Interview mit Andreas Urschitz, Infineon

»Digital Power ist der Enabler für SiC und GaN«

11. Februar 2020, 10:00 Uhr | Engelbert Hopf

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Vorteil durch die Übernahme von Cypress

Wie sehr machen sich CoolMOS- und CoolSiC-Produkte im Hochvoltbereich Konkurrenz? Während Wettbewerber wie Cree/Wolfspeed alles auf die SiC-Karte setzen, haben Sie das Luxusproblem, gegenüber dem Kunden mehrere Technologien orchestrieren zu müssen.

Entscheidend für uns ist, dass wir den Kunden gegenüber ein glaubwürdiges Angebot machen. Infineon hat sich über die Jahre als Systemanbieter im Bereich der Leistungselektronik etabliert. Wir verfügen über ein breites, immer noch wachsendes Angebot in verschiedenen Leistungshalbleiter-Technologien. Ich sehe es für uns fast als Alleinstellungsmerkmal, dass wir unsere Kunden sehr breitbandig beraten können, um eine optimale Lösung für ihre Applikationen zu finden. Wir müssen nicht eine Technologie über alles spannen, sondern können den Fokus auf eine applikationsbezogene Beratung und Lösung legen, die für den Kunden wertgenerierend ist.

Infineon hat sich zu Beginn beim Thema SiC ausschließlich auf 1700 und 1200 V konzentriert. Auf der PCIM 2019 wurden Pläne für 900 V bekannt. Wie sieht es aktuell mit 650-V-SiC-MOSFETs aus?

Es war und ist unsere Strategie, SiC top-down auszurollen. Das heißt, wir haben uns bei den Applikationen nach den Interessen entlang der Kundenwünsche ausgerichtet – und hier vor allem auf die hohen Spannungswerte fokussiert. Das Feld der SiC-Anwendung ist noch jung, und es entwickelt sich sehr dynamisch. Daher rollen wir nun konsequent die SiC-Technologie auch in neue Anwendungen aus. Der nächste Schritt ist die Verbreiterung des Portfolios in niedrigeren Spannungsklassen, zum Beispiel 650 V. Ich denke da vor allem an Anwendungen in rauen Umgebungen mit hohen Anforderungen an die Energieeffizienz. Erste 650-V-SiC-MOSFET-Produkte werden wir noch in der ersten Jahreshälfte 2020 vorstellen.

Rechnen Sie damit, dass Infineon nach dem Scheitern der Wolfspeed-Übernahme noch einmal die Gelegenheit erhält, im größeren Umfang mit einer SiC- oder GaN-Akquisition aktiv zu werden?

Es ist sozusagen eine Konstante der Betriebswirtschaftslehre, dass Industrien, wenn sie reifen, dazu neigen, sich zu konsolidieren. Wir werden hier also sicher noch weitere Zusammenschlüsse im Leistungshalbleiterbereich sehen. Aus Infineon-Sicht halten wir natürlich weiter die Augen offen. Ein potenziell zu übernehmendes Unternehmen muss uns entweder zusätzliches technisches Know-how bieten oder die Möglichkeit, in einem für uns interessanten Marktsegment überdurchschnittlich zu wachsen. Ideal wäre natürlich die Kombination beider Aspekte.

Infineon Technologies plant gerade, Cypress Semiconductor zu übernehmen. Natürlich ist Cypress kein klassischer Spieler im Leistungshalbleiterbereich, aber welchen Vorteil könnten Sie in Ihrem Geschäftsbereich aus dieser Übernahme ziehen?

Der geplante Zukauf von Cypress hat auch im Leistungshalbleiterbereich für uns eine große Bedeutung. Er ist die logische Fortführung unserer Vom-Produkt-zum-System-Strategie und unterstützt unser Ziel der Marktführerschaft im Power-Systems-Bereich ganz substanziell. Dies würde vor allem durch die Kombination der Controller- und Softwarekenntnis von Cypress mit unserem Know-how betreffs verschiedener Leistungshalbleiter und Treiber geschehen. Dadurch würde unser Angebot an Systemlösungen für unsere Kunden noch einmal verbreitert werden. Auf Produktebene hieße das: Wir würden aufgrund unserer Systemkenntnis einen Mikrocontroller mit entsprechendem Algorithmus für einen Six-Pack-IGBT liefern. Im Idealfall verbessern wir durch das „Schrauben“ am Algorithmus und an der Software sogar die Cost of Ownership bei unseren Kunden. Die finale Entscheidung der Behörden zu dieser Akquisition steht derzeit noch aus.

Noch einmal das Thema Übernahmen: Sie arbeiten zusammen mit Panasonic an der Entwicklung eines Normally-off-GaN-Transistors. Hat sich für Sie durch den Verkauf der Halbleiteraktivitäten von Panasonic an Nuvoton etwas geändert?

Unser Entwicklungspartner im Bereich GaN ist weiterhin Panasonic. Daran wird sich nach unserem aktuellen Kenntnisstand auch nichts ändern. Wir beliefern unsere Kunden seit etwa drei Jahren mit unserer ersten Normally-off-GaN-Produktlinie. Da wir zudem über eine Fertigungslizenz selbstsperrender GaN-Transistoren verfügen, können wir die Fertigung unbenommen etwaiger Verkaufsvereinbarungen zwischen Panasonic und Nuvoton fortsetzen. GaN in unserer eigenen Produktion befindet sich bereits im Fertigungsanlauf. Die langjährige Zusammenarbeit mit Panasonic, das möchte ich hier noch einmal betonen, ist aus unserer Sicht eine sehr erfolgreiche Kooperation.


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  2. Vorteil durch die Übernahme von Cypress

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