Wolfspeed über Bau der nächsten Fab

»Der Bau eines Werks in Europa ist absolut realistisch«

25. Januar 2022, 15:00 Uhr | Engelbert Hopf
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Gregg Lowe, Wolfspeed: »Aktuell liegt der Umsatzanteil unseres Automotive-Geschäfts noch unter zehn Prozent. Für das Jahr 2025 gehen wir aber bereits von einem 50-prozentigen Umsatzanteil aus.«
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In vier Jahren hat Gregg Lowe, CEO von Wolfspeed, das ursprüngliche Mutterunternehmen Cree zu einem absoluten Powerhouse in Sachen Siliziumkarbid transformiert. Im Frühjahr 2022 wird die weltweit erste 200-mm-SiC-Fertigung ihren Betrieb aufnehmen.

Erklärtes Ziel für Lowe: Siliziumkarbid zum dominierenden Leistungshalbleitermaterial der Zukunft zu machen.

Markt&Technik: Herr Lowe, Anfang Oktober wurde die Transformation von Cree zur SiC-Company durch den Namenswechsel von Cree zu Wolfspeed an der New Yorker Börse abgeschlossen. Wie hoch ist heute die Marktkapitalisierung von Wolfspeed?

Gregg Lowe: Aktuell liegt sie bei 16 Milliarden Dollar. Die Marktkapitalisierung von Cree bewegte sich zumeist zwischen zwei und drei Milliarden Dollar. Vor vier Jahren, als wir mit der Transformation von Cree begonnen haben, war das unvorstellbar. Seither haben wir zwei Drittel des ursprünglichen Geschäfts verkauft und haben uns ganz darauf konzentriert, unser Unternehmen zu einem absoluten Siliziumkarbid-Powerhouse zu machen. Als Markt- und Technologieführer im SiC-Bereich sind wir sicher, dass Siliziumkarbid die nächste Generation Leistungshalbleiter prägen wird.

Auf der PCIM 2019 sprachen Sie von Investitionen in Höhe von einer Milliarde Dollar in den Ausbau der Fertigungskapazitäten. Ihre 200-mm-SiC-Fab in Mohawk Valley, New York, ist nun fast fertig. Wie hoch ist die staatliche Förderung und um welchen Faktor wird sie Ihre Fertigungskapazität steigern?

Als wir das vor zweieinhalb Jahren angekündigt haben, hielt uns manch einer für verrückt. Wozu braucht man eine so riesige SiC-Fab? Heute kann man sagen, unsere Ankündigung war damals so etwas wie ein Kick-off für die ganze Branche. 2019 war die Corona-Pandemie noch weit entfernt und der Umstieg der Automobilbranche vom Verbrennungsmotor auf den Elektroantrieb verlief noch sehr langsam. Inzwischen hat das klare Bekenntnis der Automobilindustrie zum Umstieg auf Elektrofahrzeuge weltweit Investitionen in Höhe von rund 330 Milliarden Dollar ausgelöst. Wir sind also mit unserer neuen Fab, die wie angekündigt eine Milliarde Dollar kostet und zu 50 Prozent vom Staat New York gefördert wird, genau zur richtigen Zeit am Markt. Im Vergleich zu 2019 wird die neue Fab unsere Produktionskapazität um den Faktor 30 erhöhen!

SiC hat sich zu einem extrem schnell wachsenden Markt entwickelt. Wann denken Sie, werden Sie die Fab im Mohawk Valley duplizieren müssen? Wollen Sie in Zukunft Fabs in wichtigen Abnehmerregionen der Welt errichten?

Wir werden unsere 200-mm-Fab im Frühjahr 2022 starten und dann ab der zweiten Jahreshälfte 2022 an Kunden liefern. Ich gehe aktuell davon aus, dass die Auslastung der neuen Fab 2025, je nach weiterer Marktentwicklung, bei 50 bis 100 Prozent liegen wird. Aus diesem Grund werden wir bereits im nächsten Jahr über den Bau einer weiteren Fab entscheiden, die dann 2024 gebaut werden soll. Und ja, wir werden Fabs in für uns wichtigen Weltregionen errichten. Eine Wolfspeed Fab in Europa ist darum absolut realistisch! Normalerweise liegen die Investitionsausgaben eines Halbleiterherstellers zwischen fünf und sieben Prozent des Umsatzes. Unsere betragen 110 Prozent des Umsatzes. Aus diesem Grund glauben uns die Kunden auch, dass wir es mit der Sicherstellung ihrer Versorgung wirklich ernst meinen.

