Forum Batterien+Akkus bei Markt&Technik

Leichte Entspannung bei Lieferzeiten

18. Juli 2022, 13:57 Uhr | Engelbert Hopf
Forum Batterien
Versammelte Batterie- und Akku-Kompetenz beim Round-Table der Markt&Technik.
© WEKA FACHMEDIEN

Bei Batterie- und Akku-Zellen deutet sich eine Entspannung der Liefersituation an. Bei Halbleitern für Batteriemanagement-Systeme ist genau das Gegenteil der Fall. Die Konsequenz daraus: Die Vorlaufzeiten für Akku-Packs bleiben hoch, mit einer Entspannung ist auch 2023 wohl kaum zu rechnen.

Vergleicht man die Situation mit der vor einem Jahr, »dann ist eine leichte Entspannung zu beobachten«, so Thilo Hack, Vorstand von Ansmann, im Rahmen des traditionellen Batterie-Forums der Markt&Technik mit Vertreter führender Batterie- und Akku-Spezialisten auf dem deutschsprachigen Markt. »Keine Verbesserung beobachten wir dagegen nach wie vor im Bereich der Komponenten für Batteriemanagementsysteme.«

Mit einer Entspannung bei dringend benötigten Komponenten wie Batterielade- und Management-ICs rechnen Experten wie Werner Suter, Managing Director der Schweizer Tefag Elektronik, »nicht vor Mitte 2023«.

»Mit einem gültigen Rahmenvertrag und rechtzeitigem Forecast liegen unsere Lieferzeiten heute etwa bei LG Chem bei sechs bis acht Monaten, wenn man Produktion und Logistikkette, also die Seefracht, zusammenzählt«, so Hack. »Diese Angaben beziehen sich auf Zellen, die in großen Stückzahlen hergestellt werden.« Bei Spezialitäten wie etwa besonders hochstromfähigen Zellen kann es aber auch deutlich länger dauern. So wird auf dem Forum von Zellen berichtet, die im April letzten Jahres bestellt wurden und wohl im Juli dieses Jahres geliefert werden.
Bei den 18650-Zellen aus Japan und Korea spricht Suter nach wie vor von teilweiser Allokation: »Da betragen die Lieferzeiten aktuell je nach Typ sechs bis zwölf Monate, teilweise werden sogar nach wie vor keine Liefertermine genannt.«

Bei den Zellen aus China sei die Situation besser, so der Schweizer: »Von dort kann man Zellen zum Teil mit Lieferzeiten von acht bis zwölf Wochen erhalten.« Da die Lieferzeiten für die benötigten Elektronikkomponenten der Batteriepacks jedoch nach wie vor zwischen 40 und 70 Wochen liegen, rät Suter seinen Kunden, »Batteriepacks und Akku-Systeme nach wie vor mit einem Vorlauf von mindestens 18 Monaten zu bestellen«.

Über die Hintergründe, warum sich die Liefersituation in den letzten Wochen leicht verbessert hat, herrscht Uneinigkeit in der Branche. Während manche davon ausgehen, dass zusätzlich geschaffene Produktionskapazitäten dazu beigetragen haben, vermutet Marc Eichhorn, Product Marketing Manager Batteries bei Avnet Abacus, »dass Kunden eventuell disponierte Ware freigegeben haben, weil sie dringend benötigte andere Komponenten für ihre Produktion nicht bekommen haben und deshalb nicht produzieren können«. Die hohen Preise, so Eichhorn, »haben die Kunden eine ganze Weile lang akzeptiert, damit ihre Linien weiterliefen, doch allmählich geht das in Bereiche rein, die die Kunden nicht mehr nachhaltig bezahlen können«.

