Erfolgreiche Personalarbeit

»Wir hüten und pflegen unsere Kultur wie einen Schatz«

24. Mai 2022, 13:39 Uhr | Corinne Schindlbeck
Top Job
Geschäftsführer Hermann Püthe und die Kolleginnen vom Team Personal (von links: Marisa Albanese, Simone Meister, Sissy Reck) nehmen den »Top Job Award 2022« entgegen. Immer höhere Gehälter im Wettbewerb um Fachkräfte lehnt inpotron-Gründer und Geschäftsführer Hermann Püthe ab. Und setzt stattdessen auf eine wertschätzende Unternehmenskultur.
© Top Job

Inpotron wurde gerade zum dritten Mal als Arbeitgeber ausgezeichnet. Der Stromversorgungsspezialist baut im Wettbewerb um Fachkräfte auf seine familiäre Unternehmenskultur, die von Personalentwicklerin Simone Meister mit viel Herzblut gepflegt wird. Bekommt man dadurch auch mehr Bewerbungen? 

Markt&Technik: Frau Meister, welche Ingenieure und Fachkräfte suchen Sie derzeit vor allem?

Simone Meister: Das waren und sind vor allem Elektroniker und Prozessbetreuer für die Bereiche SMT, THT und Montage, Hardware-Entwickler, Fachinformatiker sowie Projektleiter und Technische Projektleiter. Aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Fertigung sowie Fachkräfte, insbesondere in Einkauf und Finanzbuchhaltung. Und für unser Team Personal ein Kommunikationstalent, das uns im Bereich Kultur & Kommunikation unterstützt. Hier haben wir bei Top Job besonders gut abgeschnitten und möchten das gerne weiter ausbauen. 

Bei Top Job machen Sie seit 2018 mit. Was ist für Sie der Vorteil von Mitarbeiterbefragungen?

Tatsächlich haben wir bereits vor 2018 Mitarbeiterbefragungen durchgeführt. Immer mit dem Ziel, zu erfahren, wie zufrieden unsere Mitarbeiter sind und was es bedarf, damit sie es bleiben bzw. zufriedener werden. Auf Basis dieser Rückmeldungen vor 2018 hatten wir einige Veränderungen in unserer Arbeitswelt vorgenommen und wollten anschließend mit der Teilnahme an Top Job herausfinden, ob diese Veränderungen wahrgenommen und positiv bewertet werden. Und auch der Benchmark mit anderen, vergleichbar großen Unternehmen spielte eine Rolle. Wir erhoffen uns weiterhin ehrliche und offene Rückmeldungen von unseren Mitarbeitern, um als Arbeitgeber am Puls der Zeit zu bleiben. 

Was hat sich seit Ihrer ersten Teilnahme verändert? Ein Beispiel?

Wir verändern uns seither laufend, vielfältig und behalten doch unsere elementaren Charaktereigenschaften: Sicherheit, Vertrauen, Transparenz sowie Flexibilität mit ganz viel Gestaltungs- und Entwicklungsspielraum. 

Nehmen Sie die Thematik Urlaub. Früher hatten wir in den Sommerferien generell zwei Wochen Betriebsruhe, und alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten genau in diesem Zeitraum Urlaub nehmen. Früher hat das auch gut für alle gepasst. Doch die Befragungen zeigten, dass diese Form der Urlaubsplanung nicht mehr zeitgemäß war.

Deshalb haben wir die Betriebsruhe über die Sommerferien abgeschafft. Die Menschen können jetzt ihren Urlaub individuell nach Absprache im Team nehmen und organisieren sich hervorragend eigenverantwortlich. Weiterhin wünschten sich die Menschen kostenlose Heißgetränke sowie Dienstwägen für alle: Haben wir umgesetzt. Seit Juli 2018 haben alle unsere Mitarbeiter die Möglichkeit, über Brutto-Gehaltsverrechnung der Leasingrate einen Dienstwagen zu bekommen. Dafür gibt es jetzt ein betriebliches Regelwerk. 

