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M&T-Umfrage zu passiven Bauelementen

Sorgt 5G für die nächste Bauteileknappheit?


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

»Allokation kann 2020 noch einmal Fahrt aufnehmen«

Vor dem Hintergrund dieser Äußerungen verwundert es nicht, dass auch die Distributoren hellhöriger geworden sind. »Aus mehreren Quellen bekommen wir die Information, dass die Allokation 2020 durchaus noch einmal Fahrt aufnehmen kann«, bestätigt etwa Annette Landschoof, Produktmanager passive, elektromechanische Bauteile, Komponenten und Geräte bei Schukat electronic, »und wir dann wieder die gleiche Situation haben werden wie 2018«. Sie verweist darauf, dass von einzelnen Herstellern bekannt sei, dass sie Personal abgebaut und die Produktion sowie die Vormaterialbeschaffung zurückgefahren haben. »Das kann zum Verhängnis werden, wenn die Nachfrage auf dem Markt, getrieben von 5G, Automotive und e-Mobility, wieder steigt«, so Landschoof. »Wir sehen einen Versatz von ein bis zwei Quartalen, bis hier in Europa spürbar wird, was in Asien aktuell ist.«

»Fakt ist, dass der Ausbau von 5G sowie angehängte Produkte und Applikationen beachtliche Mengen an MLCCs verschlingen wird«, erklärt Stefan Sutalo, Marketing Director Passive Components bei Rutronik. »Es wird nach unserer Einschätzung ab Mitte des Jahres in Europa wieder zu einer Verknappung kommen, da für den 5G-Ausbau Produktionskapazitäten in Asien abgezogen werden.« Sutalo fordert auch dazu auf, »einmal über den Tellerrand zu schauen und sich die Aktienkurse der Hersteller passiver Bauelemente anzusehen, da kann man seit dem 3. Quartal 2019 wieder einen enormen Zuwachs beobachten«.

»Wir sehen in Asien Verknappungen bei hohen Kapazitäts­werten von über 10 µF«, kommentiert Joachim Pfülb, Vice President Sales Components bei Beck Elektronik Bauelemente, die Entwicklung der letzten Monate. »Bei uns kommen mehrfach die Woche Anfragen über Millionen Stück rein.« Er verweist darauf, dass der Markt in China wieder wächst, dass auch 5G läuft sowie alle Lagermengen in China offenbar wieder aufgebraucht sind. »Es wird wieder von der Produktion gelebt, und die kann die Nachfrage nicht so schnell bedienen wie benötigt.«

»Bedeutende Zulieferer für die Telekommunikationsbranche spüren die Auswirkungen der Entwicklungen im 5G-Bereich sicher mehr als andere Anbieter«, gibt Elisabetta Bianchi, Director Product Management Passives EMEA bei Arrow Electronics, zu Bedenken. »Eine Fokussierung der Hersteller auf den 5G-Bereich könnte gegebenenfalls zu Engpässen im Automotive-Bereich und bei größeren Bauformen führen.«

Akquisitionen sind Zeichen für sich drehende Situation

»Aufgrund des momentan zu verzeichnenden Anstiegs der Bedarfe in Asien in Bezug auf neue iPhones, 5G, Electrical Cars, Medical und Telekommunkation ist die Gefahr höherer Lieferzeiten durchaus wieder gegeben«, stellt auch Jean Quecke, Sales Director (IPE) Cental Europe bei Future Electronics, fest. »Nach dem Crash des asiatischen Marktes läuft es nun wieder besser, und es ist schwierig, Personal, welches zuvor entlassen wurde, nun wieder zu finden.« Ein weiterer Indikator für die sich drehende Marktsituation in Asien sind für ihn auch die jüngsten Akquisitionen in der Branche: »Warum kauft man sonst für einen sehr hohen Preis einen Konkurrenten?« Wohl auch, um unter anderem an zusätzliche Produktionskapazitäten zu kommen.

»Der letzte Salesman Talk hat zu massiven Markteinschränkungen geführt«, warnt Harald Sauer, Director Taiyo Yuden Europe. »Wenn jeder die Zeichen im Markt erkennt und ernst nimmt, kann viel im Vorfeld abgefangen werden.« Werden die Warnungen jedoch als Salesman Talk abgetan, so seine Einschätzung, »kann es erneut zu einer unerwünschten Markteinschränkung kommen, die dieses Mal eventuell auf kleinere Bauformen beschränkt sein wird«.


  1. Sorgt 5G für die nächste Bauteileknappheit?
  2. »Allokation kann 2020 noch einmal Fahrt aufnehmen«

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