Eichhorn Marc
Marc Eichhorn, Avnet Abacus: »Dass sich die Situation bei den Lieferzeiten für Batterien und Akkus leicht entspannt, könnte damit zu tun haben, dass Kunden ihre disponierte Ware freigeben, weil sie andere, dringend benötigte Komponenten nicht bekommen und deshalb nicht produzieren können.«
© Avnet Abacus
Suter Werner
Werner Suter, Tefag Elektronik: »Bei Zellen aus Japan und Korea herrscht teilweise immer noch Allokation. 18650-Zellen aus China sind zum Teil mit Lieferzeiten von acht bis zwölf Wochen erhältlich.«
© WEKA FACHMEDIEN
Hack Thilo
Thilo Hack, Ansmann: »Mit einem gültigem Rahmenvertrag und rechtzeitigem Forecast liegen unsere Lieferzeiten heute beispielsweise bei LG Chem bei sechs bis acht Monaten, wenn man Produktion und Seefracht zusammenzählt.«
© Ansmann

Dr. Jürgen Heydecke, Technical Director Battery Solutions bei Jauch Quartz, geht davon aus, »dass der Höhepunkt bei der Preisentwicklung im Zellbereich erreicht ist; jedenfalls deutet derzeit nichts darauf hin, dass es noch weiter nach oben geht«. Was ihn aber wirklich irritiert, ist der Umstand, dass es inzwischen weniger die Batterien und Akkus sind, die der Bottleneck in der Produktion darstellen, sondern Komponenten wie etwa Steckverbinder: »Dass da Lieferzeiten von bis zu 58 Wochen und mehr für Produkte aus Spritzgußwerkzeugen aufgerufen werden, ist schon kurios, das hätte ich so nicht für möglich gehalten!«

Unter dem Eindruck der Lieferschwierigkeiten der letzten zwei Jahre im klassischen 18650-Bereich durch die großen Drei – Samsung, LG Chem und Panasonic – haben sich viele Konfektionäre inzwischen nach qualifizierten chinesischen Lieferanten umgesehen. Ein Name, der in diesem Zusammenhang immer wieder fällt, ist BAK. Im Prinzip, das klingt bei der Diskussion durch, wurden die Konfektionäre dazu auch mehr oder minder direkt von den großen Drei aufgefordert. So ist es unter anderem bei Ansmann dazu gekommen, dass innerhalb von 16 bis 18 Monaten der Anteil gelieferter 18650-Zellen chinesischer Hersteller von 0 auf 10 Prozent gestiegen ist.
Vor dem Hintergrund der aktuell unsicheren Situation, etwa die weiteren Auswirkungen des russischen Angriffskrieges in der Ukraine, und ihrer massiv aufgefüllten Lager verhalten sich nicht nur Kunden, sondern auch die Konfektionäre zurückhaltend, was die Planungen und Erwartungen für die nächsten Monate betrifft. »Niemand will sich aktuell zu überhöhten Preisen die Lager weiter auffüllen«, stellt Eichhorn fest.

Im Hinblick auf technische Entwicklungen drehte sich die Diskussion der Forumsteilnehmer vor allem um Feststoffzellen. Während Festköperzellen nach Einschätzung von Professor Karl-Heinz Pettinger, Inhaber der Professur für Elektrische Energiespeicher an der Hochschule Landshut, noch etwa 10 bis 15 Jahre entfernt sein dürfte, zeichnet sich ab, dass die Feststoffzellen etwa zur Mitte des Jahrzehnts in größerer Zahl auf den Markt kommen werden. »Ihre Energiedichte dürfte um 30 Prozent über der theoretischen Energiedichte klassischer Lithium-Ionen-Batterien liegen«, prognostiziert Prof. Pettinger. In Serie gehende Produkte kündigt beispielsweise Raphael Eckert, General Manager für Sales & Marketing Components bei Yuasa Battery, für 2025 an.

Mehr über die aktuellen Marktentwicklungen und technischen Trends im Bereich der Batterie- und Akku-Technik sowie der Konfektionierung der Zellen erfahren Sie in unserem Trend Guide »Stromversorgung & Power Management«, der am 29. Juli erscheint. 