Veränderungen haben Sie auch im Bereich Kultur und Kommunikation vorgenommen. Was genau? 

Kurz gesagt haben wir Hierarchie abgebaut und Zusammenarbeit gestärkt. Herzstück ist nun unser Wabenmodell, welches sich quer durch das Unternehmen zieht und für jeden nachvollziehbar visualisiert, welche Struktur, Kultur, Ziele und Werte inpotron lebt und wo sich jeder Einzelne als Mensch und Mitarbeiter wiederfindet und seine Stärken einbringt und mitgestaltet. Auch unser Mitarbeiter-Gesprächsformular wurde neu gestaltet, um noch öfter Rückmeldungen zu bekommen hinsichtlich der Ziele und Wünsche unserer Mitarbeiter. Sie sollen damit noch besser wirken können und dazu im Hause auch das bestmögliche Umfeld finden. 

Hat all das schon Auswirkungen auf die Bewerber-Situation? 

Durchaus! Erfreulicherweise erreichen uns mehr Bewerbungen und vor allem auch die »Richtigen« – Menschen die sich mit unseren Werten, unserer Kultur identifizieren. Sie finden zu uns, haken aber auch intensiv nach, warum wir prämiert wurden, was uns auszeichnet etc. Somit sind die Prämierungen für uns Stolz und Herausforderung zugleich, eine große Verantwortung. 

Wo suchen Sie nach Kandidaten? 

Unsere Mitarbeiter gewinnen wir über klassische Stellenausschreibungen, auf Social Media, durch Mund-zu-Mund-Empfehlung, aber auch Initiativ-Bewerbungen. Daneben nehmen wir an Personalmessen teil und arbeiten mit Schulen und Hochschulen zusammen. Dazu bieten wir Duale Studienplätze, Ausbildungsplätzen und Thesis-Plätze für Studierende.

Und können Sie alle offenen Stellen besetzen?

Ja, erfreulicherweise gelingt uns das wegen der eben genannten Maßnahmen. Und weil wir unsere prämierte inpotron-Arbeitswelt wirklich leben und unsere Kultur pflegen und hüten wie einen Schatz. Wir lassen unsere Angebote durch unsere Mitarbeiter immer wieder gegenchecken, durch Umfragen und Mitarbeitergespräche. Denn was gestern noch ein attraktives Umfeld war, muss es ja morgen nicht unbedingt sein. Dann justieren wir nach. Wir leben unsere wertschätzende Kultur, halten zusammen, unterstützen unsere Mitarbeiter, fördern sie, helfen bei persönlichen Nöten und Problemen – fast wie in einer Familie. 

Bei welchen Profilen wird es schwieriger? 

Etwas schwerer wird es dort, wo intensives Fachwissen in der Elektronik notwendig ist, sowohl als Prozessbetreuer als auch in der Entwicklung. Der Elektronik-Markt insgesamt hat sich in den letzten Jahren um unglaublich viele Produkte und Anwendungen erweitert, Produkte sind mit viel mehr Elektronik ausgestattet und haben demzufolge ein wesentlich breiteres Anwendungsspektrum. Und auch die fortschreitende Digitalisierung fordert an immer mehr Stellen Fachwissen. Der Run auf die gut ausgebildeten Fachkräfte ist groß. 

Und wird auch wohl nicht nachlassen, im Gegenteil. Wie wappnen Sie sich für die Zukunft?

Wir etablieren uns als empfehlenswerter Arbeitgeber und setzen vor allem auf Bildung – in jeglichen Facetten. Dazu gehört auch das ständige Angebot von spannenden, herausfordernden Projekten, die von unseren Mitarbeitern oder Studierenden verantwortlich bearbeitet und vorangetrieben werden und an denen sie wachsen können. Den Nachwuchs laden wir z. B. zur Firmenbesichtigung ein, präsentieren Schülern das spannende Feld der Elektronik zum Anfassen und bieten Schnupperpraktika. Es geht darum, möglichst viele Berührungspunkte zu schaffen, um im Kontakt zu bleiben. Und wir stellen uns darauf ein, zukünftig auch Menschen aus anderen Ländern für unser Unternehmen zu gewinnen. 

