintensität. Die Wertschöpfung durch die Fertigung reduziert sich und wird in die vorgelagerte Wertschöpfungskette verschoben«, kommentiert Prof. Stefan Pischinger, Vorsitzender der Geschäftsführung der FEV Group.  

Falls keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden dürfen
Aufgrund der strengeren Schadstoff- und CO2-Emissionsgesetzgebungen prognostiziert die Studie einen starken Umbruch weg von Technologien und Komponenten für den konventionellen, ausgereiften Verbrennungsmotor hin zu Komponenten für den elektrischen Antriebsstrang. Die Studie zeigt mögliche Szenarien auf, von denen sich eines damit befasst, dass in Europa 2040 gegebenenfalls keine Neuwagen mit Verbrennungsmotor mehr verkauft werden dürfen. So könnten klassische Verbrennertechnologien einen Rückgang von 80 Prozent verzeichnen.  

»Die Transformation im Mobilitätsbereich ist in vollem Gange. Insbesondere der Wandel in den Antriebstechnologien wird in den kommenden Jahren deutlich zu sehen sein, mit hohen Anteilen für batterieelektrische Fahrzeuge und Brennstoffzellenfahrzeuge. Der Maschinen- und Anlagenbau steht als Technologielieferant im Zentrum der Entwicklung«, sagt VDMA-Präsident Karl Haeusgen.

Auswirkungen auf Arbeitsplätze in der Automobilindustrie

Die vorangegangenen Faktoren haben auch Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in der Automobilindustrie. So zeigen die Untersuchungen, dass die durch neue Technologien generierten Arbeitsplätze (420.000) nur teilweise die wegfallenden Arbeitsplätze ausgereifter, konventioneller Technologien (580.000) kompensieren werden. Der Maschinenbau kann – sofern er die Möglichkeiten des Wandels nutzt – sein Niveau von 55.000 Arbeitsplätzen im Bereich Pkw-Antriebe erhalten.

Zusätzliche Arbeitsplätze entstehen in den vorgelagerten Prozessen der Lieferkette, zum Beispiel bei der Verarbeitung von Rohstoffen für Batteriezellen. Zudem werden durch notwendige Investitionen in die Infrastruktur, etwa Ladestationen oder eine Wasserstoff-Lieferkette, neue Geschäftspotenziale generiert. Durch vernetzte Fahrzeuge und digitale Dienstleistungen werden – unabhängig von der Transformation – weitere Geschäftsfelder erschlossen. 

Hohe Investitionen sind nötig

Um die zukünftigen Antriebe zu produzieren, wird mit einem jährlichen inflationsbereinigten Investitionsvolumen von rund 11,5 Milliarden Euro in Europa gerechnet. »Der Transformationsprozess stellt die Unternehmen vor gewaltige Aufgaben. Öffentliche Mittel müssen am Anfang der Wertschöpfungskette investiert werden – in Forschung und Lehre, in berufliche Qualifizierung und somit auch in intelligente Produktionstechnologien und Produkte«, sagt Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer.  

Technologieoffenheit ist Voraussetzung

Die Voraussetzung für einen erfolgreichen Transformationsprozess ist Technologieoffenheit und die jeweils beste Alternative für die unterschiedlichen Anwendungen zu entwickeln, anstatt sich ausschließlich auf eine Technologie zu beschränken. Daher empfiehlt FEV zur Erreichung der Klimaziele zusätzlich zur Elektromobilität den Einsatz von synthetischen Kraftstoffen. Deren Rückwärtskompatibilität sorgt für einen CO2-neutralen Betrieb der Bestandsflotten mit herkömmlichem Antrieb.

Die Studienergebnisse sind im FEV-Whitepaper »Vehicle Electrification and the Transformation of the Industry« zusammengefasst.

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