inpotron Schaltnetzteile

»Wir kaufen alle Komponenten, die wir kriegen können«

4. April 2022, 14:30 Uhr | Engelbert Hopf
Hermann Püthe
Hermann Püthe, Geschäftsführender Gesellschafter inpotron Schaltnetzteile
© WEKA FACHMEDIEN

Für Hersteller kundenspezifischer Stromversorgungen stellt die aktuelle Beschaffungssituation eine besondere Herausforderung dar. Bei inpotron Schaltnetzteile gewährleisten eine dynamische Einkaufsstrategie und der Aufbau eines Lagers im Wert von knapp 10 Millionen Euro die Produktionssicherheit.

Markt&Technik: Sie haben im letzten Jahr ein Wachstum von 15 Prozent für die inpotron Schaltnetzteile angestrebt. Ist das letztlich gelungen?

Hermann Püthe: Ja, wir haben fast eine Punktlandung hingelegt und sind bei 27,3 Millionen Euro rausgekommen. Hätten wir über die Lieferkette ausreichend Material bekommen, hätten wir auch locker einen Jahresumsatz von 30 Millionen Euro erreichen können. Aber das war uns nicht vergönnt.

Ihr mittelfristiges Ziel war es, den Umsatz bis 2028 auf bis zu 50 Millionen Euro zu verdoppeln. Erscheint das unter den aktuellen Rahmenbedingungen möglich?

Wir haben uns dieses Ziel der Umsatzverdopplung im Jahr 2018 gesetzt. Aus heutiger Sicht bewegen wir uns da ganz genau im Zielkorridor. Ich würde sogar soweit gehen zu sagen, wir werden unser ursprüngliches Ziel wohl übertreffen und 2028 voraussichtlich ein Umsatzfenster von 55 bis 60 Millionen Euro erreichen.

inpotron erzielt 80 Prozent des Umsatzes in Deutschland. Wirkt sich der Krieg in der Ukraine überhaupt auf Ihre Geschäftsentwicklung aus, und wenn ja, in welcher Form?

Unsere wichtigsten Kunden kommen aus dem Bereich der Industrieelektronik, wir sind nicht so stark im klassischen Maschinen- und Anlagenbau vertreten, darum würde ich direkte Auswirkungen eher verneinen, aber das ist aktuell einfach schwer einzuschätzen. Aber ich wage die These, dass der Krieg und die jetzt getroffenen Sanktionen die russische Wirtschaft härter treffen, als sich das die Gruppe um Putin vorstellen konnte. Sie haben die Vernetzung der Weltwirtschaft unterschätzt. Für die westlichen Industrienationen würde ich hingegen mittel- und langfristig von einer wirtschaftlichen Belebung nach dem Ende des Ukraine-Krieges ausgehen.

Sie errichten aktuell einen Neubau, der zukünftig Ihre gesamte Fertigung um 4800 m2 erweitern soll. Liegen Sie da im Zeitplan?

Für uns war wichtig, dass wir vor Winterbeginn die Gebäudehülle fertig hatten. Seither läuft der Innenausbau. Ich bin zuversichtlich, dass wir in diesem Sommer wie geplant in das neue Fertigungsgebäude einziehen können und die Fertigung dort nach den Sommerferien im September die Produktion aufnimmt.

Aktuell treibt Omikron in Deutschland die Inzidenzwerte in ungekannte Höhen. Gibt es überhaupt einen Schutz gegen Omikron-Ausbrüche in der Produktion?

Wir beschäftigen rund 230 Mitarbeiter im Unternehmen. Davon sind aktuell 16 von Omikron betroffen. Entweder sind sie selbst erkrankt, oder sie kümmern sich in Quarantäne um Familienangehörige. Schulkinder sind da nach wie vor ein großes Einfalltor für die Infektion in Familien. Aber diese 5 Prozent »Betroffene« in der Produktion sind aktuell wirklich unser allerkleinstes Problem. Wichtig aus unserer Sicht ist, dass wir seit Ausbruch der Corona-Pandemie hier bei inpotron Schaltnetzteile niemanden hatten, der schwer erkrankt war.

Mehr als die Hälfte Ihrer 50 Entwickler beschäftigen sich derzeit mit der Qualifizierung alternativer Komponenten. Betrifft das vor allem bestimmte Produkte und Hersteller?

Dioden, MOSFETs und Operationsverstärker sind immer gute Kandidaten dafür. Wir schauen uns nach Alternativen um und kaufen dann nach Datenblatt. Aufgabe unserer Entwickler ist es dann zu überprüfen, ob diese alternativen Bauteile in unseren Schaltungen funktionieren. Da gilt es dann etwa EMV- oder Wirkungsgradbeeinträchtigungen zu beachten oder auch Zulassungsvoraussetzungen. Wir haben aktuell eine Liste von 80 Bauelementen, die uns in Zukunft Probleme bereiten könnten. Wir binden in diese Beratungen auch die Kunden ein. Vielleicht besteht ja die Möglichkeit, über den Einkauf eines milliardenschweren Kunden doch noch an die ursprünglichen Bauelemente zu kommen. Der Aufwand ist auf jeden Fall exorbitant und unsere Kunden jammern, wenn wir mal zwei Wochen in Lieferverzug sind.

Sie arbeiten mit namhaften Distributoren zusammen. Ist deren Liefer-Performance befriedigend? Welche Möglichkeiten der Verbesserung haben Sie gefunden?

Prinzipiell ist die Liefer-Performance bei den passiven und elektromechanischen Bauteilen besser als bei Halbleitern. Das ist ein absoluter Verteilermarkt, da müssen wir uns nichts vormachen. Dazu kommt, dass es vor allem auch bei den großen Distributoren regelmäßig zu Personalwechseln kommt. Langfristige Beziehungen ergeben sich da selten. Das sieht etwas anders bei kleineren Spezialdistributoren aus, mit denen wir seit 20 Jahren und mehr zusammenarbeiten. Da kämpfen unsere Partner wirklich für uns. 

Letztlich verwalten die Distributoren aber auch nur den Mangel. Sie sind abhängig von den Halbleiterherstellern und deren Zuteilungen.

Zuteilung ist ein gutes Stichwort. Wenn uns etwa ein Last Time Buy für einen PWM-Controller angekündigt wird, reagieren wir natürlich umgehend. Wir bestellen dann 800.000 Bauteile, um es auch noch in den nächsten Jahren in unseren Schaltungen einsetzen zu können. Die Auftragsbestätigung streicht dann aber unser Ordervolumen zusammen und wir bekommen noch 80.000 Bauteile. Das zwingt uns natürlich zu handeln. Auf dem normalen Markt werden wir diese Bauelemente wohl eher nicht bekommen. Wenn wir dann für einen Transistor, der normalerweise 18 Cent kostet, nun 1,70 Euro zahlen müssen und davon 15.000 Stück benötigen, wird deutlich, über welches Add-on wir sprechen.

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