Gibt es Lehren, die Sie aus der Coronakrise ziehen? 

In der Coronakrise haben wir gelernt, wie wichtig es ist, den Menschen Sicherheit, Perspektiven und Halt zu geben. Wie wichtig es ist, zusammenzuhalten, flexibel zu bleiben. Nicht nur in Bezug auf Arbeitszeit und Arbeitsort. Es war wichtig, gemeinsam Möglichkeiten zu finden, um alle Bedürfnisse unter einen Hut zu bekommen. Etwa als Kitas und Schulen geschlossen waren und zeitgleich die Arbeit im Unternehmen wartete. Das zeigte eindrücklich, wie wichtig es ist, Mobil- bzw. Homeoffice zu ermöglichen, schnell und unkompliziert zu reagieren. Erste Hilfestellung gab es in Form eines Corona-Tickers mit betrieblichen Maßnahmen, kostenlosen Masken und Tests. Und es war uns wichtig, nah bei den Menschen und immer ansprechbar zu sein. Die Pandemie machte uns einmal mehr klar, wie wichtig partnerschaftliche und vertrauensvolle Beziehungen sowohl zu unseren Mitarbeitern als auch zu Lieferanten, Kunden und Partnern sind. 

Die Gehälter haben im aktuellen Arbeitnehmermarkt spürbar angezogen. Wie finden Sie heraus, ob Sie konkurrenzfähig bezahlen? 

Wir evaluieren hauptsächlich durch gezielte Branchen-Gehaltsvergleiche, an welchen wir regelmäßig teilnehmen. Außerdem durch einen Abgleich mit den tariflichen Vereinbarungen in unserer Branche. Auch Äußerungen von Vergütungswünschen in Bewerbungsgesprächen geben uns Rückschluss auf marktübliche Vergütungen. Da wir aber einen riesigen Blumenstrauß an Zusatzleistungen für unsere Beschäftigten bereithalten, hat das auch Netto-Effekte und relativiert den Vergleich etwas. Das fängt bei kostenlosen Getränken, Obst und Sportangeboten und subventioniertem Mittagessen an, dazu bieten wir betriebliche Altersversorgung, Zuschüsse zu Kinderbetreuungskosten und Dienstwagen für alle. Nicht vergessen darf man die unbezahlbaren emotionalen Effekte, die Geschenke und Aufmerksamkeiten hervorrufen. 

Werfen Sie einen Blick in die Zukunft! 

Im Jahr 2018 haben wir unsere »Strategie 2028« beschrieben und die entsprechenden Leitplanken hierzu festgelegt. In den kommenden zehn Jahren wollen wir von 22 Mio. Euro im Jahr 2018 auf 48 Mio. Euro Umsatz wachsen, räumlich wie auch personell. So planen wir die räumliche Erweiterung mit unserem Neubau, der Mitte des Jahres fertiggestellt sein wird und natürlich den Mehrbedarf an Personal schon seit 2018 langfristig. Aktuell sind wir mit unserer Planung auf Kurs. Wenn auch die Rohmaterialsituation uns in der Dynamik etwas ausbremst. Insbesondere der notwendige Personalbedarf ist ja nicht mit einer Wünsch-dir-was-Strategie umsetzbar. Daher ist es natürlich sehr wichtig, unsere Attraktivität als Arbeitgeber dauerhaft hochzuhalten und uns somit als Arbeitgeber bei potenziellen Mitarbeitern zu bewerben. Sonst haben wir möglicherweise die Projekte und Kunden, aber kein Personal zur Umsetzung der Wünsche. Trotz der aktuellen Sorgenfalten über die geopolitischen Veränderungen gehen wir mit sehr viel Zuversicht in die Zukunft. Mit Menschen für Menschen werden wir erfolgreich sein. 

(Fragen: Corinne Schindlbeck)


 


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