Varta bleibt trotz Krisen optimistisch

»Wir haben unsere Bedarfe langfristig abgesichert«

30. Mai 2022, 11:38 Uhr | Engelbert Hopf
Varta
Herbert Schein, Varta-Gruppe: »Bei entsprechender Nachfrage vom Markt können wir die Produktion sehr schnell noch einmal deutlich nach oben fahren.«
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Trotz der Verwerfungen in den internationalen Lieferketten und des Kriegs in der Ukraine blickt Herbert Schein, CEO der Varta AG, optimistisch in die Zukunft. Die Nachfrage nach Lithium-Ionen-Produkten in allen Größen- und Performance-Klassen steigt.

Markt&Technik: Herr Schein, gegenüber 2020 fielen die Umsatzzahlen der Varta-Gruppe niedriger aus. Worauf ist das zurückzuführen?

Herbert Schein: Man könnte sagen, wir haben dann im letzten Jahr, bezogen auf unsere Kunden, der Corona-Pandemie doch noch Tribut gezollt. Vor dem Hintergrund der lokalen Lockdowns in Asien und den damit verbundenen Produktionsausfällen, vor allem von Consumer-Produkten in China, haben unsere Kunden weniger Batterien und Akkus abgenommen als ursprünglich erwartet. Von unserer Seite gab es dagegen auch im Vorjahr keine Produktionseinschränkungen oder -ausfälle durch Corona-Infektionen in der Produktion. Unsere getroffenen Maßnahmen haben sich als wirkungsvoll erwiesen.

Sie erwarten für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz zwischen 950 Millionen und einer Milliarde Euro. Was könnte diese Zielsetzung noch vereiteln?

Ich habe keinen Zweifel daran, dass wir die Umsatzmilliarde erreichen – wenn nicht dieses Jahr, dann nächstes. Mittel- und auch langfristig wollen wir das überschreiten. Der Einsatz von Lithium-Ionen-Zellen wird in Zukunft noch deutlich zunehmen, und wir haben frühzeitig und intensiv auf dieses elektrochemische System gesetzt. Somit können wir von dieser Entwicklung im vollen Umfang profitieren. Auf der Rohstoffseite haben wir Vorteile durch langfristige Geschäftsbeziehungen mit unseren Lieferanten und haben uns rechtzeitig mit Rohmaterialien eingedeckt. Wie sich im Rohstoffbereich die Situation aber in den nächsten Jahren entwickeln wird, ist derzeit noch nicht abzuschätzen.

Sie werden mit steigenden Rohstoffpreisen konfrontiert. Welche Materialien stechen dabei besonders hervor? Beeinflusst die Versorgungssituation im Halbleiterbereich Ihre Fähigkeiten zur Realisierung von Batteriemanagementsystemen?

Im Bereich der Consumer-Batterien ist die Preissteigerung vor allem bei Braunstein deutlich. Im Bereich der Lithium-Zellen geht der Trend seit einigen Jahren in der NMC-Technologie hin zu nickelreichen Materialien mit immer weniger Kobalt. Hier macht sich also die Preissteigerung bei Nickel bemerkbar. Bislang machen uns die Lieferprobleme im Halbleiterbereich keine Probleme. Wir haben unsere Bedarfe langfristig abgesichert. Wie die Situation sein wird, wenn die Lage sich hier noch weiter verschlechtert oder sich zeitlich mehr als ein, zwei Jahre in die Zukunft verlängert, lässt sich aus heutiger Sicht noch nicht sagen.

Im Jahr 2020 wirkte sich die Covid-Pandemie auf Ihre Vertriebskanäle aus. Internet und stationärer Handel gewannen an Bedeutung. Waren diese Veränderungen von Bestand?

Das Internet als Vertriebskanal blieb uns auf hohem Niveau erhalten. Jedoch ist der Fachhandel nach den Aufhebungen der Beschränkungen im Handelsbereich zusammen mit dem stationären Handel wieder zu alter Stärke zurückgekehrt. Und wir können feststellen, dass die Nachfrage nach Varta-Consumer-Produkten über die verschiedenen Vertriebskanäle weiterhin hoch bleibt!

Sie haben den Produktionsstandort Nördlingen in den letzten Jahren stark ausgebaut. Wie sehen die weiteren Pläne in Nördlingen aus?

Wir haben heute in Nördlingen durch den Neubau eine zusätzliche Produktionsfläche von insgesamt 15.000 m2 und sind dort noch lange nicht am Ende unserer Expansionspläne angekommen. Aktuell beschäftigen wir dort über 1000 Mitarbeiter. Das Interesse an einer Beschäftigung bei uns ist hoch, wir sind als Arbeitgeber attraktiv! Im Kern konzentrieren wir uns in Nördlingen weiter vor allem auf den Ausbau unserer Infrastruktur im Bereich der CoinPower-Zellen-Fertigung. Bei entsprechender Nachfrage vom Markt können wir die Produktion sehr schnell noch einmal deutlich nach oben fahren.

Seit Ende 2021 läuft in Ellwangen eine Pilotlinie für Zellen der Baugröße 21700, die unter anderem in E-Mobility-Applikationen zum Einsatz kommen sollen. Wann ist hier mit einem Übergang zur Serienfertigung zu rechnen?

Aktuell produzieren wir pro Woche etwa 10.000 Zellen, die wir an Kunden liefern. Die unterziehen sie dann ihren jeweiligen Tests. Nach dem Ende der Pilotphase werden wir in die Serienfertigung gehen und bis Ende 2024 die ersten Umsätze verbuchen können. Wir gehen in einem ersten Schritt von einer Jahresleistung der von uns produzierten Lithium-Ionen-Zellen der Baugröße 21700 von rund zwei GWh aus.

Sie hatten vor zwei Jahren genau diesen Wert genannt, damit für Sie eine Serienproduktion wirtschaftlichen sinnvoll sei. Hat sich daran etwas geändert?

Nein, angesichts des schnell wachsenden Bedarfs an hochleistungsfähigen Lithium-Ionen-Rundzellen für Anwendungen im Automotive- und in vielen anderen Bereichen wie Home & Garden, Power Tools oder industriellen Anwendungen werden die zwei GWh auch nur ein erster, für uns aber eben entscheidender Schritt sein. Danach werden wir schnell in eine weitere Skalierung gehen müssen. Die Nachfrage nach unseren Zellen ist hoch, weil wir immer das Ziel haben, mit strategischen Wettbewerbsvorteilen zu kommen, die es unseren Kunden ermöglichen, neue und bessere Produkte zu präsentieren.

 

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