Batterie-Recycling in Europa

Was tun mit all den Batterien?

11. März 2022, 8:30 Uhr | Natalia Soldan, Gerrit Bockey und Dr. Heiner Heimes, RWTH Aachen
Battery-News.de, RWTH Aachen, Batteries, Lithium, Recycling
Die in Europa installierten und angekündigten Recyclinganlagen, die bis Ende 2022 laufen sollen, entsprechen einer Gesamtkapazität von circa 112 Kilotonnen Lithium-Ionen-Batterien pro Jahr. Bis 2030 sollenv es mindestens etwa 277 Kilotonnen pro Jahr sein.
© Battery-News.de, PEM der RWTH Aachen

Durch die Mobilitätswende werden in nicht allzu ferner Zukunft zigtausende Tonnen ausgediente Lithium-Ionen-Batterien anfallen. Daher ist es nötig, sich schon heute Gedanken über deren Recycling zu machen. Bis Ende 2022 soll die Recycling-Kapazität 112 Kilotonnen an Batterien pro Jahr betragen.

Über 29 Prozent der Treibhausgasemissionen in Europa entfielen im Jahr 2018 auf den Verkehrssektor – hauptsächlich auf den Straßenverkehr. Tatsächlich sind die Emissionen in diesem Bereich in Deutschland bis 2018 im Vergleich zu 1990 lediglich um 0,8 Prozent gesunken. Andere Sektoren wie Landwirtschaft und Energiewirtschaft konnten im gleichen Zeitraum ihre Emissionen um über 30 Prozent senken. Betrachtet man Europa insgesamt, stiegen die Emissionen im Verkehrsbereich sogar um circa 30 Prozent. Der Grund dafür sind der steigende Mobilitätsbedarf, die Urbanisierung und die wachsende Bevölkerung. Allein in Deutschland stieg die Zahl der Kraftfahrzeuge von 1990 bis 2018 um 51,5 Prozent an.

Um den Bereich Mobilität nachhaltiger zu gestalten, setzt der Gesetzgeber auf Grenzwerte für die CO2-Emission von PKWs. Für das Jahr 2021 legte die EU einen Grenzwert von 95 g/km für PKWs fest, der bis zum Jahr 2030 auf 58,4 g/km sinken soll. Diese Maßnahme sowie weitere Anreize für eine nachhaltigere Mobilität treibt der Übergang von konventionellen Verbrennungsmotoren zu alternativen Fahrzeugantrieben an. Bis zum Jahr 2030 soll die Anzahl an batteriebetriebene Fahrzeuge in Europa 34 Millionen betragen. Im Jahr 2020 waren auf Europas Straßen lediglich circa 721.000 rein elektrische Fahrzeuge unterwegs.

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Entwicklung der Recyclingprojekte

Durch die zunehmende Verbreitung batterieelektrischer Fahrzeuge steigt in den kommenden Jahren der Bedarf an Lithium-Ionen-Batterien. Zeitlich versetzt dazu werden in Europa Recyclingkapazitäten für Lithium-Ionen-Batterien aufgebaut. Der Recycling-Markt befindet sich in einer frühen Phase mit hohen Wachstumsraten und zahlreichen Einstiegsmöglichkeiten. Dies macht sich bemerkbar in den zahlreich angekündigten Recycling-Projekten.

Die in Europa installierten und angekündigten Recyclinganlagen, die bis zum Ende dieses Jahres laufen sollen, entsprechen einer Gesamtkapazität von circa 112 Kilotonnen Lithium-Ionen-Batterien pro Jahr. Die Untersuchung zeigt, dass die Kapazität von Recyclinganlagen in Europa 2030 mindestens etwa 277 Kilotonnen pro Jahr betragen könnte.

Einige große Unternehmen, wie Redwood Materials und das Joint Venture aus Renault, Solvay und Veolia, haben bereits den Aufbau von Recyclinganlagen für die nächsten Jahre angekündigt. Die geplante Recycling-Kapazitäten wurden noch nicht öffentlich bekanntgegeben, da diese Anlagen noch in Planung sind. Bislang existiert für dieses Recycling keine etablierte Prozessroute, sodass verschiedene Kombinationen einzelner Recyclingprozesse und -technologien sich derzeit in Anwendung oder Erprobung befinden.

Trends im Recycling

Vor diesem Hintergrund startete das Production Engineering of E-Mobility Components (PEM) der RWTH Aachen im März 2022 eine Konsortialstudie. Darin soll ein strategischer Überblick erarbeitet werden, um die Trends und Herausforderungen im Bereich des Recyclings von Lithium-Ionen-Batterien frühzeitig zu erkennen. Mögliche Prozessschritte und Technologien werden unter die Lupe genommen, um zu erörtern, welche erforderlichen Kriterien und Anforderungen sie aktuell erfüllen und welche Entwicklungspotenziale erforderlich oder möglich sind. Die Studie möchte sowohl die technologischen als auch die wirtschaftlichen Aspekte des Batterie-Recyclings beleuchten.

Durch den Ansatz der Konsortialstudie werden Unternehmen zusammengeführt, die die genauen Inhalte der Studie beeinflussen können, um spezifisches Wissen nach den jeweiligen individuellen Bedürfnissen erwerben zu können. Aus diesem Grund ist die Studie für Product Owner, Anlagenhersteller, Material- und Recyclingspezialist besonders relevant, um Recyclingprozesse zu evaluieren und mit den Studienergebnissen auf den Markt der Batterierecycling einzusteigen oder sich im Bereich weiterzuentwickeln.


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