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Quo vadis – Industriestandort Deutschland?

09. März 2021, 12:00 Uhr   |  Tobias Schlichtmeier

Quo vadis – Industriestandort Deutschland?
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Tobias Schlichtmeier ist Redakteur im Cluster Electronics.

Seit Januar 2021 sinkt die Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG)-Umlage: von 6,756 auf 6,5 ct/kWh und im Jahr 2022 auf 6 ct/kWh. Laut BMWI wird die Differenz durch einen Zuschuss aus der Bundeskasse ersetzt. Jedoch ist das längst nicht alles.

Das Institut der deutschen Wirtschaft geht davon aus, dass die Umlage sukzessive sinkt und bis 2026 komplett entfällt. Ein Vierpersonenhaushalt könnte so jährlich mehr als 400 Euro einsparen.

Profitieren würden jedoch nicht nur Privathaushalte. Auch Unternehmen will die Bundesregierung mit dem Reduzieren der EEG-Umlage entlasten. Gerade für Betriebe aus dem Mittelstand sind die Einsparungen interessant. Sie kommen nicht immer über die Grenze von 1000 Megawattstunden Stromabnahme pro Jahr und somit zu einer Entlastung über das EEG. Geringere Strompreise sind für ein Absichern des Wirtschaftsstandorts Deutschland absolut essenziell.

Für ein Unternehmen aus der Halbleiterbranche kommt das jedoch zu spät. Seit Kurzem hält der Konzern GlobalWafers aus Taiwan die Mehrheit der Aktien am Münchner Wafer-Hersteller Siltronic – Grund für die Übernahme sind nach Angaben des Handelsblatts hauptsächlich die hohen Strompreise sowie die hohen Personalkosten in Deutschland. Kein Wunder, dass manche Firmen lieber in China produzieren – jedoch auf Kosten von höheren CO2-Emissionen und der Natur. Schade für die Umwelt, den Wirtschaftsstandort Deutschland und die europäische Halbleiterindustrie.

Gerade die Corona-Krise sollte doch allen gezeigt haben, dass der Umweltschutz derzeit an erster Stelle steht. Ein Baustein, der in Zukunft noch viele CO2-Emissionen verhindern kann, ist die Digitalisierung. Eine Studie von Accenture im Auftrag des Digitalverbands Bitkom zeigt auf, wie Deutschland mithilfe digitalisierter Prozesse und Innovationen seinen Abgasausstoß reduzieren kann – von 805 Megatonnen im Jahr 2019 auf 543 MT im Jahr 2030. Bei einer moderaten Entwicklung können 24 Prozent der gesamten Einsparungen mithilfe der Digitalisierung gehoben werden, bei einem beschleunigten Digitalisieren sogar 38 Prozent. Hierbei liegt der größte Hebel im Bereich der fertigenden Industrie.

Wie Digitalisierung erfolgreich gestaltet wird, zeigt Conrad Connect mit seiner IoT-Plattform. Mit ihr lassen sich Geräte, Apps und Services miteinander vernetzen. Wie das genau funktioniert, lesen Sie im Interview mit Andreas Bös in Ausgabe 5 der Elektronik auf Seite 42. Er sagt: »Nur mit Digitalisierung wird es uns gelingen, die großen Herausforderungen unserer Zukunft wie den Klimaschutz anzugehen.«
Zur Sicherung des Industriestandorts Deutschland sollten jetzt alle Hebel in Bewegung gesetzt werden.

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