Elektroniknet Logo

Einreisehürden nach China und USA

»Reisebeschränkungen behindern Expansion«

Feodora/stock.adobe.com
© Feodora/stock.adobe.com

Viele Firmen sind durch die Einreisehürden nach USA und China eingeschränkt. Eine Blitzumfrage von Markt&Technik beleuchtet die unterschiedlichen Auswirkungen.

Noch immer sind Geschäftsreisen nach China und in die USA infolge der Pandemie schwierig bis unmöglich. Zumindest für die USA sind ab Mitte November Erleichterungen in Aussicht. Nicht alle Sparten aus der Elektronik-Industrie treffen die Einreisehürden gleichermaßen stark, wie eine Umfrage von Markt&Technik ergab. Mehrheitlich sprechen die Firmen aber von negativen Auswirkungen auf Expansions- und Investitionsvorhaben.

Der ZVEI umreißt die Situation auf Anfrage von Markt&Technik folgendermaßen:»Die Unternehmen aus der Elektroindustrie erwirtschaften einen großen Anteil ihres Umsatzes mit Produktions- und Vertriebsstätten außerhalb Europas. Neue Einreisebeschränkungen erschweren dieses immens wichtige Auslandsgeschäft. Grenzschließungen und Einreisebeschränkungen dürfen nicht zur Normalität werden. Offene Grenzen und weltweite Wertschöpfungsnetzwerke sind elementar im globalen Wettbewerb.«

Eine vollständige Aufhebung der Einreisebeschränkungen in die USA war lange nicht in Sicht, lediglich die Gültigkeitsdauer von sogenannten National Interest Exceptions (NIE) wurde verlängert. Seit 8. Juli 2021 gelten bestehende NIEs und neu ausgestellte NIEs für einen Zeitraum von zwölf Monaten ab Genehmigung und berechtigen auch zu mehrfachen Einreisen in die USA zu dem in der genehmigten NIE angegebenen Reisezweck. Zuvor waren NIEs für eine einmalige Einreise in die USA und nur 30 Tage ab Ausstellung gültig. Die einzigen Ausnahmen für Geschäftsreisen, die eine Einreise in die USA ermöglichen, gelten im Rahmen der NIEs für Personen, die zu humanitären Zwecken, im Rahmen der öffentlichen Gesundheitsvorsorge, der nationalen Sicherheit oder zur „lebenswichtigen Unterstützung“ eines kritischen Infrastruktursektors einreisen wollen. Gemäß der Liste des Department of Homeland Security sind kritische Infrastruktursektoren ausgewiesen, darunter fällt auch der „kritische Fertigungssektor“.

Außerdem muss die Reise in direktem Zusammenhang mit der Unterstützung der Infrastruktur stehen. Etwa Mitte November«, ein exaktes Datum lag zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor, sollen diese strikten Einreisehürden in die USA für geimpfte Personen fallen. Noch ist allerdings unklar, ob sogenannte Mixed-Impfungen aus verschiedenen Impfstoffen als vollwertig akzeptiert werden und ob von Covid-19 genesene Personen den geimpften gleichgestellt werden, wie dies in vielen Regionen der Welt der Fall ist. Dem Vernehmen nach ist dies für die USA eher unwahrscheinlich. Ein „Freitesten“ soll für die Einreise ebenfalls nicht akzeptiert werden.

Seit dem 8. November ist die USA Einreise für vollständig geimpfte Touristen und Geschäftsreisende wieder möglich. Sie benötigen für die Einreise ein ESTA USA, einen Impf- und Testnachweis.

Der Andrang Richtung USA dürfte nach der Öffnung dennoch groß sein, wie eine Blitzumfrage dieser Zeitung ergab. Die meisten der befragten Firmen wollen die erleichterte Einreise-Möglichkeit kurzfristig wahrnehmen.

