Rohmaterialpreise für Batterien

In China wird nur noch gegen Vorkasse geliefert

11. April 2022, 14:00 Uhr | Engelbert Hopf
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Zum Teil um den Faktor 5 sind einzelne Rohstoffpreise im Bereich der Batterie- und Akku-Produktion in den letzten 12 Monaten gestiegen. Ein Ende der Entwicklung ist noch nicht abzusehen.
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Kupfer, Lithium, Nickel und Kobalt: Das sind die Preistreiber im Bereich Lithium-Ionen-, aber auch anderer Batterien und Akkus. In den letzten Wochen hat sich die Preisentwicklung noch einmal beschleunigt. Der Krieg in der Ukraine erschwert zudem vor allem die Transport- und Logistikaspekte.

Wie eine aktuelle Umfrage der Markt&Technik unter Batterie- und Akku-Herstellern sowie Distributoren und Konfektionären zeigt, ist für 2022 mit Preissteigerungen bei Lithium-Ionen-Akkus von bis zu 30 Prozent zu rechnen. Alle Befragten machen zudem klar, dass die Preiserhöhungen direkt an die Kunden weitergegeben werden.

Wie volatil die Situation ist, zeigt die Antwort von Marc Eichhorn, Product Marketing Manager Batteries bei Avnet Abacus: »Speziell aufgrund der Vorgänge am Nickel-Markt haben manche Hersteller sogar temporär die Annahme neuer Aufträge für Nickel-Metallhydrid-Zellen komplett ausgesetzt, bis sich die Situation wieder beruhigt.« Hinzu kommt, dass die Angebotsgültigkeit der Zellenhersteller nach seinen Worten inzwischen oft nur noch wenige Tage beträgt: »Preislisten sind teilweise ausgesetzt, um auf die volatilen Marktbedingungen reagieren zu können; längerfristige Preisfestschreibungen können einfach nicht gewährt werden.«

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Marc Eichhorn, Avnet Abacus: »Derzeit beträgt die Angebotsgültigkeit oft nur wenige Tage. Preislisten sind teilweise ausgesetzt, um auf die volatilen Marktbedingungen reagieren zu können.«
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Timo Schmidt, Jauch Quartz: »Aktuell gibt es Batterierohstoffe in China nur gegen Vorkasse. Da nicht alle Hersteller die teuren Preise zahlen können, wird es zu einer Selektion auf dem chinesischen Markt kommen.«
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Wie volatile die Preisentwicklung in einigen Rohstoffbereichen ist, zeigen etwa Statistiken der Preisagentur Fastmarkets MB. So erhöhte sich etwa der Preis für batteriefähiges Lithiumcarbonat allein im Zeitraum von 18. Februar bis zum 18. März dieses Jahres um 11,5 Prozent. Bei hochgradig kugelförmigem Graphitpulver mit einem Durchmesser von 15 Mikrometer erhöhte sich der Preis im gleichen Berichtszeitraum sogar um 14,1 Prozent. Betrachtet man die Preisentwicklung etwa bei Lithiumcarbonat über einen Zeitraum von einem Jahr, wie es Scott Yarham, Associate Regional Pricing Director für Metals in EMEA bei S&P Global Commodity Insights, einem Preis-Informationsdienst für den Handel mit Energie, Rohstoffen und Agrarprodukten, tut, dann stieg der Preis seither sogar um 545 Prozent und erreichte mit 71.000 Dollar pro Tonne zuletzt ein All Time High.

»Die Kosten für Batterie-Packs sind gestiegen, und die Batteriehersteller haben öffentlich angekündigt, dass die Preise weiter steigen werden«, so Yarham. »Das ist sehr ungewöhnlich, da die Batteriekosten seit Jahren kontinuierlich gesunken sind.« Schwere Versorgungsengpässe bei Nickel und Kobalt sowie die begrenzte Verfügbarkeit von Lithium führen am Markt nach seiner Einschätzung zu der Erwartung, dass der Aufwärtsdruck auf die Batteriekosten weiter anhalten wird. Gefragt nach den Auswirkungen des Ukrainekrieges auf die Rohstoffversorgung, antwortet Yarham, »dass die künftige Versorgung mit Nickel der Klasse 1, welches zur Herstellung von Nickelsulfat verwendet wird, zwar fraglich sei, derzeit aber keine unmittelbaren Auswirkungen zu erkennen seien«.