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Innerhalb von 18 Monaten wurde das neue Werk in Mohawk Valley, New York, errichtet. Es handelt sich um die weltweit erste 200-mm-Fab für SiC-MOSFETs. Die Kosten betragen rund eine Milliarde Dollar, der Staat New York unterstützte die Errichtung der Fab mit einem Zuschuss von 500 Millionen Dollar.
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Ihr Umsatz lag im Geschäftsjahr 2020/21 bei 526 Millionen Dollar. Schreibt man die Entwicklung des 1. Quartals 2021/22 fort, könnte am Ende ein Umsatz von fast 700 Millionen Dollar stehen. Wie wichtig ist der Automotive-Markt heute schon?

Heute entfällt der absolut größte Anteil an unserem Umsatz auf Industrieapplikationen. Der Anteil der Automotive-Applikationen liegt noch unter zehn Prozent. Wir gehen davon aus, dass der Anteil der Industrieapplikationen bis 2025 auf 50 Prozent oder weniger sinken wird. Gleichzeitig erwarten wir, dass sich der Weltmarkt für SiC-Automotive-Anwendungen bereits im nächsten Jahr bei 1,6 Milliarden Dollar bewegen wird. Für 2026 erwarten wir ein Weltmarktvolumen im Automotive-Segment von 4,6 Milliarden Dollar. Wir arbeiten intensiv am Ausbau unserer Automotive-Aktivitäten. Zuletzt haben wir Anfang Oktober diesbezüglich mit der General Motors Gruppe ein strategisches Lieferabkommen unterzeichnet.

Welchen konkreten Vorteil verbinden die Automobilhersteller mit dem Einsatz von SiC? Was hat sich gegenüber der Situation vor drei, vier Jahren verändert?

Automobilhersteller sind weltweit gezwungen, ihren Carbon-Footprint zu reduzieren. Der Umstieg auf den Elektroantrieb reduziert den CO2-Ausstoßes dramatisch. Bei einem Fahrzeug, das SiC im Elektroantriebsstrang einsetzt, ergibt sich über die Lebenszeit des Fahrzeugs eine Reduzierung des CO2-Ausstoßes um 690 kg. Gegenüber einem mit Silizium-IGBTs ausgestatteten Elektroantrieb spart sich der Fahrzeugbesitzer Stromkosten in Höhe von 233 Dollar. Durch den Umstieg von 400-V-Silizium-IGBTs auf 800-V-SiC-MOSFETs ergibt sich über die Lebensdauer eines elektrisch betrieben PKWs beispielsweise eine Gesamtenergieeinsparung um den Faktor 13. Würde man den PKW als Uber-Taxi einsetzen, mit einer Laufzeit von 200.000 bis 500.000 km, würde sich sogar eine Energieeinsparung um den Faktor 24 ergeben.

Welche Region ist Stand heute die wichtigste Absatzregion für Wolfspeed? Wie hoch ist Ihr Distributionsanteil?

Was Automotive betrifft, sind wir stark in den USA und Europa. Wir haben uns aber auch eine sehr gute Position in Japan, Korea und China erarbeitet. Was das Industriegeschäft betrifft, stützt sich unser Erfolg in erster Linie auf die USA und Europa. Im Industriebereich arbeiten wir auf globaler Ebene mit Arrow zusammen. Das Distributionsgeschäft wird in den verschiedenen Absatzmärkten aber noch zusätzlich von lokalen Distributoren unterstützt. Das Automotive-Geschäft ist bislang ausschließlich ein Direktgeschäft.


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  2. ..."Auftragspipeline in Höhe von 15 Milliarden Dollar..."

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