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Globalfoundries wächst kräftig

»Wir haben die aggressiven Ziele noch übertroffen!«

05. März 2021, 09:13 Uhr   |  Heinz Arnold

»Wir haben die aggressiven Ziele noch übertroffen!«
© Globalfoundries

Georg Birkmaier, Globalfoundries: »2021 investiert GF in einen beschleunigten Kapazitätsausbau und verdoppelt die durchschnittlichen jährlichen Investitionen, um das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu beheben und unsere Kunden besser beliefern zu können.«

Der Strategiewechsel war erfolgreich: Für Globalfoundries laufen die Geschäfte blendend, die Kapazitäten werden so schnell wie möglich erhöht.

Markt&Technik: Im Moment gibt es für den Bedarf an Halbleitern nur eine Richtung: nach oben. Wann hat der Nachfrageschub eingesetzt?

Georg Birkmaier: Das hat bereits in der zweiten Hälfte 2020 begonnen, angetrieben durch das Zusammentreffen der beschleunigten digitalen Transformation, der zunehmenden Arbeit von zu Hause bzw. Homeschooling, den Start des 5G-Superzyklus und die Turbulenzen im globalen Handel. Dieser Nachfrageschub erzeugt einen erheblichen Druck auf unsere globalen Lieferketten und hat zu Engpässen in Bezug auf Materialien, Fertigung, Anlagen und Produkten geführt. Die damit einhergehende Nachfrage unterstreicht die Notwendigkeit engerer Partnerschaften innerhalb der Halbleiter-Lieferkette.

Selbst aus dem Bereich Automotive?

Eigentlich heißt es nicht „selbst“, sondern „vor allem“. Weltweit ist das Automobilgeschäft sehr gut gelaufen. Dann, mit der Covid-Pandemie 2020, schwächte sich die Automobilindustrie ab, ist aber jetzt viel stärker als erwartet zurückgekommen, mit einem Nachfrageanstieg von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Außerdem gibt es eine wachsende Nachfrage nach einem ganz anderen Mix von Halbleitern. Der Grund dafür ist, dass mit der Umstellung auf Elektrofahrzeuge Datenverarbeitung zum Herzstück des Fahrzeugs geworden ist. Die elektronischen Funktionen für den Betrieb der Batterie, der Elektromotoren, Bremsen, Lichter und andere kritische Systeme sowie zusätzliche Funktionen wie Entertainment oder Sitzheizung benötigen spezielle und differenzierte Chips. Dazu kommt, dass Qualität und Sicherheit in der Automobilproduktion an erster Stelle stehen. Europa, Singapur und die USA sind die Märkte, aus denen die Automobilhersteller ihre Chips beziehen wollen. Und GF hat dort Standorte, die für Automotive qualifiziert sind oder sich in der Endphase der Qualifizierung befinden.

Der Bedarf entwickelt sich auch in den übrigen Markts ektoren steil nach oben?

Ja, es gilt sowohl für Consumer- als auch für die Industriesektoren. Computer laufen sehr gut, getrieben durch das Homeoffice. Die Smart-Home-Nachfrage hat deutlich angezogen; offenbar überlegen sich viele, die nicht in Urlaub fahren können, jetzt ihr Haus zu modernisieren und smart zu machen. Gleichzeitig wachsen auch IoT, M2M, Industrie 4.0 und 5G stark an. Die Nachfrage steigt ringsum. Ganz konkret verzeichnet der Dresdner GF-Standort eine hohe Kundennachfrage nach unseren großen Technologieplattformen 22FDX, 28SLP sowie dem 40/50/55-nm-Portfolio, die mobile Kommunikation, digitale Assistenten und andere IoT-Anwendungen, Industrial und Automotive unterstützen.

Sind die drei Fabs – Fab 10 sowie die Fabs in Singapur und Dresden – jetzt voll ausgelastet oder können sie noch ausgebaut werden?

Alle Fabs von GF weltweit liefern Rekordmengen an Wafern aus und sind voll ausgelastet oder sogar darüber hinaus. Aus diesem Grund erhöhen wir unser Produktionsniveau, beschleunigen unsere Runrates und installieren so schnell wie möglich neue Anlagen.

Und wir erwarten eine weiterhin steigende Nachfrage nach unseren Lösungen und planen weiteres Wachstum. 2021 investiert GF in einen beschleunigten Kapazitätsausbau und verdoppelt die durchschnittlichen jährlichen Investitionen, um das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu beheben und unsere Kunden besser beliefern zu können.

Der Strategiewechsel, aus dem im Rennen um die neuesten Prozesstechnologien unterhalb von 12 nm auszusteigen und sich auf spezielle Prozesse im IoT- und IIoT-Umfeld zu konzentrieren, ist also bereits aufgegangen?

Auf jeden Fall. 2019 hat GF seine Relevanz für die Halbleiterindustrie wiederhergestellt, indem wir unsere Strategie so geändert haben, dass wir der Innovationsführer für differenzierte Lösungen für eine breite Palette von Marktsegmenten sind.
2020 sahen wir uns einer noch nie dagewesenen Nachfrage nach unseren Lösungen gegenüber – das ist keine Blase, das ist eine Beschleunigung eines Trends in der Halbleiterindustrie.

GF bedient 75 Prozent der gesamten Foundry-Industrie, über eine breite Palette von Marktsegmenten, mit einer Führungsrolle bei differenzierten Lösungen. Unsere Strategie, eine breite Palette an differenzierenden Lösungen für jede unserer Plattformen anzubieten, wie mmWave für Radaranwendungen, Embedded Flash für den Einsatz in künstlicher Intelligenz oder mobilen Zahlungsverkehr, Chips mit Analog-Digital-Wandlern für Audioanwendungen und Chips für OLED-Display-Treiber, zahlt sich aus.

So enthalten beispielsweise acht von zehn Smartphones auf dem Markt heute Silizium aus unserer Fertigung, und die Nachfrage nach unseren differenzierten RF-Lösungen steigt mit dem Übergang der Branche zu 5G weiter sprunghaft an. Wir bieten genau die richtigen, speziell optimierten Prozesse, um 5G überhaupt erst möglich zu machen. Das ist bei Knoten unter 12 nm nicht immer die beste Lösung. Das gilt für alle unsere Zielmärkte.

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