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Elektromobilität treibt Preise

Batteriebranche weiter auf Wachstumskurs

16. November 2020, 15:26 Uhr   |  Engelbert Hopf

Batteriebranche weiter auf Wachstumskurs
© Varta Microbattery

Offenbar nur einen sehr begrenzten Einfluss hatten bislang die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Branche der Batterie- und Akku-Spezialisten im DACH-Raum.

Wie eine aktuelle Umfrage der Markt&Technik zeigt, gehen drei Viertel der Befragten für 2020 von einem weiterhin zweistelligen Wachstum aus. Damit setzt die Branche ihr ungebrochenes Wachstum der letzten zwei Jahrzehnte fort.

Verantwortlich dafür dürften verschiedene Faktoren sein. So entstehen derzeit in Deutschland neue Zellfabriken, oder werden geplant. Gleichzeitig erfreuten sich offenbar die Forschungsinstitute seit 20 Jahren keiner so hohen Fördermittel durch BMBF, BMWi und EU wie jetzt, stellt Prof. Karl-Heinz Pettinger von der Hochschule Landshut fest.

Gleichzeitig haben sich die Anwendungsbereiche der Batterie- und Akku-Technik offenbar als sehr robust erwiesen. »Die Situation ist zwar immer noch durchwachsen, und es gibt Branchen, die sich aus der Lockdown-Phase noch nicht komplett erholt haben«, so Thilo Hack, Bereichsleiter Industrie bei Ansmann, »grundsätzlich zeigt sich jedoch eine positive Stimmung, die sich in steigenden Bedarfszahlen widerspiegelt«.

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© WEKA Fachmedien

Prof. Karl-Heinz Pettinger, Universität Landshut: »Die Forschungsinstitute waren in den letzten 20 Jahren noch nie mit so hohen Fördermitteln durch BMBF, BMWi und EU ausgestattet, wie derzeit.«

Denn es haben sich im Rahmen der Corona-Auswirkungen neue Anwendungsbereiche ergeben. So weisen die Befragten auf zahlreiche neue Applikationen im Medizintechnikbereich hin.

Bedarfsanstiege gab es nach Auskunft der Befragten aber auch in ganz anderen Bereichen. »Der Einsatz von kontaktlosen Hygienemittelspendern ist global enorm gestiegen«, berichtet Marc Eichhorn, Product Marketing Manager Batteries bei Avnet Abacus. »Dadurch ist es etwa bei Alkaline-Zellen der Baugrößen AAA, AA, C und D zu deutlich gesteigerten Lieferzeiten gekommen, was vor Ausbruch der Corona-Pandemie wohl niemand erwartet hätte.«

Verantwortlich für die erhöhten Lieferzeiten sind aber weniger Produktionsengpässe als vielmehr die Auswirkungen des in der Corona-Krise massiv geschrumpften Luftverkehrs. »Die Liefersituation hat sich nach unserem Eindruck insbesondere bei regelmäßigen Bestellungen wieder deutlich beruhigt, da die chinesischen Firmen ja wieder voll produzieren«, meint dazu Adrian Griese, Geschäftsführer von Omnitron Griese. Er weist aber auch darauf hin, »dass nicht nur die Cargo-Maschinen ausgebucht sind, sondern auch der Frachtraum der Unterflurkapazitäten der Passagiermaschinen fehlt. Dadurch sind Lieferzeiten und Kosten höher geworden«. Eine Chance, dass sich das in naher Zukunft ändert, sieht er nicht.

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© Varta

Rainer Hald, Varta: »Wir haben eine Alternative zur Luft- und Seefracht gefunden – den Transport per Bahn über die neue Seidenstraße, und das läuft ganz hervorragend.«

Vor diesem Hintergrund hat der Großteil der Batteriehersteller bei der Lieferung nach Europa inzwischen auf Seefracht umgestellt, wodurch sich in der Übergangsphase die Lieferzeiten verlängerten. Neben der Seefracht scheint aber ein zweiter Lieferweg inzwischen deutlich attraktiver zu werden, der noch vor wenigen Jahren kaum genutzt wurde: die neue Seidenstraße. »Wir haben darin eine sehr gute Alternative gefunden«, so Rainer Hald, CTO von Varta, »der Transport per Bahn über die neue Seidenstraße läuft ganz hervorragend«. Eine Einschätzung, die auch Werner Suter, Managing Director der Schweizer Tefag Elektronik teilt: »In Zukunft wird der Landweg über 11.000 km von China nach Europa ein immer wichtigerer Faktor werden, da der Lufttransport auf absehbare Zeit teuer bleiben wird.«

Für die Anwender in der DACH-Region hat sich diese Situation nach übereinstimmender Auskunft der Branchenexperten nicht negativ in der Preisentwicklung ausgewirkt. In den nächsten Monaten, zu Beginn des Jahres 2021, könnte sich das aber nach Einschätzung einiger Experten ändern. So haben, da das Logistikangebot aus Asien weiterhin beschränkt ist, Transportunternehmen und Spediteure Preiserhöhungen für 2021 angekündigt. Dazu kommt, dass nach Auskunft von Griese »die koreanischen Lithium-Ionen-Batterie-Anbieter für Anfang 2021 bereits eine deutliche Shortage gemeldet haben«.

Es dürften aber nicht nur die Logistikkosten sein, die die Batteriepreise 2021 voraussichtlich nach oben treiben. Nach Einschätzung einiger Experten dürfte dafür auch der wachsende globale Erfolg von Elektro- und Hybridfahrzeugen verantwortlich sein. »Sollte sich der Bedarf im Bereich Automotive kurzfristig erhöhen, können sich daraus wie bereits 2018 Lieferengpässe entwickeln«, warnt Hack. »Ein zusätzlicher Preistreiber bei klassischen 18650-Zellen könnte sich zudem aus der Aufteilung der Produktionslinien zwischen 18650- und 21700-Zellen ergeben.«

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© WEKA Fachmedien

Marc Eichhorn, Avnet Abacus: »Niemand hätte damit gerechnet, dass der weltweit enorm gestiegene Einsatz kontaktloser Hygienespender die Lieferzeiten alkalischer AAA-, AA-, C- und D-Batterien deutlich steigen lässt.«

Griese zeigt sich skeptisch, dass die Produktionskapazitäten der Lithium-Ionen-Batteriehersteller für den wachsenden Bedarf der Automobilbranche ausreichen: »Wir erwarten darum bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2021 einen möglichen Preisanstieg für Lithium-Ionen-Akkus.« Er weist auch darauf hin, dass Teslas ehrgeizige Pläne, ein Elektrofahrzeug im Wert von 25.000 Dollar anzubieten, das auf Tables-4680-Batteriezellen aus eigener Produktion basiert, »dazu führen könnte, dass andere Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien über die Preisgestaltung ihrer Zellen nachdenken«.
 

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