Second-Life-Anwendung

Audi-E-tron-Batterien elektrifizieren Rikschas in Indien

15. Juni 2022, 12:18 Uhr | Kathrin Veigel
Audi Nunam E-tron Batterie
Für Fahrzeuge mit geringeren Anforderungen an Reichweite und Leistung sowie geringerem Gesamtgewicht, zum Beispiel Rikschas, sind gebrauchte Autobatterien sehr vielversprechend.
© Audi

Das Start-up Nunam bringt E-Rikschas auf Indiens Straßen, die mit gebrauchten Batterien aus E-tron-Erprobungsfahrzeugen angetrieben werden. Ziel ist es, auszuloten, wie Batteriemodule nach ihrem Einsatz im Auto weiterverwendet und zu einem alltagstauglichen Second-Life-Anwendungsfall werden können.

Mit dem Projekt der elektrischen Rikschas in Indien will das deutsch-indische Start-up Nunam nicht nur ein mögliches zweites Leben für die Module aus Hochvoltbatterien der Audi-E-tron-Testflotte erproben, sondern auch die Erwerbschancen von Frauen in Indien stärken. Gefördert wird das gemeinnützige Start-up mit Sitz in Berlin und Bangalore von der Audi-Umweltstiftung. Nunam hat die drei Prototypen in Zusammenarbeit mit dem Ausbildungsteam des Audi-Standorts Neckarsulm entwickelt, das seinerseits vom intensiven interkulturellen Austausch profitiert. 

Anfang 2023 sollen die E-Rikschas mit Second-Life-Batterien in einem Pilotprojekt erstmals in Indien auf der Straße fahren. Dort werden sie einer gemeinnützigen Organisation zur Verfügung gestellt. Speziell Frauen erhalten die Möglichkeit, in der elektrisch angetriebenen Rikscha auf Märkte zu fahren und so ihre selbst produzierten Waren ohne Zwischenhändler zu verkaufen. Angetrieben wird die E-Rikscha mit gebrauchten Batteriemodulen, die ihr erstes Leben in einem Audi E-tron verbracht haben.

Übergeordnetes Ziel des Start-ups ist es, Möglichkeiten zu entwickeln, um gebrauchte Batterien als Second-Life-Stromspeicher zu verwenden, somit ihr Leben zu verlängern und Ressourcen effizienter zu nutzen. Eine Autobatterie ist auf ein gesamtes Autoleben ausgelegt, doch selbst nach dem Ersteinsatz im Fahrzeug verfügen sie noch über einen großen Teil ihrer Leistung. Für Fahrzeuge mit geringeren Anforderungen an Reichweite und Leistung sowie geringerem Gesamtgewicht sind sie vielversprechend. 

E-Waste wieder in die Nutzung bringen

Die Ökoeffizienz einer E-Rikscha ist optimal: Während die Batterie eine hohe Energiedichte aufweist und das Gewicht des Fahrzeugs vergleichsweise gering ist, muss die Leistung des Elektromotors nicht sonderlich groß sein, denn schnell und weit fahren müssen Rikscha-Fahrer in Indien nicht. Elektrisch betriebene Rikschas sind auf den Straßen des Subkontinents zwar schon heute keine Seltenheit. Doch fahren sie häufig mit Blei-Säure-Batterien, die eine relativ kurze Lebensdauer haben und dann oft nicht fachgerecht entsorgt werden.

Zugleich laden die Rikscha-Fahrer ihre Fahrzeuge vor allem mit Strom aus dem öffentlichen Netz, das in Indien einen hohen Kohlestrom-Anteil aufweist. Auch dafür hat Nunam eine Lösung: Der Strom, der in die E-Rikschas geht, kommt aus Solarladestationen. Die Solarpanels befinden sich auf den Dächern des örtlichen Projektpartners. Tagsüber lädt die Sonne eine E-tron-Batterie als Pufferspeicher mit Energie auf, abends wird der Strom von dort weiter in die Rikschas übertragen. Dadurch wird die Fahrt lokal weitestgehend CO2-emissionsfrei. So kann die elektrische Rikscha tagsüber permanent im Einsatz sein – und in den Abend- und Nachtstunden dennoch mit grünem Strom geladen werden. Für Solarpanels auf dem Dach ist das sonnenreiche Indien prädestiniert, die Sonne scheint das ganze Jahr über. Auch die Ladesäule ist eine Eigenentwicklung.

Leistung und Reichweite der E-Rikschas überprüft Nunam kontinuierlich. Alle Daten, die sie mit der E-Rikscha sammeln, stellen die Sozialunternehmer potenziellen Nachahmern auf der Open-Source-Plattform circularbattery.org zur Verfügung – Nachmachen ausdrücklich erwünscht.

Nachdem die Batterie ihr erstes Leben in einem Audi E-tron und ihr zweites in einer E-Rikscha verbracht hat, ist sie überdies noch nicht zwangsläufig am Ende des Weges angekommen. Im dritten Schritt ist es vorstellbar, ihre restliche Energie für stationäre Anwendungen wie etwa LED-Beleuchtungen zu nutzen.

Langfristig können Elektromobilität und Solarenergie dazu beitragen, die Abhängigkeit Indiens von fossilen Energieträgern wie Kohle zu reduzieren, das enorme Abgasvolumen auf den Straßen zu verringern und den Menschen eine verlässliche Stromversorgung zu sichern. 

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