Für die Umrüstung von Diesel-Lkw auf E-Trucks kann ein modularer Antriebsstrang-Baukausten dienen, der gemäß individueller Fahrzeuganforderungen konfigurierbar ist. Aufgebaut ist er nach dem Range-Extender-Prinzip – mit groß dimensionierten HV-Batterien bei relativ geringer Brennstoffzellenleistung.
Der Lehrstuhl »Production Engineering of E-Mobility Components« (PEM) der RWTH Aachen hat das vom Bundesministerium für Verkehr geförderte Forschungsprojekt SeLv nach mehr als fünf Jahren erfolgreich beendet. Zum Abschluss präsentierte das PEM-Team einen dritten Prototypen-Lkw und den zweiten mit offizieller Straßenzulassung.
Ziel des Vorhabens war die Entwicklung eines adaptierbaren, modularen Antriebsstrang-Baukastens für schwere Nutzfahrzeuge, der eine wasserstoffbetriebene Brennstoffzelle mit einer Hochvolt-Antriebsbatterie verbindet und über eine hohe Produktreife für eine schnelle Industrialisierung verfügt.
Das modulare System soll die Umrüstung von bestehenden Diesel-Lkw auf Elektro-Trucks ermöglichen. Es eignet sich gleichermaßen für entsprechende OEMs sowie Fahrzeug-Umrüster und soll künftig auch Nischenbereichen wie dem Baumaschinen-Sektor zur Verfügung stehen.
»Vielen Zulieferern wird es sehr schwer gemacht, neue Ideen in den Markt zu bringen«, sagt PEM-Leiter Professor Achim Kampker. »Aus der Automobilindustrie kommen dann häufig Fragen wie ‚Läuft das denn schon?‘ oder ‚Wie sicher ist das überhaupt?«
Beim SeLv-Lkw handelt es sich um »eine reale Plattform mit Straßenzulassung«, auf deren Basis künftige Interessenten ihre unterschiedlichen Batterie-, Wasserstoff- und Thermomanagement-Technologien oder Software-Applikationen integrieren und Unterstützung bei der Entwicklung zum Serienprodukt erhalten könnten.
Je nach Dimensionierung der hinter der Fahrzeugkabine sitzenden Wasserstofftanks soll der Elektro-Truck eine Reichweite von 750 bis mehr als 1.000 Kilometern erlauben. An Bord des Lkw mit einer Spitzenleistung von knapp 640 PS und einer Dauerleistung von rund 544 PS befindet sich auch ein Navigationssystem, das die beste Route auf Basis der vorhandenen Wasserstoff- und Batterielade-Infrastruktur mit entsprechenden Tankstopps errechnet.
Ein intelligentes Energiemanagement sorgt außerdem für eine gemäß dem Fahrprofil verteilte Batterie- und Brennstoffzellenleistung, um den bestmöglichen Wirkungsgrad zu erreichen. »Eine große Hürde während der Entwicklung bestand darin, dass sich viele Komponenten zur Elektrifizierung in der Klasse der schweren Nutzfahrzeuge erst im prototypischen Stadium befanden und deshalb nicht auf dem Markt verfügbar waren«, betont PEM-Experte und Homologationsverantwortlicher Michael Betz.
»Ein junges Forschungs-Team und erfahrene Fachkräfte aus der Entwicklung haben auf einzigartige Weise industrielle Standards mit neuen wissenschaftlichen Ansätzen kombiniert«, sagt PEM-Projektverantwortlicher Michael Demming.
»Herausgekommen sind innovative Ideen, mit denen sich die Entwicklungs- und die Systemkomplexität innerhalb der hochregulierten und relativ trägen Fahrzeug-Branche deutlich verringern lassen.“ Das Projekt wurde im Rahmen der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie (MKS) der Bundesregierung mit insgesamt fast 17 Millionen Euro gefördert.«