Auch der Fertigungsstandort China geht bei den Einreisebeschränkungen äußerst rigide vor. Ausnahmen sind möglich, etwa zur Durchführung „notwendiger wirtschaftlicher, technologischer und sonstiger Vorhaben“. Eine Impfung bringt bislang keinerlei Erleichterungen mit sich. Von allen, die nach China einreisen, werden negative PCR- und IgM-Antikörper-Testergebnisse verlangt, die im selben Konsularbezirk ausgestellt wurden. Sollte der PCR-Test beispielsweise im Konsularbezirk der chinesischen Botschaft in Berlin durchgeführt worden sein, so muss auch der IgM-Antikörper-Test von dort stammen. Trotz negativem Test muss eine Quarantäne absolviert werden; die Länge variiert von Provinz zu Provinz. Das Auswärtige Amt weist sinngemäß darauf hin, dass wer nach China einreisen will, mit massiv invasiven Gesundheitschecks rechnen muss, die weit über das hinaus gehen, was in Deutschland und Europa Standard ist. Und eine Lockerung der Einreisehürden für China ist momentan nicht in Sicht.

Anbieter zum Thema

zu Matchmaker+
Ciliax_Jan
Jan Ciliax, Lapp: »Die digitalen Meetings ersetzen aus meiner Sicht nicht die sozialen und persönlichen Kontakte, insbesondere im interkulturellen Austausch wie beispielsweise mit China oder Indien. Da ist der persönliche Kontakt schon hilfreich, um kulturelle Unterschiede besser zu verstehen und zu überbrücken«.
© Lapp

EMS-Firmen, die Baugruppen und Subsysteme im Kundenauftrag fertigen, sind von den Beschränkungen besonders betroffen, wie die Vertreter dieser Branche am runden Tisch beim EMS-Forum der Markt&Technik im Herbst diskutierten. Markus Aschenbrenner, Vorstandsmitglied von Zollner Elektronik, empfindet die Reisebeschränkungen als »sehr beschwerlich, weil sie unter anderem Expansionspläne behindern«. Wer einen neuen Standort eröffnen oder bestehende Liegenschaften erweitern will, muss vor Ort agieren und Standorte besichtigen können. Das gelte auch für neue Märkte, auf die man sich bewegen will, denn, so Aschenbrenner, durch die politischen Rahmenbedingungen würden europäische Firmen ja sogar gezwungen, in die USA zu gehen, wenn sie dort Geschäfte machen wollen, insbesondere wenn es um Branchen geht, die der staatlichen Förderung unterliegen. Als Beispiel nennt er Applikationen für erneuerbare Energien, die vor Ort produziert werden müssen.

Carsten Ellermeier, CEO der Prettl Electronics Group, unterstreicht anhand eines Produkt-Beispiels für eine namhafte Motorradmarke, dass Produktionstransfers von Deutschland in die USA momentan nicht möglich sind, sofern sie keine kritischen Infrastrukturen betreffen. Seinen Worten zufolge wird ein Großteil der internationalen Projekte bei Prettl in Deutschland industrialisiert und schließlich dem Local-for-Local-Ansatz folgend die Fertigung in die Länder transferiert, in denen das Produkt später auch verbaut wird.

Die Hersteller von Subsystemen und elektronischen Komponenten in Eigenproduktion sehen die Auswirkungen hingegen differenziert. Martin Rausch, CTO der Recom Group, bezeichnet die aktuellen Beschränkungen »als große Herausforderung bei unseren Expansionen, da für einen Erstkontakt – z.B. Neukunden-Generierung – ein Face-to-Face Meeting unersetzlich ist«. Als Maßnahme hat Recom lokale Geschäftsführer eingesetzt, die als Sprachrohr vom Headquarter in die lokale Mannschaft agieren. Durch diesen Schritt seien die Auswirkungen »akzeptabel«, so Rausch. »Fachliche Themen können zudem sehr gut über Online Meetings abgewickelt werden. Kundenaudits werden mittels Online Meetings mit einer Kamera-Übertragung von den lokalen Arbeitsplätzen durchgeführt.«


  1. »Reisebeschränkungen behindern Expansion«
  2. "...physische Präsenz erleichtert gewisse Abläufe..."

Verwandte Artikel

U.I. LAPP GmbH, TDK, ZVEI Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie e.V.