Das könnte Sie auch interessieren

Sakuu, Solid-State Battery, Batteries, Lithium

Lithium-Ionen-Batterien

Festkörperbatterie von Sakuu erreicht 800 Wh/l

Markt&Technik

Branche erweitert Kapazitäten

»Der Bedarf wächst exponentiell«

Mediaparts/stock.adobe.com

Rohmaterialpreise für Batterien

In China wird nur noch gegen Vorkasse geliefert

CATL, Anja Siegesmund, Matthias Zentgraf, Lithium, Batteries

Deutsche Gigafactory

CATL erhält Genehmigung für die…

State-of-Health-Prüfung der Fahrzeugbatterie.

Batteriematerialien / ZSW

Forschungsprojekt für nachhaltigere Batterien

Nissan Feststoffbatterien

Höhere Energiedichte, kürzere Ladezeiten

Nissan investiert in die Entwicklung von…

Ziel des Unternehmens StoreDot ist ein außergewöhnlich rasches Laden.

160 km in 5 Minuten Ladezeit

Volvo Cars investiert in neue Batterietechnik

Farasis

Nachhaltige Batterien

Farasis gelingt Direkt-Recycling von…

Energiespeicherlösungen von Farasis auf Basis von Lithium-Ionen-Technologie bieten vielfältige Einsatzmöglichkeiten.

Schnellladezeit unter 15 Minuten

Farasis präsentiert neue Batteriezell-Variante

Batterieproduktion bei Farasis.

Batterie-Rohstoffe sind Mangelware

Ziele der Hersteller für Elektromobilität in…

BMW Group Kompetenzzentrum Batteriezellfertigung in Parsdorf bei München.

Produktionsstart Ende 2022

BMW eröffnet Kompetenzzentrum für…

InnovationLab Evonik

Flexible gedruckte Festkörperbatterien

InnovationLab kauft Batterietechnologie von Evonik

Joint-Venture zwischen Stellantis und Samsung SDI

Stellantis/Samsung SDI

Joint-Venture für Fertigung von…

Varta

Varta bleibt trotz Krisen optimistisch

»Wir haben unsere Bedarfe langfristig abgesichert«

Customcells Manz Batteriezellen

Customcells und Manz

Kooperation für nächste Generation der…

Toyota Batteriespeichersystem

Batteriespeichersystem für Wohngebäude

Auto bei Stromausfällen als Energiequelle nutzen

TUM Batterie Forschung

Auf dem Weg zur Super-Batterie

Forschungs-Neutronenquelle ermöglicht Einblick in…

Audi Nunam E-tron Batterie

Second-Life-Anwendung

Audi-E-tron-Batterien elektrifizieren Rikschas in…

Webasto

Batterieboom bei Webasto

Neue Kunden, neue Werke, neue Aufträge

Webasto Dangjin

Expansion im Fernen Osten

Webasto verbreitert Footprint in Asien

Alsym Energy, Batteries, Lithium

Ohne Lithium und Kobalt

Kostengünstige Alternative zu…

ZVEI, Batteries, Battery

ZVEI-Fachverband Batterien

Deutschland löst sich von seiner Abhängigkeit von…

In einer Pilotanlage zur Batteriezellenproduktion im VW-Werk Salzgitter: eine Beschichtungsanlage für Elektroden.

Antriebswende

VW baut erstes deutsches Zellwerk

Lithium-Ionen-Module von GS Yuasa

Angespannte Liefersituation

Der Trend geht zum Tagespreis

Ab dem 17. Juni kann in den meisten europäischen Ländern die auf 30.000 Fahrzeuge limitierte 1st Edition des ID.3 verbindlich bestellt werden.

Zweites Leben für Batterien von E-Autos

VW testet Schnellladepark

Verwandte Artikel

Avnet Abacus, TEFAG ELEKTRONIK AG, ANSMANN AG