Mit welchen Problemen die Großen unter den Batterieherstellern kämpfen, auch wenn sie sich mit ausreichend Material eingedeckt haben, zeigt die Antwort von Oliver Sonnemann, Department Head Battery Sales bei Panasonic Industry Europe: »Auch die Transportzeiten der Rohmaterialien zu unseren Fabriken haben sich verlängert.« Vor Ort, in den chinesischen Produktionsstätten von Panasonic, scheinen limitierte Energieverfügbarkeiten die Produktion zu behindern. Verlängerte Verschiffungszeiten von Asien nach Europa haben zuletzt dazu geführt, dass Sonnemann inzwischen von einer Lieferzeit von sechs Monaten ausgeht. »Diese Zeit kann sich aber in Bezug auf die Zuteilung drastisch verändern. Somit fällt es uns schwer, hier eine klare Aussage zu treffen.« Angesichts der Probleme im Lithium-Ionen-Bereich empfiehlt der Panasonic-Manager einmal mehr, »bei kleineren Bedarfen Nickel-Metallhydrid-Batterien zu verwenden, da diese sicherlich besser verfügbar sind«.

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Oliver Sonnemann, Panasonic Industry Europe: »Unter dem Eindruck der Entwicklung im Lithium-Ionen-Bereich kann ich nur empfehlen, für kleinere Bedarfe NiMH-Batterien zu verwenden, da diese sicherlich besser verfügbar sind.«
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Aus Sicht von Varta ist klar, »dass wir unsere Kunden weiterhin wie geplant beliefern können; wir haben speziell für unser Solutions-Geschäft unseren Supply rechtzeitig abgesichert«. Bei Varta ist man aber auch der Ansicht, »dass sich der Krieg in der Ukraine auf die Preisgestaltung auswirken wird. Dies wird teilweise zu Kostensteigerungen führen«.

»Den Kostenanstieg, den wir seit zwölf Monaten sehr stark beobachten«, so Holger Gritzka, CEO von Blackstone Technology, »werden in jedem Fall die Endkunden bezahlen müssen«. Er verweist darauf, dass große Player bereits ihre Lieferverträge für kleine Kunden gekündigt haben. Dr. Michael Roscher, Gründer von LioVolt, geht ebenfalls davon aus, dass die Preise für Zellen bei kleinen Abnahmemengen dramatisch steigen werden. »Einige asiatische Hersteller werden europäische Firmen gar nicht mehr beliefern. Die Hersteller werden nur noch diejenigen beliefern, die vertraglich den größten Hebel haben.«

»Es gibt Zellen, die sind unter Allokation; verlässliche Lieferzeiten zu nennen ist derzeit sehr schwierig«, berichtet Werner Suter, Geschäftsführer der Schweizer Tefag Elektronik. »Viele Unternehmen kämpfen derzeit täglich, damit sie das Material überhaupt bekommen!« Er rechnet mit Preiserhöhungen bis zu 25 Prozent: »Wir müssen diese höheren Preise an unsere Kunden weitergeben, es geht nicht anders.«

»Aktuell sind im Zellenmarkt Preissteigerungen von 10 bis 20 Prozent festzustellen«, schildert Marc Henn, Application Engineering Manager and Sales bei Tadiran Batteries seine Marktbeobachtungen; »aktuell gehe ich aber nicht davon aus, dass es zu einer noch stärkeren Verknappung bei 18650-Zellen kommt, da Industrieprojekte zwar im Allgemeinen weniger Volumen haben, aber margentechnisch oft interessanter sind«.

Eine Weitergabe der Preissteigerungen ist auch aus Sicht von Thilo Hack, Vorstand bei Ansmann, unumgänglich. Er weist auch darauf hin, dass sich die großen Player in Korea vermehrt der Zellgröße 21700 und dem Automotive-Bereich zuwenden. »Damit wird der Produkt-Range bei 18650-Zellen deutlich reduziert und auf Top-Seller fokussiert.« Dies hat zur Folge, dass qualitativ hochwertige Zellen aus China, die noch bis zum Ende der ersten Jahreshälfte 2021 gut verfügbar waren, nun auch von Engpässen und langen Lieferzeiten betroffen sind. Der Wegfall der Eisenbahnverbindung von China nach Europa durch den Ukrainekrieg hat für Hack zur Folge, »dass alle Güter, die dort transportiert wurden, nun zusätzlich auf den Seeweg drängen und dort die Kapazitäten weiter verknappen, was die Lieferzeiten weiter verlängert«.

Timo Schmidt, Head of Purchasing bei Jauch Quartz, macht darauf aufmerksam, dass in China nicht alle Hersteller die gestiegenen Preise für Batterierohstoffe zahlen können. »Aktuell sind dort Rohstoffe nur gegen Vorkasse zu bekommen, das wird zu einer Selektion auf dem chinesischen Markt führen.« Er macht aber auch noch auf ein anderes Problem aufmerksam: »Ein weiteres großes Problem sind die Kabel-Assemblierungen für Batterie-Packs. Inzwischen bewegen sich die Lieferzeiten namhafter Steckerhersteller zwischen 40 und 50 Wochen, und die Preissteigerungen in diesem Bereich bewegen sich zwischen 20 und 80 Prozent!«
 


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