Elektroniknet Logo

Kommentar

Globalfoundries – eine spannende Wette

Heinz Arnold, Editor-at-Large, HArnold@markt-technik.de

Ein wunderbarer Zeitpunkt für einen Halbleiterhersteller wie Globalfoundries an die Börse zu gehen. Dann wird sich zeigen, ob die neue Strategie funktioniert.

Um 2009 wollte AMD sich zum Fabless-IC-Hersteller wandeln; die IC-Fertigung übernahm die in Dubai ansässige Investmentfirma Mubadala. Kurz darauf verleibte sich die neu entstandene Globalfoundries auch Chartered Semiconductor und die IC-Fertigung von IBM ein. Mit Mubadala hatte sich das Unternehmen einen zahlungskräftigen Geldgeber gesichert. Andere waren da weniger glücklich. So war dem Ansatz, die ehemals zu Hitachi gehörende Fab in Landshut unter dem Namen LFoundry als Auftragsfertiger weiterzuführen, nachdem der neue Eigentümer Renesas sie schließen wollte, kein Erfolg beschert. Dem Management Buy-out von 2008 und der Übernahme der Fab von Atmel in Rousset folgte Anfang 2011 die Insolvenz. Wenig Glück war auch Qimonda beschert, in die Infineon das volatile Speichergeschäft ausgegliedert hatte.

Doch Globalfoundries hatte mit Mubadala einen Investor gefunden, der offenbar gewillt war, langfristig orientiert und geduldig auf den Erfolg zu warten. Der stellte sich allerdings nicht ein. Im März 2018 übernahm dann Thomas Caulfield als CEO das Ruder – und beschloss, aus dem teuren Rennen um die neusten Prozesstechniken auszusteigen. Fürderhin wollte sich Globalfoundries nur noch auf Prozesse oberhalb der 12-nm-Grenze beschäftigen – wozu weit weniger hohe Investitionen erforderlich sind als für Sub-12-nm-Prozesse.

Andererseits lässt sich mit Prozessen oberhalb von 12 nm ein erklecklicher Marktsektor anvisieren. Einziger Nachteil: Dieser Marktsektor war bisher weniger profitabel – weshalb sich Samsung und TSMC auf den absoluten High-End-Markt konzentrieren, statt sich mit den älteren Prozessgenerationen herumzuschlagen. Genau diese Kapazitäten suchen die Automobil- und andere Industrien gerade händeringend – was Globalfoundries volle Auslastung und gute Geschäfte beschert. Um 13 Prozent ist der Umsatz in den ersten sechs Monaten dieses Jahres gestiegen. Aus diesem Blickwinkel gesehen hätte Globalfoundries keinen besseren Zeitpunkt für den Börsengang wählen können. 25 bis 30 Mrd. Dollar könnte er in die Kasse spülen. Was denn doch deutlich mehr sein dürfte, als Globalfoundries bisher an Verlusten produziert hat.

Und Caulfield will die Karte der neuen Prozessplattformen spielen – bahnbrechende Innovationen sind nach seiner Überzeugung auch oberhalb von 12 nm möglich und dringend nötig. Doch auch im abgelaufenen Halbjahr hat Globalfoundries noch keinen Profit eingefahren, sondern den Verlust auf 300 Mio. Dollar gesenkt. Wer jetzt auf Globalfondries setzt, wird überzeugt davon sein, dass Thomas Caulfields neue Strategie der innovativen Prozessplattformen endlich in die komfortable Profitabilität führen wird. Auf jeden Fall eine spannende Wette.


Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Globalfoundries, AMD Advanced Micro Devices GmbH, TSMC Europe B.V.