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Schlecht für die Mobilitätswende

Lithium-Ionen-Batterien dürften deutlich teurer werden

black_kira/stock.adobe.com
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Nach Informationen des Branchendienstes Shanghai Metals Market sind die Kosten für Batteriezellen im Jahr 2021 in China um 60 Prozent gestiegen. Grund sind die steigenden Kosten für Vorprodukte. Preissteigerungen um die 20 Prozent bei Batterien dürften unausweichlich sein.

Kürzlich äußerten sich einige Insider gegenüber dem Branchendienst Shanghai Metals Market (SMM) dahingehend, dass die wichtigsten chinesischen Batterieunternehmen ihren potenziellen Kunden mitgeteilt haben, dass sie die Preise neu verhandeln und das Angebot möglicherweise um etwa 20 Prozent nach oben anpassen werden. Laut SMM wird die chinesische Batterieindustrie wahrscheinlich einheitliche Preiserhöhungen erleben, während die langfristigen Verträge für das nächste Jahr derzeit mit den nachgelagerten Unternehmen verhandelt werden, woraus hervorgeht, dass die Unternehmen bestrebt sind, die Preise zu erhöhen.

Diese Preisrunde bei den Batterieunternehmen steht im Einklang mit den Erwartungen des Marktes. Die Preise für Lithium-Materialien sind in diesem Jahr erheblich gestiegen. So sind die Preise für Lithiumkarbonat in Batteriequalität seit Anfang Januar 2021 von umgerechnet 8770 Euro pro Tonne auf umgerechnet 27.850 Euro pro Tonne gestiegen, was einem Anstieg von 228 Prozent entspricht!

Die Preise für Lithium-Hexafluorophosphat sind ebenfalls von umgerechnet 15.300 Euro pro Tonne zu Beginn des Jahres auf umgerechnet 78.000 Euro pro Tonne gestiegen, was einem Anstieg von mehr als 400 Prozent entspricht! Auch die Preise für die vier wichtigsten Materialien für Lithiumbatterien sind gestiegen. Unter ihnen sind die Preise für ternäre Materialien, Lithiumeisenphosphat und Elektrolyt um 73 Prozent, 133 Prozent bzw. 172 Prozent gestiegen!

Angesichts der allgemein steigenden Preise für Rohmaterialien für Lithiumbatterien stiegen auch die Kosten für Lithiumbatterien weiter an. Die Kosten für herkömmliche prismatische ternäre 523-Batteriezellen stiegen von umgerechnet durchschnittlich 0,07 Euro pro Wattstunde im Januar 2021 auf umgerechnet 0,12 Euro pro Wattstunde im November, was einem Anstieg von 63 Prozent entspricht. Die Kosten für prismatische Lithium-Eisenphosphat-Batteriezellen stiegen ebenfalls von durchschnittlich 0,06 Euro pro Wattstunde im Januar auf 0,10 Euro pro Wattstunde im November, also um 62 Prozent.

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Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage

In den letzten Jahren sind die Kosten für Batteriezellen Jahr für Jahr gesunken, aber 2021 sind die Kosten um mehr als 50 Prozent gestiegen. Allerdings haben die Batteriehersteller ihre Preise auf dem Batteriemarkt in diesem Jahr nicht wesentlich angehoben, und für die meisten Lieferungen gelten nach wie vor die Preise vom Jahresanfang. Das allgemeine Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bei Batteriematerialien wird sich auch im nächsten Jahr nicht auflösen. Unter dem Einfluss des Produktionsrückgangs im Qinghai-Salzsee im Winter und der langsamen Ausweitung der Förderung in den Minen sind Angebot und Nachfrage insgesamt unausgewogen, sodass die Preise im nächsten Jahr voraussichtlich hoch bleiben werden.

Aufgrund der hohen Dichte an Unternehmen und der chemischen Eigenschaften der Produkte verläuft der Ausbau der Produktionskapazitäten für Lithium-Hexafluorophosphat nur schleppend, sodass die Preise wahrscheinlich nicht sinken werden. Die Verknappung anderer Lösungsmittel wird sich voraussichtlich in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres abschwächen, und die Preise für Elektrolyte werden kaum sinken. Fraglich ist auch, ob die Produktionskapazität für die Herstellung von Graphitelektroden im nächsten Jahr reibungslos freigegeben werden kann. Deshalb dürften die Preise für negative Elektroden nach wie vor steigen. Das knappe Angebot an Produktionsmitteln für Batterieseparatoren könnte sich im nächsten Jahr noch verschärfen und damit die Inbetriebnahme neuer Produktionskapazitäten für Separatoren beeinträchtigen, sodass auch deren Preise steigen könnten.

Insgesamt dürften die Preise für Rohstoffe für Lithiumbatterien auf einem hohen Niveau bleiben, und die Kosten dürften weiterhin schwer zu kontrollieren sein. Um den ordnungsgemäßen Betrieb der Zulieferbetriebe für Rohstoffe zu gewährleisten, müssen die Batteriehersteller ihre Angebote anheben. Und die Automobilhersteller werden eher bereit sein, die Preiserhöhungen zu akzeptieren, um ihre Produktionspläne für das nächste Jahr einzuhalten.

Gegenwärtig dürften die Kosten für Batteriezellen kaum sinken. Für die Automobilhersteller ist es gerade jetzt entscheidend, Marktanteile zu erobern. Daher ist es nicht nur wichtig, die Preise für Fahrzeuge zu erhöhen, sondern auch eine enge Zusammenarbeit mit den Herstellern von Zwischenprodukten und vorgelagerten Rohstoffen einzugehen, um die Kostenentwicklung schneller als die Konkurrenz zu erfassen und die Kosten für Batteriezellen in den Griff zu bekommen.


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